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	<title>Schadenfriendly – Whatever you say, it's linguistic.</title>
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	<description>Whatever you say, it's linguistic.</description>
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		<title>Namensgebung</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 11:16:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesammelt]]></category>

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		<description><![CDATA[
Jemandem einen Namen zu verleihen, ist bekanntlich keine triviale Angelegenheit. Doch die wahren Abgründe tun sich bei der Namensgebung von... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/30/namensgebung/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/07/lindli.jpg" alt="Weidlinge am Lindli" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" /></p>
<p>Jemandem einen Namen zu verleihen, ist <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/05/05/id-like-to-introduce-you-to-my-name/">bekanntlich</a> keine triviale Angelegenheit. Doch die wahren Abgründe tun sich bei der Namensgebung von Booten auf. Ich habe eine Liste mit Namen von Weidlingen (siehe Bild) zusammengetragen:</p>
<table border="0">
<tr>
<td>
<ul>
<li>Anigeo
</li>
<li>Anjali
</li>
<li>Chilawee
</li>
<li>Chretzer
</li>
<li>Chröttli
</li>
<li>Conepa
</li>
<li>Da da am draat
</li>
<li>Daschwewo
</li>
<li>Davidstadt-Chrützer
</li>
<li>Dolce Vita
</li>
<li>Dreamtime
</li>
<li>Emma
</li>
<li>Freya II
</li>
<li>Fröschli
</li>
<li>Hobbit
</li>
<li>Ichchawarte
</li>
<li>Indian Summer
</li>
<li>Joy
</li>
<li>Knilch 1
</li>
<li>Knilch II
</li>
<li>Kranich 10
</li>
<li>Lemsen</li>
</ul>
</td>
<td>
<ul>
<li>Lomiaumit 4
</li>
<li>Louis III
</li>
<li>Medusa
</li>
<li>Milan 4
</li>
<li>Reyrean
</li>
<li>Rhio
</li>
<li>Rhynixe
</li>
<li>Rhystaurante
</li>
<li>Rhytigerli
</li>
<li>Rhytüüfel
</li>
<li>Rónán
</li>
<li>Seewadel IV
</li>
<li>Siesta IV
</li>
<li>Silbermond
</li>
<li>Sueña
</li>
<li>Summer&#8217;s here
</li>
<li>Sunneströössli
</li>
<li>Süüfferli
</li>
<li>Triebholz
</li>
<li>Wifeschreck
</li>
<li>Wudle
</li>
<li>Zwirbel</li>
</ul>
</td>
</tr>
</table>
<p>Die Bandbreite reicht von unverständlich über kitschig bis peinlich, aber ein wirklich guter Name ist meines Erachtens nicht dabei. Was natürlich höchst subjektiv ist. Obwohl ich dazu tendiere, <em>Sunneströössli</em> als objektiv kitschig zu bezeichnen.</p>
<p>Da gibt es die verfehlten Witze: <em>Ichchawarte</em> (&#8220;Ich kann warten&#8221;) zum Beispiel. Oder <em>Lomiaumit 4</em> (&#8220;Lass mich auch mit&#8221;). Oder <em>Da da am draat</em> (&#8220;Das dort am Draht&#8221;). Oder <em>Daschwewo</em> (&#8220;Das ist wie damals, als&#8221;). Oder <em>Rhystaurante</em> (Aaah, bringt mich hier weg!).</p>
<p>Dann die Augenverdreher. Nicht ganz so schlimm, aber irgendwie nicht würdig: <em>Wifeschreck</em> (nebenbei, zwei <em>f</em> wären der Verständlichkeit zuträglich), <em>Silbermond</em> (hä?), <em>Dreamtime</em>, <em>Davidstadt-Chrützer</em> (whatever) und Konsorten.</p>
<p>Einige erschliessen sich mir nicht: <em>Wudle</em>, was soll das sein? Kann der <em>Zwirbel</em> tanzen? Ist <em>Anjali</em> ein Diminutiv von <em>Anja</em> oder muss man das spanisch aussprechen? <em>Reyrean</em>, <em>Chilaween</em>, <em>Lemsen</em>: Was soll das? Säuft das <em>Süüfferli</em> gern mal ab mitten auf dem Rhein? Ach wie schnüsig, wir gehen unter!</p>
<p>Insider zu verwenden, die niemand versteht, ist natürlich erlaubt. Und doch ist es etwas merkwürdig, ist der Name doch gerade auch da für den Rest der Welt. Deshalb meinen ja auch alle, so extrem kreativ sein zu müssen. Blöd nur, wenn man der Welt aus lauter Stolz die eigene Ader für Kitsch vorführt. <em>Fröschli</em>, <em>Chröttli</em>, <em>Rhytigerli</em> und <em>Rhytüüfel</em> lassen grüssen.</p>
<p>So verschieden die Ansätze, eine Gemeinsamkeit scheint zu sein, dass man mitteilen will, wie innig das Verhältnis zum Weidling ist: Hier verbringt man immer eine gute Zeit. Geradezu exemplarisch schreien dies Namen wie <em>Joy</em>, <em>Dolce Vita</em>, <em>Dreamtime</em>, <em>Summer&#8217;s here</em> und <em>Sunneströössli</em> heraus.</p>
<p>Hier will man sein, hier ist man zu Hause, und Tage am und auf dem Rhein mit dem Weidling sind eine Konstante – davon zeugen die Nummerierungen, die wohl beweisen sollen, seit wie vielen Jahrzehnten man selbst und die Vorfahren dem Rhein schon treu sind. Das Heimatgefühl wird durch <em>Mundartausdrücke</em> unterstrichen.</p>
<p>Eigentlich verständlich, dass sich die ganze Zuneigung zu Sommer, Sonne, Rhein und das Vergnügen von Baden und Bräteln mit Freunden im Namen des eigenen Weidlings niederschlagen soll. Eine Überlegung wert wäre es jedoch, dies nicht auf eine so plakative Art zu tun, nicht möglichst viel ohne Rücksicht auf (ästhetische) Verluste in den Namen hinein zu quetschen – <em>Lisa</em> oder <em>Johnny</em> würde es auch tun. Und wenn witzig, mein Geschmack wäre da eher so etwas wie <em>Potemkin</em>, <em>Plan B</em> oder <em>Hansruedi</em>.</p>
<p>Aber eben: Schlussendlich ist es eine Frage des Geschmacks. Nur seltsam, dass alle anderen so einen schlechten Geschmack haben.</p>
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		<title>Kommunizieren über zehntausend Jahre</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/10/kommunizieren-uber-zehntausend-jahre/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 23:34:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ins Gras &#8220;gekratztes&#8221; White Horse bei Uffington, England: Will uns das was sagen? (CC by superdove)
Man stelle sich vor, ein... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/10/kommunizieren-uber-zehntausend-jahre/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/07/uffington-whitehorse.jpg" alt="White Horse Uffington" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" width="640" height="480" /></p>
<div class="kleiner">Ins Gras &#8220;gekratztes&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/White_Horse_Hill">White Horse</a> bei Uffington, England: Will uns das was sagen? (CC by <a href="http://www.flickr.com/photos/superdove/175490515/">superdove</a>)</div>
<p>Man stelle sich vor, ein Mensch stünde vor einem, der achttausend Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte. Wie kommunizieren? Die paar rekonstruierten Wörter der indogermanischen Ursprache wie <em>*ph₂ter</em> (Vater) oder <em>*k&#8217;mtom</em>, an die ich mich auf dem Stehgreif erinnere, brächten wohl nicht viel, zumal Proto-Indogermanisch erst 4 Jahrtausende später angesetzt wird.</p>
<p>Jaja, sich der Extremitäten bedienen natürlich (&#8220;mit Händen und Füssen sprechen&#8221;). Und wenn man etwas schriftlich vermitteln müsste? Sagen wir, unseren Nachfahren, die in 10&#8242;000 Jahren leben werden – wie stellt man das am schlausten an?</p>
<p>Es klingt nach einer absurden Fragestellung ohne Bezug zur Realität. Aber genau darüber grübeln Wissenschaftler: Damit unser Atommüll nicht aus Versehen in ein paar tausend Jahren ausgebuddelt wird, sollen Endlager allgemeinverständlich gekennzeichnet werden. Welche Möglichkeiten gibt es, der Zukunft etwas mitzuteilen? Und welche können wir mit Blick in die Vergangenheit als geeignet betrachten?</p>
<p>(Jetzt denken.)</p>
<p>Auf die Idee mit den &#8220;Achtung!&#8221;-Tafeln in allen Sprachen wäre ich auch noch gekommen. Die Geistesblitze der Wissenschaftler fallen kreativer aus: Priester sollen die Botschaft weitergeben, Strahlenkatzen vor atomarer Strahlung warnen, vielleicht am besten gar nicht markieren oder doch ganz ohne Bling-Bling mit Tonscherben (umgekehrte Psychologie oder so, weil die Mumien haben wir ja trotz Warnungen auch ausgegraben)? <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/Achtung-Gefahr-in-alle-Ewigkeit-/story/14514864">Im Detail beim Tagi nachzulesen.</a></p>
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		<title>Schön und gut</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 12:39:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[begrüssung]]></category>
		<category><![CDATA[grüssen]]></category>

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		<description><![CDATA[Grüssen ist einer der kreativsten Bereiche der Sprache. Lassen wir die regionale und zeitliche Variation beiseite, haben wir immer noch... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/30/schon-und-gut/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Grüssen ist einer der kreativsten Bereiche der Sprache. Lassen wir die regionale und zeitliche Variation beiseite, haben wir immer noch ein Arsenal an Möglichkeiten, unser Gegenüber zu begrüssen. Davon passt natürlich jeweils nur eine stark reglementierte Untermenge.</p>
<p>Die Auswahl reicht von <em>Grüezi</em>, <em>Guten Tag</em>, <em>Guten Abend</em> über  <em>Hallo</em>, <em>Tach!</em>, <em>Tach wohl!</em> bis zu <em>hey</em>, <em>ciao</em>, <em>ai!</em>, <em>hallihallo</em>, <em>ey Alter!</em> oder <em>was geht?</em>, und damit ist natürlich noch längst nicht alles aufgezählt. Gerade unter Freunden gibt es noch viel mehr, was man sagen kann, während man sich bei weniger vertrauten Personen eher an die konventionellen Begrüssungsformeln hält.</p>
<p>Doch auch die können variiert werden: Natürlich zuerst mal mit der Intonation – von einem überfreundliches <em>Grüessech</em> bis zu einem eintönig-unterkühlten <em>Hallo</em> ist vieles möglich. Oder man verschluckt die erste Silbe: <em>&#8216;n Obig</em> ist ziemlich geläufig, aber auch <em>Grüezi</em> und <em>Hallo</em> lassen sich zu <em>&#8216;zi</em> und <em>&#8216;lo</em> verkürzen.</p>
<p>Schön und gut, aber warum wünschen wir uns eigentlich zur Begrüssung einen <em>guten</em> Tag und nicht einen <em>schönen</em>? <em>Schönen Tag (noch)</em> sagt man zur Verabschiedung (oder auch nur <em>En schöne!</em>). Warum das so ist, weiss ich nicht – aber in mir bekannten anderen Sprachen wünscht sich zur Begrüssung auch niemand einen <em>schönen</em>, sondern immer einen <em>guten Tag</em>: <em>Bonjour</em>, <em>Buenos días</em>, <em>G&#8217;day</em> (Australisches Englisch), <em>Добрый день</em> (dobryj djen), <em>Goddag</em> (schwedisch), <em>Góðan Daginn</em> (isländisch), <em>hyvää päivää</em> (finnisch)</p>
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		<title>Bauchreden</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/15/bauchreden/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 23:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Fazit, nachdem ich mir theoretisch und an Beispielmaterial überlegt und mich sogar vor den Spiegel gestellt habe: kann nicht... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/15/bauchreden/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Fazit, nachdem ich mir theoretisch und an Beispielmaterial überlegt und mich sogar vor den Spiegel gestellt habe: kann nicht so schwer sein aber ist schon nicht so einfach, aber vielleicht ist das &#8220;Bauchreden&#8221; gar nicht die grosse Herausforderung beim Bauchreden.</p>
<p>&#8220;Bauchreden&#8221; in Anführungszeichen, weil man natürlich nicht mit dem Bauch sprechen kann (Sorry, liebe Kinder. Übrigens ist auch der Osterhase&#8230; lassen wir das). Um die Unterschiede in den akustischen Schwingungen zu produzieren, die unser darauf spazialisiertes Gehör mit dem Gehirn zusammen als verschiedene Laute wahrnehmen können, brauchen wir den Vokaltrakt. Der Vokaltrakt reicht vom Kehlkopf (den man bei Männern in Form des Adamsapfels nach oben huschen sieht, wenn wir schlucken) bis zu den Lippen.</p>
<p>Unmöglich ist es nicht, den ganzen Sprechapparat so zu benutzen, dass man von aussen keine Bewegung sieht. Die Schwierigkeit sind Laute, die an den Lippen gebildet werden (p, b, m, f, w). Diese muss man entweder vermeiden, ersetzen oder das Publikum ablenken, während man sie produziert. Letzteres scheint mir zu dilettantisch. Es fiele wohl auf und wird, denke ich, nicht gemacht.</p>
<p>Vermeiden oder wenigstens tendenziell vermeiden ist sicher eine Strategie; und die paar Lippenlaute, die dann noch da sind, kann man durch ähnliche Laute ersetzen, zum Beispiel ein [m] durch ein [n], das man eventuell noch etwas modulieren kann, so dass es mehr wie ein [m] klingt. Die Abweichung ist nicht zu unterschätzen, bei der wir es noch schaffen, Sinnvolles zu ergänzen. Allerdings fiele das mit der Zeit wohl auch auf. Also gibt es sicher noch ein paar Tricks, einen weiter hinten produzierten Laut so klingen zu lassen, als ob er weiter vorne gesprochen würde.</p>
<p>Nun habe ich Videos von einigen Bauchrednern angesehen, und mir scheint, gerade [p] wird schon vermieden, weil es schwer auf andere Weise imitiert werden kann – Achmed a.k.a. Jeff Dunham sagt zum Beispiel &#8220;stop touching me&#8221; – hier muss das [p] gar nicht gesprochen werden, wenn zur Kompensation beim darauf folgenden Plosiven [t] die Luft etwas länger angehalten wird, klingt es ziemlich natürlich (Ähnliches passiert ja auch beim Sprechen, z.B. <em>act</em> sprechen Anglosaxen häufig nur [æt:] aus). Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum er sein Skelett &#8220;Achmed&#8221; nennt, mit [m] drin&#8230;</p>
<p>Mir scheint, die Herausforderung ist, das Technische zwar auszureizen und gut zu trainieren – dazu gehört auch, das Publikum so gut zu unterhalten, um von dem abzulenken, was nicht möglich ist, nämlich z.B. ein [p] ohne Lippen zu produzieren, und damit die Illusion aufrechtzuerhalten. Und das ist ja auch der Witz: dass man weiss, dass man einer Illusion aufsitzt, wenn man meint, das Skelett spräche, aber es sieht eben trotzdem so echt aus! Aber seht selbst:</p>
<p><object width="480" height="385"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/1uwOL4rB-go&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/1uwOL4rB-go&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="385"></embed></object></p>
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		<title>Die Sache mit Adams Rippe</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 16:36:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Etymologie]]></category>
		<category><![CDATA[cognates]]></category>
		<category><![CDATA[germanisch]]></category>
		<category><![CDATA[man]]></category>
		<category><![CDATA[mann]]></category>
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		<category><![CDATA[vergleich]]></category>
		<category><![CDATA[woman]]></category>

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		<description><![CDATA[Mässig interessiert sass ich in einer Vorlesung und schaute ein Wort an, das dem deutschen Mensch entspricht. Ich schaute mir... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/30/die-sache-mit-adams-rippe/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mässig interessiert sass ich in einer Vorlesung und schaute ein Wort an, das dem deutschen <em>Mensch</em> entspricht. Ich schaute mir es so lange an, dass ich es auseinandernahm und mir bewusst wurde: <em>Mensch</em> muss aus <em>Mann</em> und <em>-isch</em> zusammengesetzt sein!</p>
<p>Die Erkenntnis mag insofern unbedeutend sein, als dass sie relativ nahe liegt und sie Dutzende vor mir hatten; trotzdem verspüre ich den Drang, dieses meine neuerworbene etymologische Wissen, dass ich danach nachschlug, mit dir, liebes Blog, und euch, liebe Leserin, lieber Leser, zu teilen.</p>
<p>In der Tat geht <em>Mensch</em> auf das Wort, dass deusch <em>Mann</em> heisst, zurück. Die indogermanische Wurzel hiess sowohl <em>Mann</em> als auch <em>Mensch</em>. Das blieb in den meisten germanischen Sprachen auch bis ca. 1000 u.Z. so.</p>
<p>Mit dem Adjektiv-Suffix <em>-isk</em> (heute <em>-isch</em>) wurde noch im Gemeingermanischen (also der Sprache, von der alle germanischen Sprachen von Isländisch über Englisch, Niederländisch oder Gotisch bis Deutsch abstammen) ein Adjektiv mit der Bedeutung &#8220;menschlich, männlich&#8221; gebildet, und daraus wurde dann unser Substantiv <em>Mensch</em>, althochdeutsch <em>mannisco</em>.</p>
<p>Sowohl der Etymologieduden als auch <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?mode=hierarchy&#038;textsize=600&#038;lemid=GM03734&#038;query_start=1&#038;totalhits=0&#038;textword=&#038;locpattern=&#038;textpattern=&#038;lemmapattern=&#038;verspattern=#GM03734L0">die Gebrüder Grimm</a> behaupten, dass das Wort aufs Deutsche und allenfalls Niederländische (<em>mens</em>) beschänkt sei, was ich allerdings nicht bestätigen kann, denn <em>Mensch</em> heisst auf Schwedisch <em>människa</em> (ausgesprochen &#8220;männ(i)scha&#8221;), ähnlich auf Dänisch und Norwegisch. Die IsländerInnen verwenden immer noch das Wort <em>maður</em> (Singularstamm <em>man-</em>), dessen etymologische Entsprechungen – soweit ich das überblicke – in allen germanischen Sprachen eine semantische Verengung erfahren haben. Am Beispiel des Deutschen und Englischen:</p>
<p><img style="display:block; margin-left:auto; margin-right:auto;" src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/mensch.png" alt="Entwicklung man (englisch und deutsch)" border="0" width="470" height="452" /></p>
<p>Das altenglische Wort <em>man</em> hat einen anderen Weg genommen als das Deutsche, aber am Ende ist es gleich herausgekommen: Die Semantik von &#8220;Menschen beiderlei Geschlechts&#8221; auf &#8220;männlicher Erwachsener&#8221; wurde um das Jahr 1000 vollzogen, nachdem Frauen die Bezeichnung &#8220;Frau-Menschen&#8221;, <a href="http://www.etymonline.com/index.php?term=woman"><em>wifman/wimman</em></a> bekommen hatten.</p>
<p>Folglich hat im Englischen das Wort für die Frau (abgeleitet von Mensch) das Wort für Mensch und Mann auf Mann eingeeingt; im Deutschen hat das neue Wort für Mensch das Wort für Mensch und Mann auf Mann eingeeingt.</p>
<p>Wie dem auch sei, das deutsche <em>Mensch</em> hat jedenfalls denselben Wortstamm wie der <em>Mann</em>.</p>
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		</item>
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		<title>Strasse</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/24/strasse/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 11:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Gehört]]></category>
		<category><![CDATA[Trockenphilosophieren]]></category>
		<category><![CDATA[Etymologie]]></category>
		<category><![CDATA[kartenspiel]]></category>
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		<category><![CDATA[straight]]></category>

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		<description><![CDATA[Straßen, in der Schweiz Strassen, hat jeder und jede vor der Tür. Doch mir geht es um die Strassen im... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/24/strasse/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Straßen</em>, in der Schweiz <em>Strassen</em>, hat jeder und jede vor der Tür. Doch mir geht es um die Strassen im Kartenspiel. Ich habe mich gefragt, weshalb das englische Pendant <em>straight</em> heisst, also &#8216;Gerade&#8217;.</p>
<p>Laut dem <a href="http://www.etymonline.com/index.php?term=straight">Online Etymology Dictionary</a> ist die Bezeichnung <em>straight</em> im Poker 1841 erstmalig belegt. Im gleichzeitig begonnenen <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?mode=hierarchy&#038;textsize=600&#038;lemid=GS49376&#038;query_start=1&#038;totalhits=0&#038;textword=&#038;locpattern=&#038;textpattern=&#038;lemmapattern=&#038;verspattern=#GS49376L0">Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm</a> ist diese Bedeutung von <em>Strasse</em> (bzw. <em>Strasze</em>) nicht verzeichnet.</p>
<p>Wir schliessen, dass die englische <em>straight</em> höchstwahrscheinlich <strong>vor</strong> der deutschen <em>Strasse</em> war. Nicht ganz ausschliessen kann man aber, dass das Wort schon vorher für eine ansteigende Abfolge von Karten in Gebrauch war. Beim Jassen nennt sich das allerdings <em>ein Weis</em> oder einfach <em>Dreiblatt, Vierblatt etc.</em> Beim <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Poch">Pochen</a></em>, nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pokern#Geschichte_und_Etymologie">Wikipedia</a> Vorläufer des Pokerns und nach <a href="http://www.etymonline.com/index.php?term=poker">Online Etymology Dictionary</a> wahrscheinlich auch Namensgeber, gab es keine Strasse.</p>
<p>Gehen wir also von der erstgenannten Möglichkeit aus: Das Englische war zuerst. Demnach ist <em>Strasse</em> entweder eine falsche Lehnübersetzung oder eine Neubildung, eventuell (oder sogar wahrscheinlich) mit Einfluss des englischen Terminus. Eine <strong>Neubildung</strong> würde heissen, unabhängig vom Englischen hätte sich die Bezeichnung <em>Strasse</em> entwickelt – doch dass ein so ähnlich klingendes Wort ohne Einfluss von <em>straigt</em> herausbildete, halte ich für unwahrscheinlich. Also würde ich mutmassen, dass es eine <strong>Lehnübersetzung</strong> ist, allerdings nicht mit dem normalerweise <em>straigt</em> entsprechenden <em>Gerade</em>, sondern mit der &#8220;falschen&#8221; Entsprechung <em>Strasse</em>. Dies scheint für deutsche Ohren schöner geklungen zu haben als das eher technische Wort <em>Gerade</em> und die metaphorische Übertragung wurde wohl ebenfalls als chic empfunden.</p>
<p>Eine Weitere Möglichkeit wäre, dass das Englische <em>straight</em> via eine andere Sprache, wo das gleiche Wort für <em>Strasse/street</em> und <em>Gerade/straight</em> stehen kann, ins Deutsche gekommen ist. Mir fiele da Niederländisch ein, das ich aber nicht spreche. An dieser Stelle müsste man auch wissen, auf welchem Wege das erste Spiel mit Strasse nach Europa kam. Oder man bräuchte eine Zeitmaschine, um schnell kucken zu gehen. Und vielleicht fallen einem mit einer lebhafteren Fantasie noch viel mehr Möglichkeiten ein&#8230;</p>
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		<title>Fest der Partikeln</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/15/fest-der-partikeln/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 May 2010 09:53:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<category><![CDATA[partikeln]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie haben weniger zu tun als auch schon.
Sie haben wohl weniger zu tun als auch schon mal.
Sie haben schon eher... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/15/fest-der-partikeln/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sie haben weniger zu tun als <strong>auch schon</strong>.<br />
Sie haben <strong>wohl</strong> weniger zu tun als <strong>auch schon mal</strong>.<br />
Sie haben <strong>schon eher </strong>weniger zu tun als früher <strong>mal</strong>.<br />
<strong>Eigentlich</strong> haben sie <strong>wohl</strong> weniger zu tun als früher.<br />
Sie haben <strong>wohl schon</strong> weniger zu tun als früher.<br />
Früher hatten sie <strong>sicher auch schon mal</strong> mehr zu tun.<br />
Sie haben <strong>doch wohl schon eher</strong> weniger zu tun als früher <strong>mal</strong>.<br />
<strong>Eigentlich</strong> haben sie <strong>doch <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/11/07/glaubs/">glaubs</a> irgendwie schon wohl eher</strong> weniger zu tun als früher.</em></p>
<p><a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/03/10/ein-schritt-nach-vorn-einer-zuruck/">Partikeln</a>, man muss sie einfach lieben. Sie ermöglichen es, Sätze mit beliebig vielen Abtönungen, Verstärkungen, Verrenkungen und Implikationen vollzupacken. Was unter anderem sehr interessant sein kann, wenn man nur 140 (Twitter) oder 160 (SMS) Zeichen zur Verfügung hat.</p>
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		<title>Annäherung ans schweizerdeutsche Konsonantensystem</title>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 12:46:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
		<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Häufung des &#8220;Ach-Lauts&#8221; ist für Auswärtige bezeichnend fürs Schweizerdeutsche. Historisch hängt dies mit dem Zweiten Germanischen Lautwandel zusammen, den... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/09/annaherung-ans-schweizerdeutsche-konsonantensystem/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Häufung des &#8220;Ach-Lauts&#8221; ist für Auswärtige bezeichnend fürs Schweizerdeutsche. Historisch hängt dies mit dem Zweiten Germanischen Lautwandel zusammen, den das Hochalemannische (das nicht ganz deckungsgleich mit dem geografischen Begriff &#8220;Schweizerdeutsch&#8221; ist) im Gegensatz zum restlichen Hochdeutschen &#8220;ganz fertig gemacht&#8221; hat.</p>
<p>Nach der Lektüre der folgenden, – bewusst, dass das noch nicht die ganze Wahrheit ist – als &#8221;Annäherung&#8221; betitelte Abhandlung über das Schweizerdeutsche Konsonantensystem sollte klar sein, weshalb das /x/ – so die phonetische Schreibweise des &#8220;Ach-Lauts&#8221; – im Schweizerdeutschen öfter vorkommt als im Hochdeutschen.</p>
<p>Ich werde an manchen Orten pauschalisieren, aber natürlich ohne <em>Seich</em> zu erzählen. Der Graubündner Dialekt, der Walliser Dialekt (bzw. Höchstalemannisch, das ja schon im Berner Oberland und in der Innerschweiz beginnt) und der Basler Dialekt sind ausdrücklich ausgenommen, da diese Dialekte weitere Eigenheiten haben, auf die einzugehen die Angelegenheit noch mehr verkomplizieren würde.</p>
<p>Die Annäherung geht (sozusagen kontrastiv) vom Hochdeutschen (=Hd., im Sinne von <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/22/deutsch-und-deutlich/">Standarddeutsch</a>) aus. Für eine allgemeine Annäherung ans Schweizerdeutsche verweise ich auf <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/04/07/dialekt-von-gr-διαλέγομαι-dialegomai-miteinander-reden/">den Artikel, den ich hier vor ca. einem Jahr dazu veröffentlicht habe</a>.</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-labial.gif" alt="labiale Reihe" border="1" width="497" height="198" /></p>
<p>Beginnen wir bei den labialen Konsonanten (Grafik: pink=Hochdeutsch, gelb=Schweizerdeutsch). <strong>Der Frikativ /f/ und die Affrikate /pf/ </strong>sind gleich verteilt, wie Wortpaare beweisen (Beispiele für Anlaut, Inlaut, Auslaut): <em>Faden</em> vs. <em>Fade</em>, <em>Tafel</em> vs. <em>Tafle</em>, <em>Hof</em> vs. <em>Hof</em>; <em>Pfanne</em> vs. <em>Pfanne</em>, <em>tropfen</em> vs. <em>tropfe</em>, <em>Knopf</em> vs. <em>Chnopf</em>.</p>
<p>Der hochdeutsche stimmlose bilabiale Plosiv /p/ (mit Allophon [pʰ]) hat zwei Entsprechungen in chd. <strong>/p/ und /pʰ/</strong>: <em>Pelz, Pass</em> oder <em>Puff</em> werden ohne Aspiration gesprochen, <em>Panter, Park</em> oder <em>Piercing</em> aspiriert. Bei älteren Wörtern scheint tendenziell die Aspiration zu fehlen. Spricht man <em>Pelz</em> mit Aspiration, bekommt es für meine Ohren einen &#8220;hochdeutschen Anstrich&#8221;.</p>
<p>Soweit könnte man sagen, dass /p/ und /pʰ/ nur Allophone seien, da es verständlich bleibt, wenn eine Aspiration fehlt oder dazukommt. Doch es gibt eine Reihe von Wörtern, bei denen die Aspiration meines Erachtens phonemische Qualität hat. Deren hochdeutsche Entsprechung ist <em>beh-</em>, das zu /pʰ/ zusammengezogen wurde: <em>bhalte</em> /&#8217;pʰaːltə/ (&#8220;behalten&#8221;), <em>Bhaltis</em> /&#8217;pʰaːltis/ (kleines Geschenk von einer Firma), <em>bhoupte</em> /&#8217;pʰoʊptə/ (&#8220;behaupten&#8221;, berndeutsch; in anderen Dialekten <em>behaupte</em>) etc.</p>
<p><em>E pallti Ladig</em>, ohne Aspiration, ist &#8220;eine geballte Ladung&#8221; – womit wir bei einer Gruppe wären, die immer unaspiriert ist: Partizipien, deren hochdeutsche Entsprechungen mit <em>geb-</em> beginnen: <em>plibe</em> (von <em>bliibe</em>, &#8220;bleiben), <em>paue</em> (von <em>baue</em>, &#8220;bauen&#8221;) oder <em>proocht</em> (von <em>bringe</em>, &#8220;bringen&#8221;). Ein Minimalpaar, das beweist, dass die Aspiration ein phonologischer Unterschied ist, wäre <em>e pallti Ladig</em> (&#8220;eine geballte Ladung&#8221;) mit /p/ vs. <em>Da bhalti!</em> (&#8220;Das behalte ich&#8221;!) mit /pʰ/.</p>
<p>Auch mit /p/ und nicht mit /b/ gesprochen werden <em>Puur</em> (&#8220;Bauer&#8221;) und <em>Pier</em> (&#8220;Bier&#8221;) oder <em>Plöffer</em> (&#8220;Bluffer&#8221;). Und ein /p/ entsteht auch, wenn ein wortinitiales /b/ mit vorhergehenden Plosiven &#8220;verschmolzen wird&#8221;, z.B. <em>d&#8217;Bank</em> /paŋk/ (&#8220;die Bank&#8221;) oder schnell ausgesprochenes <em>Handball</em> /&#8217;hampal/. Solche Sandhi-Phänomene sind typisch fürs Schweizerdeutsche – die Verkürzung von <em>behalten</em> zu <em>bhalte</em>, wo /b/ und /h/ zu /pʰ/ werden, ist ein ähnlicher Vorgang. <span class="kleiner">In den Grafiken sind nur die wortinternen Sandhi mit Verbindungsstrichen vermerkt, die wortübergreifenden wären noch ein viel grösseres Kapitel&#8230; So wird z.B. <em>d&#8217;Frau</em> bzw. <em>d Frau</em> (&#8220;die Frau&#8221;) mit /pf/ gesprochen, /pfrau/.</span></p>
<p>Dann bliebe noch <strong>/b/, der stimmhafte bilabiale Plosiv</strong> (im Hochdeutschen mit Allophon [p] am Wortende). Im Schweizerdeutschen wird /b/ nicht durch Stimmhaftigkeit, sondern durch Länge bzw. Gespanntheit (Lenis) von /p/ (Fortis) unterschieden. Unser /b/ ist also ein weniger intensives /p/. Phonetisch geschrieben wird es meist mit einem Kringel für Stimmlosigkeit, /b̥/.</p>
<p>Zur <strong>Verschriftlichung</strong> (unterste, schwach gelbe Reihe in der Grafik): /p/, /pf/ und /b/ sind kein Problem, etwas schwieriger verhält es sich mit der Verschriftlichung von /p/ und /pʰ/. Da es kein standardisiertes Schweizerdeutsch gibt und damit keine offizielle Schreibung, <strong>greifen wir meist auf das Hochdeutsche zurück</strong>: &lt;p&gt; steht für /p/ und /pʰ/, weil Wörter wie <em>Park</em> /pʰark/ und <em>Pass</em> /pas/ hochdeutsch beide mit &lt;p&gt; geschrieben werden. &lt;b&gt; kann in Wörtern wie <em>broocht</em> /prɔːxt/ statt &lt;p&gt; verwendet werden, weil es eine Form von <em>bringe</em> ist und etymologisches <em>gbroocht</em> blöd aussähe. Ein chd. /pʰ/, das hd. <em>beh-</em> entspricht, wird meist &lt;bh&gt; geschrieben.</p>
<p>Langsam schreibe ich mich in Stimmung&#8230; ;)</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-alveolar.gif" alt="alveolare Reihe" border="1" width="497" height="220" /></p>
<p>Weiter geht es mit der Reihe der an den Alveolen produzierten Konsonanten. Das Bild ist im Grossen und Ganzen dasselbe wie bei den Labialen: <strong>Frikativ /s/ und Affrikate /ts/</strong> sind deckungsgleich, das <strong>stimmhafte /d/</strong> ist im Schweizerdeutschen nicht stimmhaft, sondern eine Lenis /d̥/. Die <strong>Affrikate /ts/</strong> wird, analog dem Deutschen, als &lt;z&gt; (<em>Zange</em>), &lt;tz&gt; (<em>Latz</em>) oder &lt;ts&gt; (<em>stets</em>) verschriftlicht. Es lässt sich keinen Hang zu einer eigenständigen Schreibung erkennen, die näher am Gesprochenen ist. Für die bessere Lesbarkeit greifen wir, wenn wir Schweizerdeutsch schreiben, auf vertraute orthografische Konventionen des Hochdeutschen zurück. Nur als Sprachspiel liest oder schreibt man eventuell Dinge wie <em>Tsüri</em> (&#8220;Zürich&#8221;), das dann als augenzwinkernde Verfremdung erscheint.</p>
<p>Es gibt ein Paar Wörter, wo hochdeutsches /d/ schweizerdeutschem /t/ entspricht, z.B. <em>danke</em> /tanke/ und <em>dumm</em> /tumm/. Darum das &lt;d&gt; als Schreibung für /t/ auf der Ebene der Verschriftlichung.</p>
<p>Deutsches /t/ entspricht wiederum einer <strong>behauchten Variante /tʰ/ und einer nicht behauchten /t/</strong>. Hier scheint mir die Verteilung jedoch, anders als bei /p/ und /pʰ/, sehr ungleichmässig verteilt: /tʰ/ kommt nur in wenigen Wörtern &#8220;zwingend&#8221; vor wie <em>Team</em> oder <em>Tee</em>, sogar bei vielen Fremdwörtern ist nach meinem Gefühl beides möglich, z.B. bei <em>Terrarium</em> oder <em>Texas</em>, wobei /teksas/ einen &#8220;bünzlig-gemütlichen&#8221; Beigeschmack hat, /tʰeksas/ etwas Distanziertes&#8230; Aber ich lasse mich auf die Äste raus.</p>
<div class="kleiner">Auch hier gibt es Fälle von Zusammenzug: /d+h/ &gt; /tʰ/, z.B. <em>d&#8217;Hoor</em> /tʰɔːr/ (&#8220;die Haare&#8221;); /d+d/ &gt; /t/, z.B. <em>d Daniela</em> (&#8220;die Daniela&#8221;) /taniela/; /d+s/ &gt; /ts/, z.B. <em>d Sabi</em> (&#8220;Die Sabine&#8221;) /tsabi/ (vgl. <em>d Frau</em> /pfrau/). Doch dies sind alles Fälle von wortübergreifendem Sandhi, darum keine Verbindungslinien.</div>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-velar.gif" alt="velare Reihe" border="1" width="497" height="228" /></p>
<p>Und jetzt wird&#8217;s endlich richtig &#8220;schön&#8221; (im Sinne von &#8220;verworren&#8221;), denn bei der velaren Reihe kommt das &#8220;Schweizer K&#8221; zum Zuge (also /kx/). Dieses hat das Hochdeutsche gar nicht und deshalb sieht in dieser Reihe alles noch etwas anders aus, aber im Prinzip natürlich gleich&#8230; Konkret: Auch hier gibt es im Schweizerdeutschen fünf Varianten, im Hochdeutschen jedoch nur drei, so dass die Lautentsprechungen etwas anders sind als bei den vorhergehenden Artikulationsorten, was dann auch Auswirkungen auf die Verschriftlichung hat.</p>
<p>Von &#8220;Schweizer K&#8221; habe ich gesprochen, weil ein geschriebenes &lt;k&gt; schweizerdeutsch standardmässig als /kx/ ausgesprochen wird. Das scheint unser Prototyp eines <em>k</em> zu sein – was natürlich Probleme mit sich bringt: wie schreibt man dann, wenn man Mundart schreibt, ein /k/, wie ein /kʰ/? Und natürlich will das &#8220;postplosive Kratzen&#8221; den Kindern wegerzogen werden, wenn sie Hochdeutsch lesen. <span class="kleiner">PolitikerInnen, die ihre Verbundenheit mit der Schweiz in Abgrenzung zu Deutschland und der Welt allgemein ausdrücken wollen, unterstreichen das auf der phonetischen Ebene oft durch die konsequente – <em>kchonsequente</em> – Aussprache von /k/ als schweizerdeutsch angehauchtes /kx/, wenn sie Hochdeutsch sprechen.</span></p>
<p>Zuerst mal das, was mehr oder weniger gleich ist. Da wäre <strong>hd. /x/</strong> (mit Allophon [ç] vor vorderen Vokalen und den Allophonen /ʃ,k/ am Wortanfang, vgl. <em>China</em>), das immer chd. /x/ entspricht: <em>suchen</em> vs. <em>sueche</em>, <em>Bach</em> vs. <em>Bach</em>.</p>
<p>Den Wörtern, die im Hochdeutschen ein /k/ haben (Allophon /kʰ/ wortinitial), entspricht im Schweizerdeutschen – wie schon erwähnt – prototypisch die <strong>Affrikate /kx/</strong>, die es im Hochdeutschen nicht gibt: hd. <em>komisch</em> /k-/ vs. chd. <em>komisch</em> /kx-/, hd. <em>locker</em> /-k-/ vs. chd. <em>locker</em> /-kx-/, hd. <em>Sack</em> /-k/ vs. chd. <em>Sack</em> /-kx/.</p>
<p>Die <strong>Entsprechung zu hochdeutsch /k/ kann aber wortinitial auch /x/ sein</strong>: <em>klein</em> vs. <em>chlii</em>. Die Verteilung von wortinitialem /x/ vs. /kx/ scheint mir ausgewogen. Neuere Wörter haben eher /kx/, so <em>komisch</em> (im Deutschen ab dem 15. Jh. bezeugt), <em>krass</em> (18. Jh.) oder <em>Computer</em>. Wörter aus dem germanischen Urwortschatz dagegen haben /x/: <em>Chile</em> (Kirche), <em>Charte</em> (Karte) oder <em>Chnüü</em> (Knie).</p>
<p>An dieser Stelle ist ein kurzer Exkurs ins Diachrone (die historische Linguistik) angebracht. Die Zweite Germanische Lautverschiebung – DER Klassiker der germanischen Linguistik! –, die nur das Hochdeutsche im linguistischen Sinn (wozu ja auch die Schweizer Dialekte gehören) durchgemacht hat, hat die stimmlosen Plosive /p,t,k/ zu /(p)f,(t)s,(k)x/ verschoben – nur eben, dass ausser den hochalemannischen Dialekten (und und höchstalemannischen Dialekten wie Walliserdeutsch, die ich aussen vor gelassen habe) die Verschiebung von /k/ zu /(k)x/ nicht durchgeführt wurde. Das sieht man, wenn man Hochdeutsch, Schweizerdeutsch und Englisch vergleicht: bei den Labialen und Alveolaren geht Hochdeutsch mit dem Schweizerdeutschen, hd./chd. <em>Pfeffer</em> vs. engl. <em>pepper</em>, hd./chd. <em>Wasser</em> vs. engl. <em>water</em>, aber chd. <em>Chind</em> vs. hd. <em>Kind</em> und engl. <em>kid</em>.</p>
<p>Weiter zu <strong>schweizerdeutschem /k/</strong>. In einigen Fällen entspricht hochdeutsches /k/ schweizerdeutschem /k/: <em>Hoogge</em> vs. <em>Haken</em>, <em>Lagg</em> vs. <em>Lack</em>, <em>Lugge</em> vs. <em>Lücke</em>, <em>güggsle</em> vs. <em>kucken</em>, <em>Egge</em> vs. <em>Ecke</em>. Dies scheint nur im Inlaut und Auslaut möglich zu sein. Ein /k/ am Wortanfang entspricht der hochdeutschen Vorsilbe <em>ge-</em>, die vorwiegend für zur Partizipbildung zum Einsatz kommt (vgl. Elision des unbetonten &lt;e&gt; in der hochdeutschen Vorsilbe <em>be-</em> &gt; <em>bhalte</em>, oben): <em>gää</em> /kɛː/ (&#8220;gegeben&#8221;, zum Infinitiv <em>gää</em> /gɛː/), <em>gmacht</em> /kmaxt/ (&#8220;gemacht&#8221;, zum Infinitiv <em>mache</em> /maxə/) etc.</p>
<p>Das <strong>schweizerdeutsche /kʰ/</strong> ist keine Version des hochdeutschen /k/ (wie dies analog zu /tʰ/ und /pʰ/ denkbar wäre), da hd. /k/ seine Entsprechung ja in den chd. /x/-Lauten findet. Schweizerdeutsches /kʰ/ entspricht hochdeutschem <em>geh-</em>: <em>gha</em> /kʰa/ (&#8220;gehabt&#8221;), <em>Ghalt, ghallt</em> /kʰalt/ (&#8220;Gehalt&#8221;/&#8221;gehallt&#8221;, ausgesprochen wie hochdeutsch <em>kalt</em> /kʰalt/, das auf Schweizerdeutsch <em>chalt</em> heisst) etc. Dieses Sandhi ist analog zu <em>bhalte</em> (s.o.), doch anders als bei /pʰ/, das hochdeutsch <em>beh-</em> oder /p/ entspringen kann, entspricht /kʰ/ immer <em>geh-</em>, nie hochdeutschem /k/.</p>
<p>Das <strong>schweizerdeutsche /g̥/</strong> entspricht wieder bis auf die stimmlose Realisierung dem deutschen /g/.</p>
<p>Damit kämen wir noch zur <strong>Verschriftlichung</strong>. Grundsätzlich lesen wir SchweizerInnen ja &lt;k&gt; als /kx/, deshalb brauchen wir eine andere Verschriftlichung für /k/ (für /x/ haben wir die deutsche Schreibweise &lt;ch&gt; übernommen). Bei den Partizipien wird oft einfaches &lt;g&gt; verwendet: <em>gää</em> /kɛː/ (gleich geschrieben wie der Infinitiv /gɛː/! – weil <em>ggää</em> seltsam aussieht), <em>grennt</em> /krɛnt/ (&#8220;gerannt&#8221;) – dass bei Dialekten im Berner Raum die Realisierung &#8220;weicher&#8221; ist, d.h. eher gegen /g/ tendiert, also /grɛnt/, mag dies begünstigen. Man sieht aber auch die Schreibweise mit &lt;gg&gt; bei Partizipien <em>ggange</em>/<em>gange</em>, und bei nicht-Partizipien (die ja /k/ nur im Inlaut oder Auslaut haben) ist sie Pflicht: <em>Hoogge</em> /hɔ:kə/.</p>
<p>Eine Besondere Herausforderung sind schweizerdeutsche Partizipien, die hd. <em>gek-</em> entsprechen: <em>choche</em> (&#8220;kochen&#8221;) wird mit Partizip-Präfix zu /kxoxt/, aber schreibt man jetzt <em>kocht</em> (eigentlich logisch bei /kx/) oder <em>gchocht</em> (um ersichtlich zu machen, dass die Form zum Paradigma <em>choche</em> gehört)?</p>
<h3>Was heisst das jetzt?</h3>
<p>Ich fasse zusammen: Das Schweizerdeutsche hat an den drei Artikulationsorten von Konsonanten jeweils fünf Artikulationsvarianten, die allesamt <em>Phoneme</em> sind (keine Allophone), während das Deutsche nur jeweils drei oder vier Phoneme hat. Die Artikulationsarten sind jeweils: Frikativ, Affrikate, stimmloser Plosiv unaspiriert, stimmloser Plosiv aspiriert, stimmloser Plosiv Lenis (entspricht dem hd. stimmhaften Plosiv).</p>
<p>In dieser Systematik fehlen einige Konsonanten wie &lt;w&gt; /v/, &lt;sch&gt; /ʃ/, &lt;tsch&gt; /tʃ/ und die Nasale. Diese entsprechen weitgehend (von der Systematik her) den deutschen Konsonanten, soweit ich das beurteilen kann. Man müsste auch noch die Sandhi-Phänomene weiter aufdröseln, die beim Zusammentreffen von Konsonanten auftreten, und dann könnte man noch Lenis vs. Fortis weiter behandeln (/maxe/ vs. /maxːe/, /pfane/ vs. /pfanːe/)&#8230; Doch mir ging es vor allem darum, aufzuzeigen, dass die <strong>Systematik des schweizerdeutschen Konsonantensystems nicht deckungsgleich ist mit der des Hochdeutschen</strong>.</p>
<p>Wer diese Systematik und die hochdeutsch-schweizerdeutschen Entsprechungen verstanden hat, besitzt das Rüstzeug, um das Konsonantensystem des Schweizerdeutsch <em>systematisch</em> zu verstehen und Verschriftlichung oder abweichende Entsprechungen zum Hochdeutsch zu vergleichen. Letztere habe ich bisher verschwiegen; anscheinend sind wir uns in einigen Fällen nämlich selbst nicht einig, was in welche Kategorie gehört:</p>
<ul>
<li>&#8220;gehabt&#8221;: Varianten <em>gha</em> /kʰa/ und <em>ka</em> /kxa/, ebenso <em>gheie</em> /kʰajə/ oder <em>keie</em> /kxajə/
</li>
<li>&#8220;Rakete&#8221;: Varianten <em>Ragete</em> /-g̥-/ und <em>Rakete</em> /-kx-/
</li>
<li><em>Tom</em> würde ich /tʰom/ aussprechen, <em>Thomas</em> /tomas/
</li>
<li>bei /t/ vs. /tʰ/ gibt es Spielraum: <em>Thurgau</em> könnte man beispielsweise mit <em>oder</em> ohne Aspiration aussprechen
</li>
<li>in St. Gallen sagt man öfter /k/ statt /kx/: <em>Frangge</em> (&#8220;Franken&#8221;), <em>tangge</em> (&#8220;danke&#8221;)
</li>
<li>die Türkei bezeichnet man nicht nur in St. Gallen neben <em>Türkei</em> /-kx-/ auch als <em>Türggei</em> /-k-/
</li>
<li>&#8220;Kleider&#8221; sind <em>Chleider</em> /x-/ oder <em>Kleider</em> /kx-/, &#8220;eine Klage&#8221; <em>e Klag</em> /kx-/ oder <em>e Chlag</em> /x-/ – das <em>Kino</em> /kx-/ heisst in Bern <em>Chino</em> /x-/
</li>
</ul>
<p>Es gibt also ein System von verschiedenen Schubladen, doch die einzelnen Wörter reihen wir zum Teil verschieden ein. Im St. Galler Dialekt besteht eine Tendenz, Wörter eher in Kategorie des unaspirierten /p,t,k/ zu tun, in Bern eine Tendenz, die Sandhi-Konsonanten weicher auszusprechen .</p>
<h3>Wo begegnet mir das im Alltag?</h3>
<p>Das erste Beispiel sind natürlich dialektale Unterschiede, wie die gleich zuvor genannten.</p>
<p>Ein Fall, wo uns die Verschriftlichung von /k/ als &lt;gg&gt; in die Quere kommt, ist das Wort <em>blogge</em> (&#8220;bloggen&#8221;): Das &lt;gg&gt; verleitet (zumindest mich) dazu, es als /&#8217;blokə/ auszusprechen (wie <em>Bagger</em> /baker/), doch im Englischen und Deutschen dient das in der Orthografie geminierte &lt;gg&gt; nur dazu anzuzeigen, dass das /o/ kurz ist.</p>
<p>Schon kurz angetönt habe ich, warum ein /kx/ (ein &#8220;kratziges k&#8221;) als bewusste sprachliche Abgrenzung gegen Deutschland eingesetzt werden kann (wenn man Hochdeutsch spricht): es hat, soziolinguistisch gesehen, die Bedeutung &#8220;ich bin ein Schweizer&#8221;. Ähnlich könnte man auch eine absichtliche Nicht-Aspiration einsetzen. Ich habe mich allerdings noch nie darauf geachtet, ob das gemacht wird.</p>
<p>Klar sollte auch sein, warum wir /ɛks&#8217;kysi/ (&#8220;Entschuldigung&#8221;, von frz. <em>excusez</em>) nicht mit &lt;k&gt;, <em>äxküsi</em>, schreiben, obwohl wir ein /k/ sprechen (es würde /ɛks&#8217;kxysi/ ausgesprochen).</p>
<div class="kleiner">Ein schönes <a href="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/lautentsprechungen-kons-ch-vs-de.pdf" alt="PDF Lautentsprechungen">PDF mit allen Lautentsprechungen</a>  steht zum Download bereit (allerdings ohne Verschriftlichungs-Ebene, die hat nicht mehr draufgepasst).</div>
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		<title>Rothenbühler, Sie sind raus</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 15:22:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem Peter Rothenbühler bereits <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/04/19/keinen-plan-aber-erst-mal-schon-standardisieren/">in der NZZaS sein Unwissen zum Besten geben durfte</a>, wurde nun im <em>Zischtigsclub</em> von SF1 in seiner Anwesenheit über Sprachen in der Schweiz und Schweizer Sprachpolitik diskutiert. Dies unter dem schaurigen Titel <a href="http://www.sendungen.sf.tv/club/Sendungen/zischtigsclub/Archiv/Club-vom-27.04.2010">&#8220;Bonjour, Grüezi, Hello! &#8211; Verstehen Sie Schweizerisch?&#8221;</a>.</p>
<p>Der Genfer Nationalrat <strong>Antonio Hodgers</strong> hatte die Debatte vor einigen Wochen eröffnet. Er war nach Bern gezogen um Deutsch zu lernen und merkte, dass die <a href="http://www.admin.ch/ch/d/sr/101/a4.html">offizielle Landessprache</a> im Alltag nur marginal vorkommt und alle Dialekt sprechen. Ich verstehe seine Ernüchterung, doch ich möchte zu bedenken geben, dass die Deutschschweizer nach etlichen Jahren (in meinem Falle sechs) Französischunterricht die Westschweizer auch nicht ohne zusätzlichen Effort verstehen. Es ist normal, dass man &#8220;unter sich&#8221; die eigene Sprache ohne Rücksicht auf Nicht-Muttersprachler spricht.</p>
<p>In der Schweiz, wo Dialekte in sehr vielen Domänen (z.B. am Arbeitsplatz, im Rundfunk, z.T. auch bei offiziellen Anlässen) gebraucht werden, ist das in der Tat nicht einfach für jemanden, der von aussen kommt. Wenn man jedoch das aufgeladene Verhältnis von Schweizerdeutsch und Standardsprache angreift, wird sich nicht viel bewegen; bittet man eine Deutschschweizerin, Hochdeutsch zu sprechen, wird sie das aber gerne tun. Oder wie Pedro Lenz ausführt: Schon in Schottland stand er mit seinem Englisch am Berg. So realistisch muss man wohl sein, zu erkennen, dass es zusätzliche Hürden, unter anderem in Form von Varietäten, gibt. Man kann froh sein, wenn es nicht zusätzlich noch Unterschiede bei Verhaltensweisen gibt, die einem das Einleben erschweren.</p>
<p>Die Sprachen, die wir in der Schule lernen, sind also nicht &#8220;fixfertig für den Gebrauch&#8221;. Allerdings ist der Status des Schweizerdeutschen in der Tat eher hoch für einen Dialekt, und deshalb wäre es vielleicht gar nicht schlecht, etwas Schweizerdeutsch zu lernen in der Westschweiz.</p>
<p>Kommen wir zum schwierigeren Fall: <strong>Peter Rothenbühler</strong>, seines Zeichens Medienfuzzi und Schaumschläger-Journi. Jedes Mal, wenn er seinen Mund auftut, kommt irgendeine ach so provokante These heraus, für die er ein paar Fakten zurechtbiegt und ein paar Differenzierungen sausen lässt. Diese Vorstellung gibt er mit einem Gestus, als hätte er alles durchschaut, weil er zweisprachig aufgewachsen ist, während er eigentlich nicht die geringste Ahnung hat. Seine Überheblichkeit sieht man etwa daran, dass er dem Sprachwissenschaftler &#8220;recht gibt&#8221; (!), dass es ein Schweizer Hochdeutsch gebe (40:20), als ob dies verhandelbar wäre.</p>
<p>Er hat zwei Thesen:</p>
<ul>
<li>Früher war das Hochdeutsch der Deutschschweizer besser
</li>
<li>Schweizerdeutsch ist keine &#8220;richtige Sprache&#8221;, sondern ein Dialektwirrwarr
</li>
</ul>
<p>Zu <strong>These 1: <em>Früher konnten die Leute noch Hochdeutsch</em></strong>, wollen wir uns folgenden Auszug zu Gemüte führen (10:00-10:55):</p>
<blockquote><p><strong>Rothenbühler</strong>: Das grosse Problem, das ich sehe, ist, dass die <em>Deutsch</em>schweizer ihre erste Landessprache nicht beherrschen. Sie können nicht mehr Hochdeutsch! Es kann kein Deutschschweizer ein anständiges Hochdeutsch sprechen, selbst gebildete Leute. Und dann, [Widerspruch von Werlen aus dem Hintergrund] dann ziehen sie sich auf den Dialekt zurück und die Dialekte sind auch ein Mischmasch und Sie haben gesagt –<br />
<strong>Werlen</strong>: Nein, die sind überhaupt kein Mischmasch, da muss ich als Linguist jetzt wirklich mal intervenieren. Ich meine, das Hochdeutsche, wie es in der Schweiz gesprochen wird, ist eine Form des Hochdeutschen, die nicht die gleiche Form ist wie zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland. [...] Und deswegen, diese normative Vorstellung, &#8220;wir müssen alle Hochdeutsch sprechen wie der alte Bundeskanzler Schmidt es getan hätte&#8221;, das ist falsch.</p></blockquote>
<p>Ab 18:30 führt Linguist Werlen aus, dass &#8220;das Mass an Fremdsprachigkeit in der Deutschschweiz heute so gross ist wie nie zuvor&#8221;. Da kann ich einfach nicht recht glauben, dass unser Hochdeutsch so viel schlechter als das vor hundert Jahren sein soll.</p>
<p>Ein weiteres Lamento aus Rothenbühlers Mottenkiste ist, dass sich das Schweizer Hochdeutsch zu sehr ans Deutsche angleicht – die alte Leier von der Sprache, die sich möglichst nicht verändern solle, der böse Einfluss von Deutschland, der böse Einfluss von Amerika, als ob die Globalisierung nichts verändern würde – aber das müssen wir jetzt nicht schon wieder durchkauen, oder? Es gibt übrigens viele Beispiele von Sprachen, die ihren heutigen Status nur haben, <em>weil</em> sie sich bei anderen Sprachen bedient haben – zum Beispiel das moderne Englisch, dessen Wortschatz sich zu einem nicht unerheblichen Teil aus dem Französischen und Lateinischen speist.</p>
<p><strong>These 2: <em>Schweizerdeutsch ist keine &#8220;richtige Sprache&#8221;, sondern ein Dialektwirrwarr</em></strong></p>
<p>Dazu gibt Herr Rothenbühler zu Protokoll (30:00-30:55):</p>
<blockquote><p>Ich bin auch der Meinung, dass die Dialekte nicht schwierig sind. [...] Die Dialekte, wie sie heute gesprochen werden, sind eher einfach und ein bisschen primitiv wenn man&#8217;s vergleicht mit einer richtigen literarischen Sprache wie es das Hochdeutsche darstellt.<br />
Und ich weiss, dass die Westschweizer jungen Leute Schweizerdeutsch <em>nicht</em> nicht lernen wollen, weil sie finden, es ist zu schwierig, sondern weil sie sagen: &#8220;Hochdeutsch ist eine richtige Sprache mit Literatur, mit einer Syntax, mit einer Orthografie und das entspricht den anderen Literatursprachen wie Italienisch, Französisch und so, die kodifiziert sind. Und dieses Mischmasch von Dialekten, was soll ich lernen? Zürichdeutsch? Berndeutsch? Das will ich nicht in einer Schule lernen, ich will zuerst gut Hochdeutsch lernen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Mit dem letzten Teil hat Herr Rothenbühler natürlich recht; man lernt standardisierte Sprachen. Das ist doch toll, ein Schlüssel zu 100 Millionen Leuten! Man darf sich einfach nicht vorstellen, dass man damit in die Deutschschweiz (oder ins tiefste Bayern) eintauchen kann wie in ein zweites Zuhause. Im Französischunterricht redet man über Frankreich, nicht über die Westschweiz. Das muss man sich schon selbst erarbeiten, was auch kein Problem ist, wenn man das will.</p>
<p>Dann die Aussage, die Dialekte seien &#8220;primitiv&#8221;, keine &#8220;richtige Sprache&#8221; (vgl. 16:30, &#8220;Die Hochsprache, die korrekte Sprache&#8221;, &#8220;<em>gutes</em> [also nicht "schlechtes"] Englisch&#8221;) – Schweizerdeutsch ist nicht standardisiert, hat folglich keine Orthografie und ist keine Literatursprache, das ist richtig. Doch die Schweizer Dialekte haben genauso eine Syntax wie jede Sprache. Und einen Bestandteil einer Kultur als primitiv zu bezeichnen, ist doch <em>vo Hindervorgeschter</em>.</p>
<p>Schlaue Sprachpolitik stärkt die Mehrsprachigkeit. Aus Herr Rothenbühlers Warte lässt sich nur aufgepfropfte Sprachpolitik betreiben, welche die Realitäten missachtet und nicht akzeptiert werden wird.</p>
<p><strong>Zusammenfassung der Anklage</strong></p>
<p>Herr Rothenbühler hat das Basiswissen nicht, um über Sprachvarietäten zu diskutieren. Er hat keine Kompetenz, aber Bekanntheit und rhetorische Erfahrung, mit der er sich Raum verschafft für seine Forderungen zur Sprachpolitik oder gar -pflege (&#8220;man muss doch&#8221;). Er kennt die Materie nicht, aber weiss, wie der Hasen läuft, wo man seine Ansichten deponieren muss.</p>
<p>Mir ist dieses Geleier eines Möchtegern-Experten, das jeglicher analytischen Basis entbehrt, zuwieder. In einer Sparte, wo ich eine gewisse Ahnung habe, kann ich Geschwätz als solches einordnen. Was mir Angst macht ist, dass ich es in vielen anderen Themenbereichen nicht einordnen kann und überall ein Rothenbühler dabeisitzt.</p>
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		<title>Keinen Plan, aber erst mal schön standardisieren</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 19:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vorwörtchen: Dies ist keine &#8220;Dialekt vs. Hochsprache&#8221;-Debatte. Ich störe mich daran, wie Herr Rothenbühler Dialekte als niedere Sprachen darstellt. Wenn... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/04/19/keinen-plan-aber-erst-mal-schon-standardisieren/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vorwörtchen: Dies ist keine &#8220;Dialekt vs. Hochsprache&#8221;-Debatte. Ich störe mich daran, wie Herr Rothenbühler Dialekte als niedere Sprachen darstellt. Wenn nichts besser als das andere ist, heisst das aber auch, dass Dialekte nicht besser als Standarddeutsch sind.</em></p>
<p>Peter Rothenbühler ist Kolumnist. Weil er in Biel zweisprachig aufgewachsen ist, fühlt er sich offensichtlich als Sprachexperte. In der NZZaS vom 18.4.10 diagnostiziert er den Deutschschweizern, sie würden &#8220;langsam zum Volk ohne Sprache&#8221;, da sie Dialekte sprächen, die &#8220;sprachlich verwildert sind&#8221;. Die Dialekte seien &#8220;ein fehlerhaftes Mischmasch&#8221; (interessant, dass sich trotzdem alle verstehen, obwohl sie &#8220;fehlerhaft&#8221; sprechen).</p>
<p>Das sagt schon mal einiges über die Wahrnehmung von Sprachen von Herrn Rothenbühler: Es gibt gute Sprachen und schlechte, richtige und falsche. So weit so falsch.</p>
<p>Als Beleg dafür werden Soziolekte angeführt wie &#8220;Zürialbanisch&#8221; (so seine Bezeichnung), das – oh nein, wie schlimm! – mit der Intonation spielt, oder die SMS-Sprache. Das ist wie wenn man in ein Londoner Pub gehen würde, wo garantiert nur Alteingesessene verkehren, und sich dann beklagt, dass man an diesem Ort Cockney und nicht Received Pronunciation spricht. Man kommuniziert nun mal je nach Situation verschieden, der Begriff dafür heisst &#8220;Varietäten&#8221;.</p>
<p>Dann der Vergleich mit Deutschland und Frankreich: dort würden Dialekte &#8220;als Privatsache betrachtet, als Intim- oder Babysprache für den familiären Bereich&#8221;. Es stimmt, dass Dialekte in verschiedenen Sprachräumen unterschiedlich viel Prestige gegenüber der Standardsprache geniessen, und es trifft auch zu, dass die französische und deutsche Standardsprache viel mehr Prestige als die französischen und deutschen Dialekte hat.</p>
<p>Doch natürlich will Herr Rothenbühler damit Wasser auf seine Mühlen lenken: Das Schweizer Fernsehen trage zum &#8220;sprachlichen Reduitdenken&#8221; bei, fährt er fort, indem es viele Sendungen, auch Informationssendungen, auf Schweizerdeutsch ausstrahle. Damit spricht er implizit an, worum es geht: um Identität. Aber statt zu erörtern, warum Mundart in der Deutschschweiz ein hohes Prestige geniesst, versucht Herr Rothenbühler, dem Dialekt seinen Status abzusprechen.</p>
<p>Aufgefüllt wird der Cocktail mit einem Schuss der ewigen Leier, dass niemand in der Schweiz richtiges Standarddeutsch könne, notabene folgend auf die Feststellung, dass das Hochdeutsch, welches in der Schule gelernt werde, nie mehr angewendet werde. Macht&#8217;s da nicht Klick? Viele brauchen in ihrem Leben einfach kein Hochdeutsch. So wie die Dänen in ihrem eigenen Land nicht englisch sprechen müssen. Nur eine Minderheit muss regelmässig international kommunizieren. Vielleicht sollte man das in die Beurteilung des Soll-Status vom Hochdeutschen mit einfliessen lassen. Dass Standarddeutsch die allgemeine Verständigung vereinfacht, ist jedoch nicht abzustreiten. Und hier breche ich ab, denn gleich wird&#8217;s komplex.</p>
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