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	<title>Schadenfriendly – Whatever you say, it's linguistic. &#187; Gelesen</title>
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		<title>Gedanken zur Schaffhauser Mundart – Sprachwandel, Dialektverflachung, Variation</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
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		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Zeit beschäftige ich mich mit Schweizer Dialekten und im Zuge dessen am Rande auch mit meinem eigenen Dialekt. Ausgehend... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2012/01/12/gedanken-zur-schaffhauser-mundart-%e2%80%93%c2%a0sprachwandel-dialektverflachung-variation/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zeit beschäftige ich mich mit Schweizer Dialekten und im Zuge dessen am Rande auch mit meinem eigenen Dialekt. Ausgehend davon ein paar Beobachtungen.</p>
<p>Ich bin im Kanton Schaffhausen aufgewachsen und meine Eltern auch. Natürlich bin ich nicht das Mass der Dinge in Sachen Mundart von Schaffhausen, doch der Vergleich älterer Beschreibungen mit der Sprache, die ich spreche, bringt schon, ohne weit in die Tiefe zu gehen, einige Erkenntnisse. Der Kanton Schaffhausen ist ein Zipfel im Nordosten der Schweiz und grenzt an Deutschland. Das Schaffhauserdeutsch gehört zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hochalemannisch">Hochalemannischen</a>.</p>
<p>Heinrich Stickelberger hat 1881, also vor 130 Jahren, eine Diss zur Mundart der Stadt Schaffhausen veröffentlicht. Auf S. 3-4 listet er Merkmale der Stadtschaffhauser Mundart auf (erste 9 Punkte; letzte drei nicht auf der Liste):</p>
<ol>
<li><em>ên, ôn > ii, uu: nii, knuu, schtuu, guu, luu</em> &#8216;nehmen, genommen, stehen, gehen, lassen&#8217;
</li>
<li>mittelhochdeutsches (mhd.) <em>ei > aa</em>: <em>Flaasch und Baa und Faasses draa</em> &#8216;Fleisch und Bein und Feisses dran&#8217;
</li>
<li>Standarddeutsch <em>-ung</em> entspreche <em>-ing</em>
</li>
<li>[æ] gebe es nicht, dies sei zu [ɛ:] geworden
</li>
<li>-n sei geschwunden
</li>
<li>o sei offen vor Nasalen, meist auch vor r: <em>Bòmm, Chròòne, bòre, Tòòr</em> &#8216;Baum, Krone, bohren, Tor&#8217;
</li>
<li>Diminuitive auf -ìlì: <em>Fögili, Büsili</em> &#8216;Vöglein, Kätzchen&#8217;
</li>
<li>Dativ des Infinitiv erhalten: <em>z findid, z machid, z tüend, z sind</em> &#8216;zu finden, zu machen, zu tun, zu sein&#8217;
</li>
<li><em>nünt, numme, oo</em> &#8216;nichts, nicht mehr, auch&#8217;
</li>
<li>Ausserdem setzt er den gespannten Vokalen <em>i, u, ü</em> ungespannte Laute gegenüber. Er impliziert, dass dieser Unterschied phonemisch ist, sagt das aber nicht explizit. Er vermerkt dazu (Stickelberger 1881: 51), dass &#8220;die Wenigsten für den Unterschied von i, u, ü und [den abgetönten Varianten] ein Ohr haben&#8221; (was für mich etwas nach &#8220;ich höre es, weil ich erwarte, dass ich es höre&#8221; klingt).
</li>
<li>Die Aussprache von /r/ ist nach Stickelberger (1881: 15) normalerweise Zungenspitzen-r [r], &#8220;individuell&#8221; sei auch uvulares [ʁ] &#8220;häufig&#8221;, doch würden &#8220;ganze Gemeinden […] wegen des gutturalen r verspottet&#8221;.
</li>
<li>Stickelberger (1881: VI) zählt die Diphthonge /ou, øy, ei, o:u, ø:y/ auf (wobei er in Klammern geöffnete Varianten angibt), dazu die &#8220;unechten Diphthonge&#8221; /iə, uə, yə/.
</li>
</ol>
<p>Aus heutiger und persönlicher Sicht kann ich dazu sagen:</p>
<ol>
<li>Solche Formen kommen mir fremd vor. Das Schaffhauser Mundartwörterbuch (ShMwb) bezeichnet sie als &#8220;Relikte&#8221; (S. 24)
</li>
<li>Ich kenne wenige Leute, die /a:/ statt /ai/ sagen. Für mich hatte das immer etwas Archaisches. Es gibt diesen Spruch, <em>D Zaane d Laatere durabschlaapfe</em> &#8216;Die Zaine die Leiter hinuntertragen&#8217;, den ich als Kind eher als Spottvers auffasste. Wanner (1939: 41) verzeichnet in seinem Werk &#8220;Die Mundarten des Kantons Schaffhausen&#8221; schon ein starkes Vordringen des Diphthongs, der damals allerdings im grössten Teil des Kantons noch /ɛi/ lautete.
</li>
<li><em>Ziiting</em> und <em>Orning</em> sage ich nur zum Scherz. Aber Schulkollegen aus Dörfern fern der Stadt sagten solche Dinge. Noch einigermassen lebendig. Aber die meisten haben sich nach meiner Einschätzung auf allgemein Schweizerdeutsches <em>Ziitig</em> und <em>Ornig</em> verlegt.
</li>
<li>Das ist weiterhin so.
</li>
<li>Auch hier keine Veränderung.
</li>
<li>Ich sage <em>Baum, Chróóne, bòre, Tóór</em>, wobei ich mir <em>Tòòr</em> noch vorstellen kann zu sagen, <em>Bòmm</em> und <em>Chròòne</em> nicht. Die klingen in meinen Ohren betont konservativ.
</li>
<li>Die Diminuitive sind bei mir abgetönt, also <em>Büseli</em> und <em>Vögeli</em>. Das <em>-ili</em> ist mir noch in den Ohren, aber ich glaube nicht, dass es überlebt.
</li>
<li>Ich habe schon solche Formen gehört und mich mit Kollegen darüber lustig gemacht. Ausser im Scherz würde ich sie niemals aktiv brauchen. Das ShMwb stellt fest, der Dativ des Infinitivs sei &#8220;in der älteren Mundart lebendig&#8221; (S. 41).
</li>
<li>In meinem Idiolekt heisst das <em>nüüt, nümme, au</em>. <em>Oo</em> kommt mir sehr fremd vor, <em>numme</em> höre ich ab und zu und <em>nünt</em> sage ich vielleicht auch einmal, z.B. wenn ich sehr deutlich sprechen will.
</li>
<li>Dies hat mich überrascht, da ich hier keinen Unterschied empfinde. Auch das ShMwb (S. 32f.) meint, es gebe &#8220;kaum&#8221; einen Unterschied in der Vokalqualität (wie im Standarddeutschen). Wanner (1939: 8) bezeichnet den Unterschied nicht, weil er &#8220;gering und unbestimmt&#8221; sei.
</li>
<li>Ich kenne niemanden, der das /r/ vorne spricht. Ich dachte immer, das hintere, gegen Vokal tendierende /r/ [ʁ? ɣ?] (im Auslaut meines Erachtens [-ɔ]) sei typisch für Schaffhausen (und die Ostschweiz). In der Tat scheint schon ein bis zwei Generationen später das Zungenspitzen-r auf dem Rückzug zu sein: &#8220;[Zäpfchen-r] scheint umsich [sic] zu greifen. In Ra[msen] und Scha[ffhausen] herrscht es vor, in Schl[eitheim] auch.&#8221; (Wanner 1939: 10). Das ShMwb stellt lapidar fest: &#8220;In der Schaffhauser Mundart ist das Zäpfchen-r verbreiteter als das Zungen-r.&#8221; (S. 34).
</li>
<li>Die &#8220;unechten&#8221; Diphthonge (mit Schwa als zweitem Glied) sind auf jeden Fall erhalten. Dass diese nicht monophthongiert sind, ist meines Wissens eines der verbindenden Merkmale des Schweizerdeutschen gegenüber der hochdeutschen Standardsprache. In meinem Idiolekt hingegen ist /ou/ zu /au/ geworden, /ei/ wie /a:/ (siehe oben) zu /ai/, /øy/ zu /ɔi/ – dies alles scheint eine Anpassung ans Hochdeutsche zu sein. Die lange Diphthonge haben sich allerdings als /a:u, ɔ:i/ erhalten (/lau/ vs. /bla:u/). Auch /ai/ hat einen entsprechenden Langdiphthong /a:i/, wie in <em>ma:ijə</em> &#8216;mähen&#8217; den Stickelberger allerdings anders analysiert (mit &#8220;reduziertem i&#8221;) – bei Wanner (1939) entspricht er /ɛ:i/: <em>mɛ:ijə</em> (S. 35).
</li>
</ol>
<p>Fazit: 8½ (7 ganz, 3 teilweise) von 12 Merkmalen, die vor 130 Jahren typisch für den Dialekt der Stadt Schaffhausen waren, kommen mir fremd oder archaisch vor. Weiterhin &#8220;aktuell&#8221; (immer verglichen mit meinem Idiolekt) sind systematische Lautwandel und einzelne Formen. Davon ausgehend drei Gedankengänge.</p>
<p><strong>Verflachung des Dialekts</strong></p>
<p>Der Gedanke liegt beim Betrachten der obigen Liste nahe. Ecken und Kanten des Dialekts werden abgeschliffen, es findet eine Anpassung an die Umgebung statt, hervorstechende Merkmale werden zugunsten weiter verbreiteter Formen aufgegeben. Ich kann nur noch einmal feststellen, womit dies zu tun hat: Früher gab es viel weniger Einflüsse von aussen (Stichworte Migration und Massenmedien). Es sind die Lebensumstände, welche die Sprache formen. Sprachwandel halt.</p>
<p>Mir scheint, dass sich der Schaffhauser Dialekt neben der hochdeutschen Standardsprache vor allem den anderen Ostschweizer Dialekten orientiert hat. Dies mit dem Vorbehalt, dass dies meine persönliche Einschätzung ist, da ich nicht weiss, welche Merkmale seit jeher &#8220;ostschweizerisch&#8221; sind. Ich vermute, es gibt eine Verbandelung der Dialekte von Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen (was z.B. die Ostschweizerische Vokalspaltung nahelegt, die grob die Dialekte dieser Kantone gemeinsam haben). Das hiesse, man hat sich v.a. ähnlichen Dialekten angepasst, grenzt sich hingegen jedoch weiterhin bewusst von anderen ab (Zürichdeutsch, Schwäbisch).</p>
<p>Die Tendenz zur Verflachung ist, denke ich, nicht umstritten. Aber es wäre ein falsches Bild, würde man behaupten, dass die Schweizer Mundarten bald zu einem einzigen grossen Brei verschwimmen werden. Denn in Abgrenzung zu anderen beharren wir auf Unterschieden wie dem schaffhauserischen <em>nid</em> (&#8216;nicht&#8217;) oder auf unserm <em>a</em>, das nach der Überzeugung der SchaffhauserInnen nicht so hell ist wie das in St. Gallen und nicht so dunkel wie das in Zürich.</p>
<p>Das Schaffhauser Mundartwörterbuch stellt ebenfalls eine &#8220;Tendenz zur Uniformierung&#8221; fest und meint einen Absatz weiter unten: &#8220;Dialektgrenzen erhalten sich dennoch erstaunlich zäh, zwar sinkt die Kenntnis von Details, nicht aber das Bewusstsein für Mundartgrenzen. Die feinen Unterschiede zwischen den Dialekten erhalten sich selbst dann noch, wenn vermeintlich niemand mehr «richtigen» Dialekt spricht.&#8221; (S. 26)</p>
<p><strong>Geschwindigkeit des Sprachwandels</strong></p>
<p>Einhergehend mit der &#8220;Tendenz zur Uniformierung&#8221; wird eine &#8220;Beschleunigung des Sprachwandels&#8221; ab Mitte des 20. Jahrhunderts attestiert (ShMwb S. 26). Hier kann ich ebenfalls nicken und einhaken: Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Merkmale eines (nicht in der Ausrottung begriffenen) Dialektes sich in wenigen Generationen ändern – in diesem Falle: sich überregionaler Formen annähern oder angleichen.</p>
<p>Verwundert bin ich weiterhin über den Zusammenfall der offenen und geschlossenen <em>i, u, ü</em>. Wenn diese wirklich phonemisch gewesen sind, hat das Vokalsystem sich innerhalb von etwas mehr als einem halben Jahrhundert nicht unwesentlich vereinfacht, was ich durchaus bemerkenswert finde.</p>
<p><strong>Variation</strong></p>
<p>Wieder einmal mit der Nase gestossen wurde ich auf die Erkenntnis, dass Sprache nicht so fixiert ist, wie wir meinen – es gibt oftmals eine gewisse Variation, gerade im lexikalischen Bereich, aber auch bei der Formenbildung oder dem Lautsystem. Mehrere Wörter oder Formen konkurrieren sich, vielleicht setzt sich eines durch oder sie bestehen längere Zeit nebeneinander. In einem nicht durch Schriftkonventionen standardisierten Dialekt ist dies noch stärker der Fall als etwa im Standarddeutschen.</p>
<p>Dies stellt auch Wanner (1939) fest: &#8220;Die Einheit im Ganzen duldet Mannigfaltigkeit im Einzelnen.&#8221; (S. 2)</p>
<p>So gibt es <em>numme</em> und <em>nümm(e)</em>, <em>Bòmm</em> und <em>Baum</em>, <em>Ziitig</em> und <em>Ziiting</em>, <em>Laatere</em> und <em>Laitere</em> oder <em>Gaaferi, Gäiferi, Gäuferi</em> und <em>Gòòferi</em> (&#8216;Geiferer&#8217;, ShMwb S. 158). Konjunktiv-Formen sind besonders ergiebig; So heisst <em>ich niem, neem, nääm, näämti</em> (ShMwb S. 43) alles &#8216;ich nähme&#8217;. Auch sonst ist bei Verbformen eine flexible Handhabung festzustellen: <em>Ich will</em> kann wiedergegeben werden als <em>ich wett, ich wött, ich wott</em> und gerade noch zulässig ist standarddeutsches <em>ich will</em>. Wanner (1939) gibt gleich sechs (örtlich klar verteilte) Varianten für <em>Bremse</em> (die Insekte): <em>Bräme, Breeme, Breme, Brääme, Brööme, [brœ:mə]</em> (S. 4).</p>
<p>Diese Variation, der man schon im Kleinen Gebiet eines Kantons begegnet, ist im grossen Massstab das alltägliche Brot in der Schweiz: Eine sagt so, der andere so, und meistens versteht man sich.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Stickelberger, Heinrich: <em>Lautlehre der lebenden Mundart der Stadt Schaffhausen</em>. Aarau: Sauerländer 1881.
</li>
<li>Wanner, Georg: <em>Die Mundarten des Kantons Schaffhausen</em> Hg. von Hans Wanner. Schaffhausen: 1939-1941.
</li>
<li><em>Schaffhauser Mundartwörterbuch</em>. Begründet von Alfred Richli; erarbeitet von Heinz Gallmann [et al.]. Schaffhausen: Meier 2003.
</li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Unpersönlich in erster, zweiter, dritter und vierter Person</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2011/10/19/unpersonlich-in-erster-zweiter-dritter-und-vierter-person/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 17:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gehört]]></category>
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		<category><![CDATA[indefinit]]></category>
		<category><![CDATA[indefinitpronomen]]></category>
		<category><![CDATA[lyrisches ich]]></category>
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		<category><![CDATA[unbestimmt]]></category>
		<category><![CDATA[unpersönlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten, Situationen und Empfindungen zu beschreiben, die wir alle kennen. Das dreigliedrige Personalpronomensystem des Deutschen ist... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2011/10/19/unpersonlich-in-erster-zweiter-dritter-und-vierter-person/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten, Situationen und Empfindungen zu beschreiben, die wir alle kennen. Das dreigliedrige Personalpronomensystem des Deutschen ist wohl gar keine schlechte Basis, auch wenn es auf den ersten Blick sehr strikt erscheint: hier bei mir (ich; wir), mir gegenüber (du; ihr), sonst irgendwo (er/sie/es; sie). <span class="kleiner">Wie es ganz anders geht, zeigt zum Beispiel das Finnische, aber dazu erst am Schluss.</span></p>
<p>Da gibt es zum Beispiel noch die Indefinitpronomina. Heute las ich einen Artikel, in dem durchgehend <strong><em>man</em></strong> verwendet wird. Ein Auszug (zugegeben, das Thema ist eher banal, tut hier aber eh nichts zur Sache):</p>
<blockquote><p><strong>Man</strong> trinkt in Lützelflüh zwei Kaffee [….] – <strong>man</strong> hat eine volle Blase. Doch oh weh! Schon beim Einsteigen sieht <strong>man</strong> das Schild an der Tür: WC gesperrt. [….] Später stellt <strong>man</strong> der Medienstelle der SBB ein paar Fragen. [….] <strong>Man</strong> staunt [über die aufschlussreiche Antwort]. Als Nörgelkunde denkt <strong>man</strong> allerdings: […]<br />
<em>(Tages-Anzeiger 17.10.11)</em></p></blockquote>
<p>Die Verwendung des Pronomens <em>man</em> hat einen besonderen Effekt zur Folge. Die Leserin oder der Leser weiss, dass die Begebenheit dem Journalisten wiederfahren ist, auch wenn er nicht in der 1. Person, als <em>ich</em> berichtet. Warum also spricht er von sich in der 3. Person? <em>Man</em> ist ein <em>Indefinit</em>pronomen, bezeichnet also <em>unbestimmte</em> Personen. Dies legt nahe, dass das Geschilderte jeder und jedem zustossen könnte – es wird impliziert, dass es eine Erfahrung ist, die vielen BahnfahrerInnen bekannt ist.</p>
<p>Bemerkenswert ist, dass im Deutschen ähnliche Effekte mit den Pronomen der 1. und <strong>2. Person Singular</strong> erzielt werden können:</p>
<blockquote><p>Nimm die Finger von dem Mädchen, verlass endlich die Bar<br />
Draussen scheint die Sonne, die Nacht ist nicht mehr da<br />
<strong>Du</strong> hast zuviel geredet, fühlst dich etwas falsch<br />
Das einzige was bleibt läuft <strong>dir</strong> bitter durch den Hals<br />
Und dann schlägt <strong>dein</strong> Herz<br />
(Olli Schulz &#038; Der Hund Marie: Dann schlägt dein Herz)</p></blockquote>
<p>Olli Schulz besingt seine Gefühle in einer bestimmten Situation. Er richtet dies jedoch direkt an den Hörer bzw. die Hörerin, indem er die 2. Person benutzt. Er hätte auch singen können: <em>Ich habe zuviel geredet</em> und so weiter. Doch es scheint, als habe er die Universalität dieses Gefühls betonen wollen: <em>Das kennen wir doch alle, wenn es einem so geht, dass …</em> – Dafür würde sich natürlich auch das Indefitivpronomen eignen, <em>man fühlt sich etwas falsch</em>, doch die ist in manchen Fällen, namentlich wenn sie nicht als Subjekt fungiert, unelegant: <em>Und dann schlägt das Herz von einem</em> – und darüber hinaus kann man die 2. Person auch mit dem Imperativ adressieren und hat damit eine Variationsmöglichkeit: <em>Nimm die Finger von dem Mädchen!</em></p>
<p>Dass <em>du</em> in manchen Fällen <em>man</em> entspricht, dürfte Sprachinteressierten schon vorher bekannt gewesen sein. Noch einen Schritt weiter geht die Verwendung der <strong>1. Person</strong>, oft als &#8220;lyrisches Ich&#8221;, wofür ich auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lyrisches_Ich#Beispiel">das Beispiel in der Wikipedia</a> verweise, zu dem erläutert wird: &#8220;Das Lyrische Ich ist hier eine fiktive Figur […]&#8221; – Die 1. Person Singular steht also für eine nicht genau bestimmte Person, genau wie <em>man</em> oder <em>du</em> oben.</p>
<p>Auch <strong><em>wir</em></strong>, die 1. Person des Plurals, kann in solchem Sinne verwendet werden: Das lyrische Ich kann auch als wir auftreten, aber auch gewisse <em>man</em>-Sätze können durch <em>wir</em>-Sätze ersetzt werden: <em>Diesem Phänomen begegnen wir …</em> (vgl. nächsten Abschnitt), was eine den Leser oder die Hörerin miteinbeziehende Form für <em>Diesem Phänomen begegnet man …</em> ist.</p>
<p>Und dann wäre da natürlich noch das <strong>Passiv</strong>, neben <em>man</em> die erste Wahl bei Texten, die objektiv (also unpersönlich) sein müssen (oder erscheinen sollen): <em>Daraus wird ersichtlich, dass …</em></p>
<p>Ebenso stehen <strong>weitere Indefinitpronomen</strong> zu Verfügung: <em>jemand, eine, einer, alle, jeder, jede</em> etc.</p>
<p>Die &#8220;kreative&#8221; Verwendung unbestimmter Formen erlaubt Umschreibungen und Ersetzung, die Abwechslung in einen Text bringen, aber auch jeweils einen eigenen Beigeschmack haben: &#8220;aggressives&#8221; <em>du</em>, Objektivität implizierendes Passiv, pathetisches <em>wir</em>, egozentrisches/persönliches <em>ich</em> und so weiter. Einem elaborierteren Variieren der Personalformen begegnen wir bei Kettcar. Hier wird gemischt, was das Zeug hält (Ähnliches liesse sich sicherlich auch in Gedichten finden; ich hab&#8217;s mehr mit der Musik):</p>
<blockquote><p>Das was <strong>du</strong> aussuchst<br />
<strong>Wir</strong> tauschen Zeit für Geld und hoffen<br />
[…]<br />
<strong>Ich</strong> wüsste wie es wirklich war<br />
Egal ist gleich vorbei<br />
Welcher Teil jetzt wirklich stimmt<br />
<strong>Ich</strong> war ja auch dabei<br />
Lächeln und still<br />
Am Ende steht immer die Null<br />
und was <strong>wir</strong> dafür halten<br />
(Kettcar: Nullsummenspiel)</p></blockquote>
<p>Der Text legt sich nicht auf <em>eine</em> Bezeichnung der Person fest, welche die besungenen Situationen durchlebt: <em>Du</em> suchst dir etwas aus, <em>wir</em> tauschen, <em>ich</em> wüsste. Es könnte auch heissen: <em>Das was man aussucht / Man tauscht Zeit für Geld […]</em> oder <em>Du weisst wie es wirklich war […] Du warst ja auch dabei</em> – Der Inhalt würde sich nur geringfügig ändern (worüber man sich natürlich streiten kann). Meine Interpretation ist die folgende: Dass durch die bewusste Vermischung der Personalformen ebenjene unwichtig werden, deutet darauf, dass ein Anspruch besteht, Gefühle und Gedanken, die viele kennen, zu artikulieren – es geht nicht um jemand Bestimmtes, jedeR könnte so fühlen. Die Auflösung der eigentlichen Bedeutung der Pronomina unterstreicht das.</p>
<h1>Andere Sprachen</h1>
<p><strong>Im Englischen</strong> behilft man sich in Ermanglung eines <em>man</em> mit <em>you</em>: <em>You can&#8217;t do that!</em> oder mit <em>they</em>: <em>They say that …</em> (&#8216;Man sagt, dass …&#8217;).</p>
<p><strong>Im Französischen</strong> wird das Indefinitpronomen <em>on</em> (&#8216;man&#8217;) oft für die 1. Person Plural eingesetzt: <em><strong>On</strong> va au ciné?</em> (&#8216;Gehen <strong>wir</strong> ins Kino?&#8217;) – dies ist das umgekehrte Phänomen des <em>wir</em> bei Kettcar, das für irgendjemand stehet.</p>
<p><strong>Im Spanischen</strong> (und soweit ich weiss, auch im Italienischen) gibt es eine Reflexivkonstruktion, die etwa dem deutschen <em>man</em> oder Passiv entspricht: <em>No se puede vivir sin aire.</em> (&#8216;Man kann nicht leben ohne Luft.&#8217;, wörtlich &#8216;Es kann sich nicht leben ohne Luft.&#8217;), <em>se vende</em> (&#8216;zu verkaufen&#8217;), <em>Se dice que …</em> (&#8216;Es wird gesagt, dass …&#8217;).</p>
<p>Das <strong>finnische</strong> &#8220;Passiv&#8221; ist eine weitere Variante, Handlungen ohne bestimmtes Subjekt auszudrücken. Es wird auch &#8220;4. Person&#8221; genannt, da es eine Handlung beschreibt, die von einer nicht definierten Person durchgeführt wird (&#8220;irgendjemand macht etwas&#8221;): <em>Kirja luetaan.</em> (&#8216;Das Buch wird gelesen&#8217;)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Schaffe schaffe Häusle umbaue</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Sep 2011 16:21:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sprachwandel]]></category>
		<category><![CDATA[flexion]]></category>
		<category><![CDATA[flexionsparadigma]]></category>
		<category><![CDATA[grammatik]]></category>
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		<category><![CDATA[grammatischer wandel]]></category>
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		<category><![CDATA[morphologie]]></category>
		<category><![CDATA[periphrase]]></category>
		<category><![CDATA[periphrasitsches perfekt]]></category>

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		<description><![CDATA[Mich fasziniert, wie wenig zimperlich Sprachwandel vor sich geht: Man nimmt sich, was da ist, und baut ein System. Doch... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2011/09/28/schaffe-schaffe-hausle-umbaue/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mich fasziniert, wie wenig zimperlich Sprachwandel vor sich geht: Man nimmt sich, was da ist, und baut ein System. Doch auch wenn solche Sprachsysteme tendenziell immer als geschlossen dargestellt werden, wird immerzu umorganisiert, wie ein Haus, das im Innern ständig umgebaut wird.</p>
<p>Wir lernen das Englische, wie es zur Zeit gesprochen wird, wir lernen eine ausgewählte Sprachstufe Latein oder welche Sprache auch immer und nehmen es als in sich geschlossenes System wahr – doch in Wahrheit wird ständig umgebaut; hier wird ein Zimmer angebaut (z.B. ein periphrastisches Perfekt), dort ein Stock herausgerissen (z.B. das Präteritum im Schweizerdeutsch, süddeutschen Mundarten und im Afrikaans), es wird saniert, neu möbliert und an den Türrahmen, Stukkaturen, Griffen herumgebastelt – nur um die Zimmer ein paar Jahrhunderte später wieder zu verlassen und einen neuen Stock mit derselben Akribie aufzubauen und einzurichten.</p>
<p>Das ruft nach Anschauungsmaterial. Ein schönes Beispiel finde ich oft benutzte Verben, die aus verschiedenen Paradigmata &#8220;zusammengeklaut&#8221; sind. Solche gibt es sowohl in den romanischen als auch in den germanischen Sprachen (und sicher noch in vielen weiteren).</p>
<p>Im Französischen und Spanischen liegt ein solcher Fall beim Verb für &#8220;gehen&#8221; vor. Die lateinischen Präsens- und Imperfekt-Paradigmata der Verben <em>ire</em> (gehen), <em>vadere</em> (gehen, schreiten) und <em>ambulare</em> (gehen, spazieren):</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2011/09/lat.gif" alt="Latein" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" width="447" height="271" /></p>
<p>Das Französische hat sich bei <em>ambulare</em> und <em>vadere</em> bedient:</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2011/09/frz.gif" alt="Französisch" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" width="447" height="73" /></p>
<p>Das Spanische hat dagegen aus <em>ire</em> und <em>vadere</em> ein neues Verbparadigma zusammengesetzt:</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2011/09/esp.gif" alt="Spanisch" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" width="447" height="73" /></p>
<p>Das Paradigma des deutschen Verbs <em>sein</em> ist ebenfalls ein Beispiel für Suppletion (vgl. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsch#Besondere_Verben">Wikipedia</a>):</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2011/09/dt.gif" alt="Deutsch" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" width="600" height="70" /></p>
<p>Weiteres Anschauungsmaterial bringt der Vergleich von Zeitformen verschiedener Sprachen. Hier werden oft ganze Kategorien von Formen (&#8220;Stockwerke&#8221;) umgestaltet: Nimmt man wieder dieselben Sprachen, sieht man z.B., dass Französisch ein periphrastisches Perfekt entwickelt hat (<em>elle a fait</em>, sie hat getan), welches das lateinische Perfekt (<em>fecit</em>) fast gänzlich abgelöst hat – es existiert noch die literarische Form <em>elle fit</em>, im Spanischen ist dieses &#8220;einfache Perfekt&#8221; in Gebrauch gebliben: <em>hizo</em>. Das Futur wurde im Spanischen wie im Französischen aus dem Infinitiv (daher das <em>r</em>) neu gebildet: frz. <em>tu diras</em> (du wirst sagen), span. <em>dirás</em>, dagegen lat. <em>dices</em>; frz. <em>tu aimerai</em> (du wirst lieben) vs. lat. <em>amabis</em> (mit Tempus-Zeichen <em>b</em>).</p>
<p>Im Deutschen findet sich ebenfalls ein periphrastisches Perfekt, welches das Gemeingermanische meines Wissens noch nicht hatte. Dann die Konjunktiv-Bildung durch Umlaut, der Wegfall des einfachen Futurs (ohne periphrastische Umschreibung)… – An Beispielen mangelt es nicht.</p>
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		<title>Ein Auch ist auch ein Aber</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/11/08/ein-auch-ist-auch-ein-aber/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Nov 2010 16:02:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Trockenphilosophieren]]></category>
		<category><![CDATA[abtönungspartikel]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[partikel]]></category>
		<category><![CDATA[partikeln]]></category>

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		<description><![CDATA[Wieder einmal eines meiner Lieblingsthemen. Die Welt der Partikeln, eine Welt der Augenzwinkereien und gewagten Theorien.
&#8220;Ich habe dort auch ganz... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/11/08/ein-auch-ist-auch-ein-aber/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wieder einmal eines meiner Lieblingsthemen. Die Welt der <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/03/10/ein-schritt-nach-vorn-einer-zuruck/">Partikeln</a>, eine Welt der Augenzwinkereien und gewagten Theorien.</p>
<p>&#8220;Ich habe dort <strong>auch</strong> ganz gute Freunde gehabt&#8221;, sagt eine Autorin über den Ort, wo sie aufgewachsen ist. Hiesse es: &#8220;Ich habe dort ganz gute Freunde gehabt&#8221;, wäre die Aussage neutraler, das <em>auch</em>, welches eigentlich eine Beziehung zwischen zwei gleichartigen Dingen herstellt, impliziert hier einen Gegensatz: <em>Eigentlich</em> hatte ich keine (guten) Freunde, <em>aber</em> ich hatte <em>auch</em> gute Freunde.</p>
<p>Die Herstellung des Gegensatzes funktioniert über das Herausstreichen dessen, was gleich ist: Es gab zwei Gruppen von Freunden. Die Gruppe &#8220;keine (guten) Freunde&#8221; und die Gruppe &#8220;gute Freunde&#8221;. Beide waren eine Art Freunde. Das ist der gemeinsame Nenner, auf den sich <em>auch</em> bezieht.</p>
<p>Allerdings ist die Gruppe &#8220;keine (guten) Freunde&#8221; gar nicht genannt – das <em>auch</em> lässt uns ergänzen, dass die &#8220;guten Freunde&#8221; nicht die einzigen sind: es muss noch andere &#8220;Freunde&#8221; geben. Und dass sie überhaupt impliziert, dass es die auch gegeben hat, muss eine Bedeutung haben: Es ist eine negative Wertung für den ganzen Ort. </p>
<p>Vielleicht gibt es noch andere (oder richtigere) Erklärungen, und sehr wahrscheinlich ist das alles nicht sehr verständlich – jedenfalls finde ich es faszinierend, dass wir wegen eines kleinen <em>auch</em> im Kopf automatisch hinzufügen: &#8220;Das ist dann wohl nicht ihr Lieblingsort.&#8221;</p>
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		<title>In Schweden duzen sich alle</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 20:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Skandinavien]]></category>
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		<category><![CDATA[du-reform]]></category>
		<category><![CDATA[duzen]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Schweden duzten sich alle, heisst es. Und es stimmt: Alle sprechen sich in Schweden mit du und Vornamen an,... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/10/18/in-schweden-duzen-sich-alle/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweden duzten sich alle, heisst es. Und es stimmt: Alle sprechen sich in Schweden mit <em>du</em> und Vornamen an, Chef und Arbeiter, Nachbarn und nach dem Weg Fragende. Die Ausnahme ist die Königsfamilie.</p>
<p>Doch das schwedische <em>du</em> ist nicht dasselbe wie das deutsche <em>du</em>: Es ist die unmarkierte Form, also der Normalfall. Da klingt nichts Vertrauliches mit. <span class="kleiner">Im Deutschen ist <em>du</em> in vielen Gruppen ja auch die unmarkierte Form; Würde ein Zehnjähriger eine Klassenkameradin mit <em>Sie</em> ansprechen, wäre dies sehr seltsam. Die Höflichkeitsform ist also in diesem Kontext die markierte, das <em>du</em> die unmarkierte Form.</span></p>
<p>Zum &#8220;schwedischen <em>du</em>&#8221; kam es aus zwei Gründen:</p>
<ul>
<li>Einerseits war die Höflichkeitsform <em>Ni</em> (&#8220;Ihr&#8221;) nur die Anrede von von jemandem mit höherem an jemanden mit tieferem sozialen Status, während in die andere Richtung (niederer Rang zu höherem) umständliche Konstruktionen in der 3. Person (&#8220;Hat der Herr Direktor …&#8221;) herangezogen oder die Anrede durch unpersönliche Ausdrücke (<em>Vad önskas?</em> &#8220;Was wird gewünscht&#8221;, im Restaurant) umgangen werden mussten. Versuche zwischen 1850 und 1930, <em>Ni</em> analog zum dänischen/norwegischen <em>De</em> (&#8220;Sie&#8221;) umzubesetzen (Höflichkeitsform ohne Koppelung an Status), bzw. gleich <em>De</em> zu importieren, misslangen.
</li>
<li>Andererseits war die vorherrschende Sozialdemokratie seit jeher sehr auf <em>jämlikhet</em>, also Gleichheit, bedacht. Dass die komplizierte &#8220;Höflichkeitsfloskelei&#8221; allen aus dem Hals hing, begünstigte die &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Du-Reform">Du-Reform</a>&#8221; (<em>du-reformen</em>) in den 60er-Jahren. Schon vorher ging man schnell zum <em>du</em> über (<em>lägga bort titlarna</em>, also &#8220;die Titel ablegen&#8221;), um sich die sprachlichen Umständlichkeiten zu sparen, doch mit der Du-Reform wurde ein für alle Mal Klarheit geschaffen.</li>
</ul>
<p>Das <em>du</em> löste also Konstruktionen ab, die als veraltet wahrgenommen wurden. Am Anfang hatte es noch den Beiklang von &#8220;Solidarität unter Gleichen&#8221;, bald aber war das <em>du</em> nur noch neutral, so wie man im deutschsprachigen Raum auf der Strasse jemanden selbstverständlich mit <em>Sie</em> anspricht. Braunmüller* drückt es so aus: &#8220;Der Bereich des [schwedischen] <em>du</em> reicht also weit in den Bereich des [deutschen] <em>Sie</em> hinein.&#8221;</p>
<p><img style="display:block; margin-left:auto; margin-right:auto;" src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/10/skand_du.gif" alt="skand_du.gif" border="0" width="576" height="244" /></p>
<p>Auch in den anderen skandinavischen Ländern bzw. Gesellschaften gab es parallele Entwicklungen. Inwiefern der Impuls vom Schwedischen ausging, kann ich nicht beurteilen, aber ich vermute, dass die Du-Reform durchaus einen Einfluss hatte, da sich die skandinavischen Länder eng verbunden fühlen.</p>
<p>Auf <strong>Island</strong> sagen alle <em>þú</em> (&#8220;du&#8221;) und Vorname zueinander, und auch im <strong>Finnischen</strong>, das bekanntlich nicht zu den skandinavischen Sprachen im engeren Sinne (i.e. nordgermanischen) gehört, das aber kulturell eng mit Skandinavien verbunden ist, ist <em>sinä</em> (&#8220;du&#8221;) und Vorname die übliche Anrede.</p>
<p>In <strong>Dänemark</strong> ist es etwas komplizierter (vgl. Grafik):</p>
<ul>
<li>Dem deutschen <em>Sie</em> entspricht auf der &#8220;Formalitätsabstufung&#8221; die Anrede mit vollem Namen (oder nur Nachname, ohne <em>herr/fru</em>), pronominal dann aber <em>du</em>, was auf Deutsch ziemlich doof und sicher nicht nett klingt: <em>Du, (Anna) Meier</em>.
</li>
<li>Formeller als das deutsche <em>Sie</em> und oft im Geschäftsalltag benutzt ist die Anrede mit <em>De</em> (&#8220;Sie&#8221;), dazu <em>herre/fru</em> und Nachname oder der volle Name.
</li>
<li>Das schwedische <em>du</em> plus Vorname schliesslich wird unter Freunden, aber auch für gleichaltrige Gleichgestellte und sogar Höhergestellte verwendet und deckt somit einen grösseren Bereich als das deutsche <em>du</em> ab.</li>
</ul>
<p><strong>Norwegen</strong> steht zwischen Schweden und Dänemark, wobei das &#8220;schwedische&#8221;, allgemeine <em>du</em> in der gesprochenen Sprache der Normalfall, ein dem Dänischen ähnliches abgestuftes System aber noch intakt ist. Im Gegensatz zum Dänischen scheint sich das allgemeine <em>du</em> im Norwegischen durchsetzen zu können. Doch da das Norwegische das Übergangsstadium mit zwei Systemen noch nicht abgeschlossen hat, könnte es auch sein, dass das alte System erhalten bleibt oder sogar wieder stärker wird. Braunmüller nochmals: &#8220;[D]as alte, noch mehr an den Konventionen des Dänischen sich orientierende System, und das neue, mehr auf formelle [sic!] Gleichstellung wie im Schwedischen bedachte System [scheinen sich] zu überlagern.&#8221;</p>
<p>Und damit wären wir wieder bei der Feststellung vom Anfang: Das Duzen hat in Schweden bzw. Skandinavien nicht die Bedeutung, dass man ein einzig Volk von Brüder und Schwestern ist, sondern nur, dass man unkomplizierter ist: Sprachliche Gleichstellung kann zwar mit sozialer Gleichstellung einhergehen, muss aber nicht.</p>
<div class="kleiner">*Viele der Informationen stammen aus &#8220;Die skandinavischen Sprachen im Überblick&#8221; von Kurt Braunmüller (Tübingen: Francke, 2007). Schwedisch S. 82-84, dänisch S. 137-139, norwegisch S. 190f.</div>
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		<title>Kommunizieren über zehntausend Jahre</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/10/kommunizieren-uber-zehntausend-jahre/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 23:34:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ins Gras &#8220;gekratztes&#8221; White Horse bei Uffington, England: Will uns das was sagen? (CC by superdove)
Man stelle sich vor, ein... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/10/kommunizieren-uber-zehntausend-jahre/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/07/uffington-whitehorse.jpg" alt="White Horse Uffington" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" width="640" height="480" /></p>
<div class="kleiner">Ins Gras &#8220;gekratztes&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/White_Horse_Hill">White Horse</a> bei Uffington, England: Will uns das was sagen? (CC by <a href="http://www.flickr.com/photos/superdove/175490515/">superdove</a>)</div>
<p>Man stelle sich vor, ein Mensch stünde vor einem, der achttausend Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte. Wie kommunizieren? Die paar rekonstruierten Wörter der indogermanischen Ursprache wie <em>*ph₂ter</em> (Vater) oder <em>*k&#8217;mtom</em>, an die ich mich auf dem Stehgreif erinnere, brächten wohl nicht viel, zumal Proto-Indogermanisch erst 4 Jahrtausende später angesetzt wird.</p>
<p>Jaja, sich der Extremitäten bedienen natürlich (&#8220;mit Händen und Füssen sprechen&#8221;). Und wenn man etwas schriftlich vermitteln müsste? Sagen wir, unseren Nachfahren, die in 10&#8242;000 Jahren leben werden – wie stellt man das am schlausten an?</p>
<p>Es klingt nach einer absurden Fragestellung ohne Bezug zur Realität. Aber genau darüber grübeln Wissenschaftler: Damit unser Atommüll nicht aus Versehen in ein paar tausend Jahren ausgebuddelt wird, sollen Endlager allgemeinverständlich gekennzeichnet werden. Welche Möglichkeiten gibt es, der Zukunft etwas mitzuteilen? Und welche können wir mit Blick in die Vergangenheit als geeignet betrachten?</p>
<p>(Jetzt denken.)</p>
<p>Auf die Idee mit den &#8220;Achtung!&#8221;-Tafeln in allen Sprachen wäre ich auch noch gekommen. Die Geistesblitze der Wissenschaftler fallen kreativer aus: Priester sollen die Botschaft weitergeben, Strahlenkatzen vor atomarer Strahlung warnen, vielleicht am besten gar nicht markieren oder doch ganz ohne Bling-Bling mit Tonscherben (umgekehrte Psychologie oder so, weil die Mumien haben wir ja trotz Warnungen auch ausgegraben)? <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/Achtung-Gefahr-in-alle-Ewigkeit-/story/14514864">Im Detail beim Tagi nachzulesen.</a></p>
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		<title>Keinen Plan, aber erst mal schön standardisieren</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/04/19/keinen-plan-aber-erst-mal-schon-standardisieren/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 19:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
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		<description><![CDATA[Vorwörtchen: Dies ist keine &#8220;Dialekt vs. Hochsprache&#8221;-Debatte. Ich störe mich daran, wie Herr Rothenbühler Dialekte als niedere Sprachen darstellt. Wenn... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/04/19/keinen-plan-aber-erst-mal-schon-standardisieren/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vorwörtchen: Dies ist keine &#8220;Dialekt vs. Hochsprache&#8221;-Debatte. Ich störe mich daran, wie Herr Rothenbühler Dialekte als niedere Sprachen darstellt. Wenn nichts besser als das andere ist, heisst das aber auch, dass Dialekte nicht besser als Standarddeutsch sind.</em></p>
<p>Peter Rothenbühler ist Kolumnist. Weil er in Biel zweisprachig aufgewachsen ist, fühlt er sich offensichtlich als Sprachexperte. In der NZZaS vom 18.4.10 diagnostiziert er den Deutschschweizern, sie würden &#8220;langsam zum Volk ohne Sprache&#8221;, da sie Dialekte sprächen, die &#8220;sprachlich verwildert sind&#8221;. Die Dialekte seien &#8220;ein fehlerhaftes Mischmasch&#8221; (interessant, dass sich trotzdem alle verstehen, obwohl sie &#8220;fehlerhaft&#8221; sprechen).</p>
<p>Das sagt schon mal einiges über die Wahrnehmung von Sprachen von Herrn Rothenbühler: Es gibt gute Sprachen und schlechte, richtige und falsche. So weit so falsch.</p>
<p>Als Beleg dafür werden Soziolekte angeführt wie &#8220;Zürialbanisch&#8221; (so seine Bezeichnung), das – oh nein, wie schlimm! – mit der Intonation spielt, oder die SMS-Sprache. Das ist wie wenn man in ein Londoner Pub gehen würde, wo garantiert nur Alteingesessene verkehren, und sich dann beklagt, dass man an diesem Ort Cockney und nicht Received Pronunciation spricht. Man kommuniziert nun mal je nach Situation verschieden, der Begriff dafür heisst &#8220;Varietäten&#8221;.</p>
<p>Dann der Vergleich mit Deutschland und Frankreich: dort würden Dialekte &#8220;als Privatsache betrachtet, als Intim- oder Babysprache für den familiären Bereich&#8221;. Es stimmt, dass Dialekte in verschiedenen Sprachräumen unterschiedlich viel Prestige gegenüber der Standardsprache geniessen, und es trifft auch zu, dass die französische und deutsche Standardsprache viel mehr Prestige als die französischen und deutschen Dialekte hat.</p>
<p>Doch natürlich will Herr Rothenbühler damit Wasser auf seine Mühlen lenken: Das Schweizer Fernsehen trage zum &#8220;sprachlichen Reduitdenken&#8221; bei, fährt er fort, indem es viele Sendungen, auch Informationssendungen, auf Schweizerdeutsch ausstrahle. Damit spricht er implizit an, worum es geht: um Identität. Aber statt zu erörtern, warum Mundart in der Deutschschweiz ein hohes Prestige geniesst, versucht Herr Rothenbühler, dem Dialekt seinen Status abzusprechen.</p>
<p>Aufgefüllt wird der Cocktail mit einem Schuss der ewigen Leier, dass niemand in der Schweiz richtiges Standarddeutsch könne, notabene folgend auf die Feststellung, dass das Hochdeutsch, welches in der Schule gelernt werde, nie mehr angewendet werde. Macht&#8217;s da nicht Klick? Viele brauchen in ihrem Leben einfach kein Hochdeutsch. So wie die Dänen in ihrem eigenen Land nicht englisch sprechen müssen. Nur eine Minderheit muss regelmässig international kommunizieren. Vielleicht sollte man das in die Beurteilung des Soll-Status vom Hochdeutschen mit einfliessen lassen. Dass Standarddeutsch die allgemeine Verständigung vereinfacht, ist jedoch nicht abzustreiten. Und hier breche ich ab, denn gleich wird&#8217;s komplex.</p>
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		<item>
		<title>Guten Morgen</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/03/22/guten-morgen/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 14:37:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade gelesen in Braunmüller 1993: &#8220;Kontrastive Pragmatik und interkulturelle Kommunikation&#8221;:
God morgen! kann man [auf Dänisch] im Gegensatz zum Deutschen oder... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/03/22/guten-morgen/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade gelesen in Braunmüller 1993: &#8220;Kontrastive Pragmatik und interkulturelle Kommunikation&#8221;:</p>
<blockquote><p><em>God morgen!</em> kann man [auf Dänisch] im Gegensatz zum Deutschen oder auch Schwedischen nicht bis gegen 12 Uhr sagen; später als 9, höchstens 10 Uhr geäussert, impliziert diese Begrüssung fast schon den Vorwurf, der/die Angeredete sei wohl eben jetzt erst aufgestanden.</p></blockquote>
<p>Ist das so? Ich weiss natürlich nicht, wie es in Deuschland ist, beziehungsweise wie in Nord- und wie in Süddeutschland; aber in der Schweiz ist es mit dem <em>Guete Morge</em> so: nach ca. halb elf geäussert, verleitet es den/die GesprächspartnerIn – nach meiner fundierten empirischen Beobachtung – meist zu einem Kommentar im Sinne von &#8220;wow, du bist schon wach?&#8221;</p>
<p>Ein solcher Kommentar kann natürlich als eine Variation von &#8220;bei dir vielleicht&#8221; gedeutet werden – also eine Art Spieglung des Vorwurfs, den man nicht auf sich bezogen wissen will. Es könnte auch mit hinein spielen, dass ich als (Klischee Start) <em>junger Langschläfer</em> und <em>fauler Student</em> (Klischee Ende) von der arbeitenden Bevölkerung als <em>(noch) nicht ganz angepasst</em> wahrgenommen werde und ein von mir kommendes <em>Guete Morge</em> deshalb weniger als Vorwurf, sondern Selbstironie gedeutet wird.</p>
<p>Ich zweifle jedenfalls daran, dass man im deutschen Sprachraum <strong>bis 12 Uhr</strong> ohne jegliche Implikation <em>Guten Morgen</em> sagen kann.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>FeministInnen, TotengräberInnen der deutschen Sprache &#8211; die alte Geschichte vom generischen Maskulinum</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/01/21/feministinnen-totengraberinnen-der-deutschen-sprache-die-alte-geschichte-vom-generischen-maskulinum/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 13:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[androgynum]]></category>
		<category><![CDATA[gender]]></category>
		<category><![CDATA[generisches maskulinum]]></category>
		<category><![CDATA[genus]]></category>
		<category><![CDATA[geschlechtergerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[gleichstellung]]></category>
		<category><![CDATA[präskriptive grammatik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=359</guid>
		<description><![CDATA[Über Twitter bin ich aufmerksam geworden auf einen zweiteiligen Text von Dr. Arthur Brühlmeier, zuvor erschienen in &#8220;Deutsche Sprachwelt&#8221;, Ausgabe... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/01/21/feministinnen-totengraberinnen-der-deutschen-sprache-die-alte-geschichte-vom-generischen-maskulinum/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://twitter.com/bodestaendix/status/6458248718">Über Twitter</a> bin ich aufmerksam geworden auf einen <a href="http://www.sprachkreis-deutsch.ch/index___id%3Daktuelles!artikel%26year%3D2009%26artikel%3D3256.html">zweiteiligen</a> <a href="http://www.sprachkreis-deutsch.ch/index___id%3Daktuelles%21artikel%26year%3D2009%26artikel%3D3266.html">Text</a> von Dr. Arthur Brühlmeier, zuvor erschienen in &#8220;Deutsche Sprachwelt&#8221;, Ausgabe 36.</p>
<p>Seine These ist, dass geschlechtsneutrale Sprache ein schwerer Eingriff in die Sprache ist und zulasten des Verständnisses geht. Dies wird an etlichen Beispiele exemplifiziert, von denen ich im Folgenden einige herausnehme, um meine Sicht der Dinge zu zeigen. Die Argumentation von Herrn Dr. Brühlmeier ist rein linguistisch. So ist ein Hauptpfeiler der Argumentation, dass alle drei Genera auch eine androgyne Funktion hätten und folglich <em>-er</em> keine ausschliesslich maskuline Endung sei. O-Ton:</p>
<blockquote><p>Tatsächlich beruht die Forderung nach einer konsequenten Doppelnennung menschlicher Funktionsträger auf einem fundamentalen sprachwissenschaftlichen Irrtum. Die Fehlüberlegung besteht in der Gleichsetzung von biologischer Geschlechtlichkeit und grammatikalischem Genus. [...] Das Genus wird aber nicht bloss geschlechtlich oder ungeschlechtlich, sondern – in unserem Zusammenhang grundlegend – auch übergeschlechtlich (als Androgynum) verwendet: [...]</p></blockquote>
<p>Ich bestreite nicht, dass das biologische Geschlecht nicht immer mit dem grammatischen Genus übereinstimmt. Beispiele wie <em>das Mädchen</em>, <em>der Gast</em> oder <em>die Person</em> belegen dies in der Tat. Doch der weiteren &#8220;Konsequenz&#8221; kann ich nicht mehr folgen:</p>
<blockquote><p>So sind insbesondere sämtliche Funktionen, die praktisch von allen Verben abgeleitet werden können und auf -er enden, trotz des maskulinen Genus nicht biologisch männlich, sondern androgyn zu verstehen. Ein Mensch, der liest, ist ein Leser, einer, der singt, ein Sänger und einer, der arbeitet, ein Arbeiter.</p></blockquote>
<p>Für mich ist <em>ein Arbeiter</em> ganz klar ein Mann und Britney Spears <em>eine Sänger<strong>in</strong></em>, kein <em>Sänger</em> (oder allenfalls eine Interpretin). Die Endung <em>-er</em> ist also implizit männlich, wie auch andere Bezeichnungen, wo es eine feminine (und damit weibliche) Version auf <em>-in</em> gibt. Genus und biologisches Geschlecht stimmt zwar nicht immer überein, aber an diesem Punkt schon. Dies lässt sich mit dem semantischen Modell des Prototyps belegen: Wenn du das Wort <em>Arzt</em> hörst, was kommt die zuerst in den Sinn? Eine Frau? Kaum.</p>
<p>Ich würde die Interpretation wagen, dass <em>-er</em> als männliche Endung wahrgenommen wird, weil es eine weibliche Endung auf <em>(-er)-in</em> gibt. Im Englischen gibt es keine weibliche Endung und so ist <em>a teacher</em> sowohl <em>eine Lehrerin</em> als auch <em>ein Lehrer</em>. Da wir im Deutschen differenzieren können, wird <em>Lehrer</em> mit einem Mann verbunden.</p>
<p>Kommen wir zum Plural. Auch hier gilt meines Erachtens, dass ein Nomen agentis in erster Linie Männer bezeichnet. Wenn jemand von <em>Arbeitern</em> spricht, denke ich an Männer, die arbeiten, nicht an Frauen. Dann kommt wieder die Argumentation, das sei aber – grammatisch gesehen – ein generisches Maskulinum (hier Androgynum genannt, um zu betonen, dass es auch ein generisches Femininum und Neutrum gibt, was die Sache aber auch nicht besser macht).</p>
<p>Das generische Maskulinum bzw. Androgynum existiert ohne Zweifel in der deutschen Sprache, doch an Stellen, wo es eine explizit weibliche Form gibt, ist die früher vielleicht als übergeschlechtlich verstandene Form heute implizit männlich. Die generische Funktion greift also nicht (mehr?) so stark wie die geschlechtsgebundene und dem muss man Rechnung tragen.</p>
<p>Wir stehen also vor dem Problem, dass <em>Lehrer</em> nicht (mehr) als androgyne Bezeichnung wahrgenommen wird. Wo die Umstände Genauigkeit erfordern (zum Beispiel in offiziellen Dokumenten), muss demnach eine Strategie gefunden werden, Frauen explizit miteinzubeziehen. Ein Vorschlag ist das Binnen-i, also <em>LehrerInnen</em>, andere sind zum Beispiel <em>die Lehrpersonen</em> oder <em>die Lehrerschaft</em>.</p>
<p>Wer verleugnet, dass es hier eine sprachliche Unschärfe gibt, versucht entweder, eine überkommene Einstellung zu vertuschen oder hat ein veraltetes Sprachgefühl. Aus rein sprachlichen Überlegungen auf der Allgemeingültigkeit des generischen Maskulinum zu beharren heisst auch, sich über die gesellschaftlichen Veränderungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu mokieren.</p>
<p>Die Argumentation, dass es sprachlich eigentlich so und so sei (und nicht so wie viele Leute es wahrnehmen, welche Deutsch als Muttersprache haben), ist <a href="http://www.jimynu.ch/blog/uber-sprache-schreiben/">präskriptiv</a>. Zeichen dafür sind Bezeichnungen wie &#8220;generisches Maskulinum&#8221; oder &#8220;Androgynum&#8221;, die nicht mehr zum Beschreiben der Sprache benutzt werden, sondern als Kampfbegriff, warum das so richtig sei.</p>
<p>Nochmal Luft holen.</p>
<p>Ein Satz wie &#8220;Frau Dreifuss ist die hundertste Bundesrätin.&#8221; zeigt ein weiteres Dilemma. Das Wort <em>Bundesrätin</em> fasst Männer nicht mit ein, allerdings fasst das Wort <em>Bundesrat</em> (als Personenbezeichnung) Frauen nicht mit ein. Es gibt also keine androgyne Bezeichnung, die beide Geschlechter einschliesst. &#8220;Frau Dreifuss ist die hundertste Bundesrätin.&#8221; ist ebenso falsch (weil es etwas anderes sagt) wie &#8220;Frau Dreifuss ist der hundertste Bundesrat.&#8221; (weil sie kein <em>Bundesrat</em> ist, sondern eine <em>Bundesrätin</em>). In diesem Fall muss man halt näher darauf eingehen, da gibt es keinen anderen Weg, auch wenn wir sprachliche Unklarheiten wegdefinieren. Und wenn es nicht so eine Rolle spielt, im Kollegenkreis zum Beispiel, würde ich eine solche Aussage sicher mit einer anderen Betonung, händischen Gänsefüsschen oder ähnlichem begleiten.</p>
<p>Das Killerargument ist dann jeweils, dass die Sprache verschandelt werde:</p>
<blockquote><p>[Durch Schreibungen wie] <em>Athleten und Athletinnen, EidgenossInnen, Arzt/Ärztinnen und Bürger/innen</em> [wird] so schwerwiegend in die Sprache eingegriffen, dass die Lektüre nicht bloss ermüdend wirkt, sondern das laute Lesen teilweise sogar unmöglich wird und der Inhalt kaum mehr verständlich ist.</p></blockquote>
<p>Ich finde das kleinlich. Man muss sich ja auch nicht extra so dumm anstellen, um dann einen sprachlichen Makel attestieren zu können. Noch nie habe ich vorher <em>A(Ä)rztIn</em> gelesen. Sprache ist doch kein zartes Geschöpf, das vor bösen Feministinnen und Leuten, denen Gleichstellung am Herzen liegt, geschützt werden müsste. Sprache hat sich immer verändert und war deshalb auch immer Gegenstand von Auseinandersetzungen. Und Sprache kann das bewältigen: Mit ein bisschen gutem Willen findet man pragmatische Wege, wie man mit neuen Herausforderungen auf der Ebene der Sprache umgehen kann. Da muss man nicht gleich mit dem reaktionären Hammer der Sprachkritik kommen und versuchen, das Sprachgefühl umzupolen.</p>
<p>Ein bisschen wohlwollende Kreativität ist gefragt. Statt &#8220;Wer zuviel Energie verbraucht, der oder die sollte zur Kasse gebeten werden&#8221; könnte ich anbieten &#8220;Wer zuviel Energie verbraucht, sollte zur Kasse gebeten werden&#8221;; statt &#8220;Liebe deinen Nächsten, deine Nächste und dein Nächstes&#8221; beispielsweise &#8220;Liebe deine Nächsten&#8221;; statt &#8220;Lehrerin oder Lehrer&#8221;, so schwer ist es doch auch nicht, &#8220;Lehrperson&#8221;.</p>
<blockquote><p>Die Sprache ist ein geistiger Organismus, in den man nicht derart gewaltsam eingreifen darf, dass wichtigste Ausdrucksmöglichkeiten verloren gehen und Umständlichkeit die Klarheit verdrängt.</p></blockquote>
<p>Da haben wir sie wieder, die Instrumentalisierung der Sprachwissenschaft. Hier wird die Sprachwissenschaft hergenommen, um eine Einstellung zu untermauern. Aber die Disziplin der modernen Sprachwissenschaft ist Beobachtung, aus ihr ist kein Imperativ für richtiges Handeln abzuleiten.</p>
<p>Sprache verändert sich fortwährend, ganze Kategorien fallen weg (Tempora, Genera etc.) und die Sprache, oder besser gesagt die SprecherInnen, reagieren darauf. Wenn eine Ausdrucksweise extrem umständlich ist, ist sie nicht stabil und wird sich langfristig nicht halten. Sprache ist kein von den Menschen und der Gesellschaft unabhängiger Organismus, sie ist ein kulturelles Verständigungssystem, das fortwährend Einflüssen unterworfen ist. Sprache oder vielmehr deren Benutzung treibt komische Blüten, aber die Menschen wussten noch immer damit umzugehen ohne jemanden, der einem vorschreibt, wie sie das zu tun haben (aber genau dies scheint die Hauptbeschäftigung der <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprachwelt">Deutschen Sprachwelt</a></em> zu sein).</p>
<p>Mehr Beispiele geben einem da auch nicht mehr recht. Zusätzlich sind die Beispiele zumeist sehr prononciert und im Alltag so selten anzutreffen, ausser natürlich man schiesst sich auf jedes <em>/innen</em> ein und deutet es als Tod der sprachlichen Eleganz um. Viele Beispiele des Textes von Herrn Dr. Brühlmeier sind aus Domänen, wo klarer Sprachgebrauch unerlässlich ist. Nun sind aber Gesetzestexte und Verordnungen auch sonst nicht leicht zu verstehen.</p>
<p>Es fordert überdies niemand, <em>Geschwister</em> (ein generisches Neutrum, gebildet aus einem Femininum) durch <em>Geschwister und Gebrüder</em> zu ersetzen. Auch die Ersetzung von <em>man</em> durch <em>man/frau</em> ist nach meiner Interpretation als augenzwinkernder Hinweis darauf zu verstehen, dass Ungleichberechtigung noch tief in der Gesellschaft drin steckt. Aber natürlich kann man dies auch als Indiz nehmen, wie verbohrt und blöd die anderen sind.</p>
<p>Zurück zum Pragmatismus: Sprachgebrauch soll weiterhin lustvoll sein und nicht dogmatisch. Statt Grabenkämpfen sollten wir uns nach konstruktiven Ideen umsehen, mit den gebotenen Herausforderungen umzugehen. Niemand zwingt einen zu sturer Ideenlosigkeit à la <em>&#8220;So wird ein(e) Lernende(r) zu einer(m) LernbegleiterIn und umgekehrt.&#8221;</em> – wie wär&#8217;s mit <em>So werden Lernende zu LernbegleiterInnen und umgekehrt</em>?</p>
<p>Was ich fordere, ist bewusster Sprachgebrauch. Es geht nicht um einen Endkampf, &#8220;Sprache wie vor 50 Jahren&#8221; gegen &#8220;alles im geringsten Männlichkeitslastige ausmerzen&#8221;. Wenn man nicht einmal aus dem Loch kommt und den KritikerInnen am &#8220;alten&#8221; Sprachgebrauch zugesteht, dass es gewisse Probleme gibt, liegt mir doch schnell einmal das Wort &#8220;reaktionär&#8221; auf der Zunge.</p>
<p>Je schneller die Ignoranz gegenüber feministischen Anliegen à la:</p>
<blockquote><p>Auf der Gewinnseite liegt lediglich die Genugtuung jener Männer und Frauen, denen die Doppelnennung menschlicher Funktionsträger ein Anliegen ist und die es offensichtlich verstanden haben, sich durchzusetzen.</p></blockquote>
<p>anerkannt wird, desto eher können wir konstruktive Lösungen suchen, die nicht probieren, bereits geführte gesellschaftliche Debatten wieder zuzuschütten.</p>
<p>Ich plädiere nicht für Laisser-faire, sondern für Gelassenheit. Und ich empfehle, sich über die eigenen Motive klar zu werden, aus dem Anliegen der sprachlichen Gleichstellung einen Elefanten zu machen.</p>
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		<title>Sie hat gepodcasted, er ist gepierced, es mounted</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 07:55:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[anglizismus]]></category>
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		<category><![CDATA[rechtschreibung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab und zu sieht man in deutschen Texten der englischen Sprache entstammende Verben, deren konjugierte Formen auf -d enden. Zum... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/10/16/sie-hat-gepodcasted-er-ist-gepierced-es-mounted/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ab und zu sieht man in deutschen Texten der englischen Sprache entstammende Verben, deren konjugierte Formen auf <em>-d</em> enden. Zum Beispiel <em>gepierced</em>. Es folgt ein Erklärungsversuch.</p>
<p>Die Verschriftlichung von <em>/gə&#8217;piɐst/</em> in der Form <em>gepierced</em> ist meiner Meinung nach nur möglich, weil sie genau gleich wie <em>gepierct</em> ausgesprochen wird.</p>
<p>Das, was wir im Kopf haben, wenn wir /gə&#8217;piɐst/ sagen, ist jedoch eine nach deutschem Schema gebildete Form (Analogie <em>lieben – geliebt</em>, <em>piercen – gepierct</em>), wie auch das Präfix <em>ge-</em> zeigt. Sie hat nichts mit der englischen Form zu tun, die per Zufall auf einen Laut endet, der gleich ausgesprochen wird. (Plosive sind im Deutschen am Wortende immer stimmlos. Dieser phonologische Mechanismus heisst Auslautverhärtung.)</p>
<p>Allgemein werden Fremdwörter sehr langsam an die hiesige Orthografie angepasst. Dies scheint sich nun so auszuwirken, dass wir in den Fällen, wo die Formen mehr oder weniger übereinstimmen, nicht nur die fremde Schreibung des lexikalischen, sondern auch des grammatischen Anteils als richtiger wahrnehmen (es gibt ja auch Leute, die meinen, man müsse auf Deutsch <em>Parties</em> schreiben und nicht <em>Partys</em>).</p>
<p>Noch abenteuerlicher ist die Form &#8220;die Festplatte <em>mounted</em> nicht&#8221;. Hier wurde wohl die Schreibweise des englischen Partizips auf eine Präsensform übertragen – die korrespondierende Form würde auf Englisch <em>it mounts</em> heissen.</p>
<p>Fremde Wörter können also schon einmal Auslöser sein, die <em>Orthografie</em> zu verfremden. Mit <em>Grammatik</em> hat das übrigens nichts zu tun, die bleibt davon unberührt.</p>
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