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	<title>Schadenfriendly – Whatever you say, it's linguistic. &#187; Die Erklärung</title>
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		<title>In Schweden duzen sich alle</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 20:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Schweden duzten sich alle, heisst es. Und es stimmt: Alle sprechen sich in Schweden mit du und Vornamen an,... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/10/18/in-schweden-duzen-sich-alle/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweden duzten sich alle, heisst es. Und es stimmt: Alle sprechen sich in Schweden mit <em>du</em> und Vornamen an, Chef und Arbeiter, Nachbarn und nach dem Weg Fragende. Die Ausnahme ist die Königsfamilie.</p>
<p>Doch das schwedische <em>du</em> ist nicht dasselbe wie das deutsche <em>du</em>: Es ist die unmarkierte Form, also der Normalfall. Da klingt nichts Vertrauliches mit. <span class="kleiner">Im Deutschen ist <em>du</em> in vielen Gruppen ja auch die unmarkierte Form; Würde ein Zehnjähriger eine Klassenkameradin mit <em>Sie</em> ansprechen, wäre dies sehr seltsam. Die Höflichkeitsform ist also in diesem Kontext die markierte, das <em>du</em> die unmarkierte Form.</span></p>
<p>Zum &#8220;schwedischen <em>du</em>&#8221; kam es aus zwei Gründen:</p>
<ul>
<li>Einerseits war die Höflichkeitsform <em>Ni</em> (&#8220;Ihr&#8221;) nur die Anrede von von jemandem mit höherem an jemanden mit tieferem sozialen Status, während in die andere Richtung (niederer Rang zu höherem) umständliche Konstruktionen in der 3. Person (&#8220;Hat der Herr Direktor …&#8221;) herangezogen oder die Anrede durch unpersönliche Ausdrücke (<em>Vad önskas?</em> &#8220;Was wird gewünscht&#8221;, im Restaurant) umgangen werden mussten. Versuche zwischen 1850 und 1930, <em>Ni</em> analog zum dänischen/norwegischen <em>De</em> (&#8220;Sie&#8221;) umzubesetzen (Höflichkeitsform ohne Koppelung an Status), bzw. gleich <em>De</em> zu importieren, misslangen.
</li>
<li>Andererseits war die vorherrschende Sozialdemokratie seit jeher sehr auf <em>jämlikhet</em>, also Gleichheit, bedacht. Dass die komplizierte &#8220;Höflichkeitsfloskelei&#8221; allen aus dem Hals hing, begünstigte die &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Du-Reform">Du-Reform</a>&#8221; (<em>du-reformen</em>) in den 60er-Jahren. Schon vorher ging man schnell zum <em>du</em> über (<em>lägga bort titlarna</em>, also &#8220;die Titel ablegen&#8221;), um sich die sprachlichen Umständlichkeiten zu sparen, doch mit der Du-Reform wurde ein für alle Mal Klarheit geschaffen.</li>
</ul>
<p>Das <em>du</em> löste also Konstruktionen ab, die als veraltet wahrgenommen wurden. Am Anfang hatte es noch den Beiklang von &#8220;Solidarität unter Gleichen&#8221;, bald aber war das <em>du</em> nur noch neutral, so wie man im deutschsprachigen Raum auf der Strasse jemanden selbstverständlich mit <em>Sie</em> anspricht. Braunmüller* drückt es so aus: &#8220;Der Bereich des [schwedischen] <em>du</em> reicht also weit in den Bereich des [deutschen] <em>Sie</em> hinein.&#8221;</p>
<p><img style="display:block; margin-left:auto; margin-right:auto;" src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/10/skand_du.gif" alt="skand_du.gif" border="0" width="576" height="244" /></p>
<p>Auch in den anderen skandinavischen Ländern bzw. Gesellschaften gab es parallele Entwicklungen. Inwiefern der Impuls vom Schwedischen ausging, kann ich nicht beurteilen, aber ich vermute, dass die Du-Reform durchaus einen Einfluss hatte, da sich die skandinavischen Länder eng verbunden fühlen.</p>
<p>Auf <strong>Island</strong> sagen alle <em>þú</em> (&#8220;du&#8221;) und Vorname zueinander, und auch im <strong>Finnischen</strong>, das bekanntlich nicht zu den skandinavischen Sprachen im engeren Sinne (i.e. nordgermanischen) gehört, das aber kulturell eng mit Skandinavien verbunden ist, ist <em>sinä</em> (&#8220;du&#8221;) und Vorname die übliche Anrede.</p>
<p>In <strong>Dänemark</strong> ist es etwas komplizierter (vgl. Grafik):</p>
<ul>
<li>Dem deutschen <em>Sie</em> entspricht auf der &#8220;Formalitätsabstufung&#8221; die Anrede mit vollem Namen (oder nur Nachname, ohne <em>herr/fru</em>), pronominal dann aber <em>du</em>, was auf Deutsch ziemlich doof und sicher nicht nett klingt: <em>Du, (Anna) Meier</em>.
</li>
<li>Formeller als das deutsche <em>Sie</em> und oft im Geschäftsalltag benutzt ist die Anrede mit <em>De</em> (&#8220;Sie&#8221;), dazu <em>herre/fru</em> und Nachname oder der volle Name.
</li>
<li>Das schwedische <em>du</em> plus Vorname schliesslich wird unter Freunden, aber auch für gleichaltrige Gleichgestellte und sogar Höhergestellte verwendet und deckt somit einen grösseren Bereich als das deutsche <em>du</em> ab.</li>
</ul>
<p><strong>Norwegen</strong> steht zwischen Schweden und Dänemark, wobei das &#8220;schwedische&#8221;, allgemeine <em>du</em> in der gesprochenen Sprache der Normalfall, ein dem Dänischen ähnliches abgestuftes System aber noch intakt ist. Im Gegensatz zum Dänischen scheint sich das allgemeine <em>du</em> im Norwegischen durchsetzen zu können. Doch da das Norwegische das Übergangsstadium mit zwei Systemen noch nicht abgeschlossen hat, könnte es auch sein, dass das alte System erhalten bleibt oder sogar wieder stärker wird. Braunmüller nochmals: &#8220;[D]as alte, noch mehr an den Konventionen des Dänischen sich orientierende System, und das neue, mehr auf formelle [sic!] Gleichstellung wie im Schwedischen bedachte System [scheinen sich] zu überlagern.&#8221;</p>
<p>Und damit wären wir wieder bei der Feststellung vom Anfang: Das Duzen hat in Schweden bzw. Skandinavien nicht die Bedeutung, dass man ein einzig Volk von Brüder und Schwestern ist, sondern nur, dass man unkomplizierter ist: Sprachliche Gleichstellung kann zwar mit sozialer Gleichstellung einhergehen, muss aber nicht.</p>
<div class="kleiner">*Viele der Informationen stammen aus &#8220;Die skandinavischen Sprachen im Überblick&#8221; von Kurt Braunmüller (Tübingen: Francke, 2007). Schwedisch S. 82-84, dänisch S. 137-139, norwegisch S. 190f.</div>
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		<title>Annäherung ans schweizerdeutsche Konsonantensystem</title>
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		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/09/annaherung-ans-schweizerdeutsche-konsonantensystem/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 09 May 2010 12:46:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
		<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[phonetik]]></category>
		<category><![CDATA[phonologie]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Häufung des &#8220;Ach-Lauts&#8221; ist für Auswärtige bezeichnend fürs Schweizerdeutsche. Historisch hängt dies mit dem Zweiten Germanischen Lautwandel zusammen, den... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/09/annaherung-ans-schweizerdeutsche-konsonantensystem/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Häufung des &#8220;Ach-Lauts&#8221; ist für Auswärtige bezeichnend fürs Schweizerdeutsche. Historisch hängt dies mit dem Zweiten Germanischen Lautwandel zusammen, den das Hochalemannische (das nicht ganz deckungsgleich mit dem geografischen Begriff &#8220;Schweizerdeutsch&#8221; ist) im Gegensatz zum restlichen Hochdeutschen &#8220;ganz fertig gemacht&#8221; hat.</p>
<p>Nach der Lektüre der folgenden, – bewusst, dass das noch nicht die ganze Wahrheit ist – als &#8221;Annäherung&#8221; betitelte Abhandlung über das Schweizerdeutsche Konsonantensystem sollte klar sein, weshalb das /x/ – so die phonetische Schreibweise des &#8220;Ach-Lauts&#8221; – im Schweizerdeutschen öfter vorkommt als im Hochdeutschen.</p>
<p>Ich werde an manchen Orten pauschalisieren, aber natürlich ohne <em>Seich</em> zu erzählen. Der Graubündner Dialekt, der Walliser Dialekt (bzw. Höchstalemannisch, das ja schon im Berner Oberland und in der Innerschweiz beginnt) und der Basler Dialekt sind ausdrücklich ausgenommen, da diese Dialekte weitere Eigenheiten haben, auf die einzugehen die Angelegenheit noch mehr verkomplizieren würde.</p>
<p>Die Annäherung geht (sozusagen kontrastiv) vom Hochdeutschen (=Hd., im Sinne von <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/22/deutsch-und-deutlich/">Standarddeutsch</a>) aus. Für eine allgemeine Annäherung ans Schweizerdeutsche verweise ich auf <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/04/07/dialekt-von-gr-διαλέγομαι-dialegomai-miteinander-reden/">den Artikel, den ich hier vor ca. einem Jahr dazu veröffentlicht habe</a>.</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-labial.gif" alt="labiale Reihe" border="1" width="497" height="198" /></p>
<p>Beginnen wir bei den labialen Konsonanten (Grafik: pink=Hochdeutsch, gelb=Schweizerdeutsch). <strong>Der Frikativ /f/ und die Affrikate /pf/ </strong>sind gleich verteilt, wie Wortpaare beweisen (Beispiele für Anlaut, Inlaut, Auslaut): <em>Faden</em> vs. <em>Fade</em>, <em>Tafel</em> vs. <em>Tafle</em>, <em>Hof</em> vs. <em>Hof</em>; <em>Pfanne</em> vs. <em>Pfanne</em>, <em>tropfen</em> vs. <em>tropfe</em>, <em>Knopf</em> vs. <em>Chnopf</em>.</p>
<p>Der hochdeutsche stimmlose bilabiale Plosiv /p/ (mit Allophon [pʰ]) hat zwei Entsprechungen in chd. <strong>/p/ und /pʰ/</strong>: <em>Pelz, Pass</em> oder <em>Puff</em> werden ohne Aspiration gesprochen, <em>Panter, Park</em> oder <em>Piercing</em> aspiriert. Bei älteren Wörtern scheint tendenziell die Aspiration zu fehlen. Spricht man <em>Pelz</em> mit Aspiration, bekommt es für meine Ohren einen &#8220;hochdeutschen Anstrich&#8221;.</p>
<p>Soweit könnte man sagen, dass /p/ und /pʰ/ nur Allophone seien, da es verständlich bleibt, wenn eine Aspiration fehlt oder dazukommt. Doch es gibt eine Reihe von Wörtern, bei denen die Aspiration meines Erachtens phonemische Qualität hat. Deren hochdeutsche Entsprechung ist <em>beh-</em>, das zu /pʰ/ zusammengezogen wurde: <em>bhalte</em> /&#8217;pʰaːltə/ (&#8220;behalten&#8221;), <em>Bhaltis</em> /&#8217;pʰaːltis/ (kleines Geschenk von einer Firma), <em>bhoupte</em> /&#8217;pʰoʊptə/ (&#8220;behaupten&#8221;, berndeutsch; in anderen Dialekten <em>behaupte</em>) etc.</p>
<p><em>E pallti Ladig</em>, ohne Aspiration, ist &#8220;eine geballte Ladung&#8221; – womit wir bei einer Gruppe wären, die immer unaspiriert ist: Partizipien, deren hochdeutsche Entsprechungen mit <em>geb-</em> beginnen: <em>plibe</em> (von <em>bliibe</em>, &#8220;bleiben), <em>paue</em> (von <em>baue</em>, &#8220;bauen&#8221;) oder <em>proocht</em> (von <em>bringe</em>, &#8220;bringen&#8221;). Ein Minimalpaar, das beweist, dass die Aspiration ein phonologischer Unterschied ist, wäre <em>e pallti Ladig</em> (&#8220;eine geballte Ladung&#8221;) mit /p/ vs. <em>Da bhalti!</em> (&#8220;Das behalte ich&#8221;!) mit /pʰ/.</p>
<p>Auch mit /p/ und nicht mit /b/ gesprochen werden <em>Puur</em> (&#8220;Bauer&#8221;) und <em>Pier</em> (&#8220;Bier&#8221;) oder <em>Plöffer</em> (&#8220;Bluffer&#8221;). Und ein /p/ entsteht auch, wenn ein wortinitiales /b/ mit vorhergehenden Plosiven &#8220;verschmolzen wird&#8221;, z.B. <em>d&#8217;Bank</em> /paŋk/ (&#8220;die Bank&#8221;) oder schnell ausgesprochenes <em>Handball</em> /&#8217;hampal/. Solche Sandhi-Phänomene sind typisch fürs Schweizerdeutsche – die Verkürzung von <em>behalten</em> zu <em>bhalte</em>, wo /b/ und /h/ zu /pʰ/ werden, ist ein ähnlicher Vorgang. <span class="kleiner">In den Grafiken sind nur die wortinternen Sandhi mit Verbindungsstrichen vermerkt, die wortübergreifenden wären noch ein viel grösseres Kapitel&#8230; So wird z.B. <em>d&#8217;Frau</em> bzw. <em>d Frau</em> (&#8220;die Frau&#8221;) mit /pf/ gesprochen, /pfrau/.</span></p>
<p>Dann bliebe noch <strong>/b/, der stimmhafte bilabiale Plosiv</strong> (im Hochdeutschen mit Allophon [p] am Wortende). Im Schweizerdeutschen wird /b/ nicht durch Stimmhaftigkeit, sondern durch Länge bzw. Gespanntheit (Lenis) von /p/ (Fortis) unterschieden. Unser /b/ ist also ein weniger intensives /p/. Phonetisch geschrieben wird es meist mit einem Kringel für Stimmlosigkeit, /b̥/.</p>
<p>Zur <strong>Verschriftlichung</strong> (unterste, schwach gelbe Reihe in der Grafik): /p/, /pf/ und /b/ sind kein Problem, etwas schwieriger verhält es sich mit der Verschriftlichung von /p/ und /pʰ/. Da es kein standardisiertes Schweizerdeutsch gibt und damit keine offizielle Schreibung, <strong>greifen wir meist auf das Hochdeutsche zurück</strong>: &lt;p&gt; steht für /p/ und /pʰ/, weil Wörter wie <em>Park</em> /pʰark/ und <em>Pass</em> /pas/ hochdeutsch beide mit &lt;p&gt; geschrieben werden. &lt;b&gt; kann in Wörtern wie <em>broocht</em> /prɔːxt/ statt &lt;p&gt; verwendet werden, weil es eine Form von <em>bringe</em> ist und etymologisches <em>gbroocht</em> blöd aussähe. Ein chd. /pʰ/, das hd. <em>beh-</em> entspricht, wird meist &lt;bh&gt; geschrieben.</p>
<p>Langsam schreibe ich mich in Stimmung&#8230; ;)</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-alveolar.gif" alt="alveolare Reihe" border="1" width="497" height="220" /></p>
<p>Weiter geht es mit der Reihe der an den Alveolen produzierten Konsonanten. Das Bild ist im Grossen und Ganzen dasselbe wie bei den Labialen: <strong>Frikativ /s/ und Affrikate /ts/</strong> sind deckungsgleich, das <strong>stimmhafte /d/</strong> ist im Schweizerdeutschen nicht stimmhaft, sondern eine Lenis /d̥/. Die <strong>Affrikate /ts/</strong> wird, analog dem Deutschen, als &lt;z&gt; (<em>Zange</em>), &lt;tz&gt; (<em>Latz</em>) oder &lt;ts&gt; (<em>stets</em>) verschriftlicht. Es lässt sich keinen Hang zu einer eigenständigen Schreibung erkennen, die näher am Gesprochenen ist. Für die bessere Lesbarkeit greifen wir, wenn wir Schweizerdeutsch schreiben, auf vertraute orthografische Konventionen des Hochdeutschen zurück. Nur als Sprachspiel liest oder schreibt man eventuell Dinge wie <em>Tsüri</em> (&#8220;Zürich&#8221;), das dann als augenzwinkernde Verfremdung erscheint.</p>
<p>Es gibt ein Paar Wörter, wo hochdeutsches /d/ schweizerdeutschem /t/ entspricht, z.B. <em>danke</em> /tanke/ und <em>dumm</em> /tumm/. Darum das &lt;d&gt; als Schreibung für /t/ auf der Ebene der Verschriftlichung.</p>
<p>Deutsches /t/ entspricht wiederum einer <strong>behauchten Variante /tʰ/ und einer nicht behauchten /t/</strong>. Hier scheint mir die Verteilung jedoch, anders als bei /p/ und /pʰ/, sehr ungleichmässig verteilt: /tʰ/ kommt nur in wenigen Wörtern &#8220;zwingend&#8221; vor wie <em>Team</em> oder <em>Tee</em>, sogar bei vielen Fremdwörtern ist nach meinem Gefühl beides möglich, z.B. bei <em>Terrarium</em> oder <em>Texas</em>, wobei /teksas/ einen &#8220;bünzlig-gemütlichen&#8221; Beigeschmack hat, /tʰeksas/ etwas Distanziertes&#8230; Aber ich lasse mich auf die Äste raus.</p>
<div class="kleiner">Auch hier gibt es Fälle von Zusammenzug: /d+h/ &gt; /tʰ/, z.B. <em>d&#8217;Hoor</em> /tʰɔːr/ (&#8220;die Haare&#8221;); /d+d/ &gt; /t/, z.B. <em>d Daniela</em> (&#8220;die Daniela&#8221;) /taniela/; /d+s/ &gt; /ts/, z.B. <em>d Sabi</em> (&#8220;Die Sabine&#8221;) /tsabi/ (vgl. <em>d Frau</em> /pfrau/). Doch dies sind alles Fälle von wortübergreifendem Sandhi, darum keine Verbindungslinien.</div>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-velar.gif" alt="velare Reihe" border="1" width="497" height="228" /></p>
<p>Und jetzt wird&#8217;s endlich richtig &#8220;schön&#8221; (im Sinne von &#8220;verworren&#8221;), denn bei der velaren Reihe kommt das &#8220;Schweizer K&#8221; zum Zuge (also /kx/). Dieses hat das Hochdeutsche gar nicht und deshalb sieht in dieser Reihe alles noch etwas anders aus, aber im Prinzip natürlich gleich&#8230; Konkret: Auch hier gibt es im Schweizerdeutschen fünf Varianten, im Hochdeutschen jedoch nur drei, so dass die Lautentsprechungen etwas anders sind als bei den vorhergehenden Artikulationsorten, was dann auch Auswirkungen auf die Verschriftlichung hat.</p>
<p>Von &#8220;Schweizer K&#8221; habe ich gesprochen, weil ein geschriebenes &lt;k&gt; schweizerdeutsch standardmässig als /kx/ ausgesprochen wird. Das scheint unser Prototyp eines <em>k</em> zu sein – was natürlich Probleme mit sich bringt: wie schreibt man dann, wenn man Mundart schreibt, ein /k/, wie ein /kʰ/? Und natürlich will das &#8220;postplosive Kratzen&#8221; den Kindern wegerzogen werden, wenn sie Hochdeutsch lesen. <span class="kleiner">PolitikerInnen, die ihre Verbundenheit mit der Schweiz in Abgrenzung zu Deutschland und der Welt allgemein ausdrücken wollen, unterstreichen das auf der phonetischen Ebene oft durch die konsequente – <em>kchonsequente</em> – Aussprache von /k/ als schweizerdeutsch angehauchtes /kx/, wenn sie Hochdeutsch sprechen.</span></p>
<p>Zuerst mal das, was mehr oder weniger gleich ist. Da wäre <strong>hd. /x/</strong> (mit Allophon [ç] vor vorderen Vokalen und den Allophonen /ʃ,k/ am Wortanfang, vgl. <em>China</em>), das immer chd. /x/ entspricht: <em>suchen</em> vs. <em>sueche</em>, <em>Bach</em> vs. <em>Bach</em>.</p>
<p>Den Wörtern, die im Hochdeutschen ein /k/ haben (Allophon /kʰ/ wortinitial), entspricht im Schweizerdeutschen – wie schon erwähnt – prototypisch die <strong>Affrikate /kx/</strong>, die es im Hochdeutschen nicht gibt: hd. <em>komisch</em> /k-/ vs. chd. <em>komisch</em> /kx-/, hd. <em>locker</em> /-k-/ vs. chd. <em>locker</em> /-kx-/, hd. <em>Sack</em> /-k/ vs. chd. <em>Sack</em> /-kx/.</p>
<p>Die <strong>Entsprechung zu hochdeutsch /k/ kann aber wortinitial auch /x/ sein</strong>: <em>klein</em> vs. <em>chlii</em>. Die Verteilung von wortinitialem /x/ vs. /kx/ scheint mir ausgewogen. Neuere Wörter haben eher /kx/, so <em>komisch</em> (im Deutschen ab dem 15. Jh. bezeugt), <em>krass</em> (18. Jh.) oder <em>Computer</em>. Wörter aus dem germanischen Urwortschatz dagegen haben /x/: <em>Chile</em> (Kirche), <em>Charte</em> (Karte) oder <em>Chnüü</em> (Knie).</p>
<p>An dieser Stelle ist ein kurzer Exkurs ins Diachrone (die historische Linguistik) angebracht. Die Zweite Germanische Lautverschiebung – DER Klassiker der germanischen Linguistik! –, die nur das Hochdeutsche im linguistischen Sinn (wozu ja auch die Schweizer Dialekte gehören) durchgemacht hat, hat die stimmlosen Plosive /p,t,k/ zu /(p)f,(t)s,(k)x/ verschoben – nur eben, dass ausser den hochalemannischen Dialekten (und und höchstalemannischen Dialekten wie Walliserdeutsch, die ich aussen vor gelassen habe) die Verschiebung von /k/ zu /(k)x/ nicht durchgeführt wurde. Das sieht man, wenn man Hochdeutsch, Schweizerdeutsch und Englisch vergleicht: bei den Labialen und Alveolaren geht Hochdeutsch mit dem Schweizerdeutschen, hd./chd. <em>Pfeffer</em> vs. engl. <em>pepper</em>, hd./chd. <em>Wasser</em> vs. engl. <em>water</em>, aber chd. <em>Chind</em> vs. hd. <em>Kind</em> und engl. <em>kid</em>.</p>
<p>Weiter zu <strong>schweizerdeutschem /k/</strong>. In einigen Fällen entspricht hochdeutsches /k/ schweizerdeutschem /k/: <em>Hoogge</em> vs. <em>Haken</em>, <em>Lagg</em> vs. <em>Lack</em>, <em>Lugge</em> vs. <em>Lücke</em>, <em>güggsle</em> vs. <em>kucken</em>, <em>Egge</em> vs. <em>Ecke</em>. Dies scheint nur im Inlaut und Auslaut möglich zu sein. Ein /k/ am Wortanfang entspricht der hochdeutschen Vorsilbe <em>ge-</em>, die vorwiegend für zur Partizipbildung zum Einsatz kommt (vgl. Elision des unbetonten &lt;e&gt; in der hochdeutschen Vorsilbe <em>be-</em> &gt; <em>bhalte</em>, oben): <em>gää</em> /kɛː/ (&#8220;gegeben&#8221;, zum Infinitiv <em>gää</em> /gɛː/), <em>gmacht</em> /kmaxt/ (&#8220;gemacht&#8221;, zum Infinitiv <em>mache</em> /maxə/) etc.</p>
<p>Das <strong>schweizerdeutsche /kʰ/</strong> ist keine Version des hochdeutschen /k/ (wie dies analog zu /tʰ/ und /pʰ/ denkbar wäre), da hd. /k/ seine Entsprechung ja in den chd. /x/-Lauten findet. Schweizerdeutsches /kʰ/ entspricht hochdeutschem <em>geh-</em>: <em>gha</em> /kʰa/ (&#8220;gehabt&#8221;), <em>Ghalt, ghallt</em> /kʰalt/ (&#8220;Gehalt&#8221;/&#8221;gehallt&#8221;, ausgesprochen wie hochdeutsch <em>kalt</em> /kʰalt/, das auf Schweizerdeutsch <em>chalt</em> heisst) etc. Dieses Sandhi ist analog zu <em>bhalte</em> (s.o.), doch anders als bei /pʰ/, das hochdeutsch <em>beh-</em> oder /p/ entspringen kann, entspricht /kʰ/ immer <em>geh-</em>, nie hochdeutschem /k/.</p>
<p>Das <strong>schweizerdeutsche /g̥/</strong> entspricht wieder bis auf die stimmlose Realisierung dem deutschen /g/.</p>
<p>Damit kämen wir noch zur <strong>Verschriftlichung</strong>. Grundsätzlich lesen wir SchweizerInnen ja &lt;k&gt; als /kx/, deshalb brauchen wir eine andere Verschriftlichung für /k/ (für /x/ haben wir die deutsche Schreibweise &lt;ch&gt; übernommen). Bei den Partizipien wird oft einfaches &lt;g&gt; verwendet: <em>gää</em> /kɛː/ (gleich geschrieben wie der Infinitiv /gɛː/! – weil <em>ggää</em> seltsam aussieht), <em>grennt</em> /krɛnt/ (&#8220;gerannt&#8221;) – dass bei Dialekten im Berner Raum die Realisierung &#8220;weicher&#8221; ist, d.h. eher gegen /g/ tendiert, also /grɛnt/, mag dies begünstigen. Man sieht aber auch die Schreibweise mit &lt;gg&gt; bei Partizipien <em>ggange</em>/<em>gange</em>, und bei nicht-Partizipien (die ja /k/ nur im Inlaut oder Auslaut haben) ist sie Pflicht: <em>Hoogge</em> /hɔ:kə/.</p>
<p>Eine Besondere Herausforderung sind schweizerdeutsche Partizipien, die hd. <em>gek-</em> entsprechen: <em>choche</em> (&#8220;kochen&#8221;) wird mit Partizip-Präfix zu /kxoxt/, aber schreibt man jetzt <em>kocht</em> (eigentlich logisch bei /kx/) oder <em>gchocht</em> (um ersichtlich zu machen, dass die Form zum Paradigma <em>choche</em> gehört)?</p>
<h3>Was heisst das jetzt?</h3>
<p>Ich fasse zusammen: Das Schweizerdeutsche hat an den drei Artikulationsorten von Konsonanten jeweils fünf Artikulationsvarianten, die allesamt <em>Phoneme</em> sind (keine Allophone), während das Deutsche nur jeweils drei oder vier Phoneme hat. Die Artikulationsarten sind jeweils: Frikativ, Affrikate, stimmloser Plosiv unaspiriert, stimmloser Plosiv aspiriert, stimmloser Plosiv Lenis (entspricht dem hd. stimmhaften Plosiv).</p>
<p>In dieser Systematik fehlen einige Konsonanten wie &lt;w&gt; /v/, &lt;sch&gt; /ʃ/, &lt;tsch&gt; /tʃ/ und die Nasale. Diese entsprechen weitgehend (von der Systematik her) den deutschen Konsonanten, soweit ich das beurteilen kann. Man müsste auch noch die Sandhi-Phänomene weiter aufdröseln, die beim Zusammentreffen von Konsonanten auftreten, und dann könnte man noch Lenis vs. Fortis weiter behandeln (/maxe/ vs. /maxːe/, /pfane/ vs. /pfanːe/)&#8230; Doch mir ging es vor allem darum, aufzuzeigen, dass die <strong>Systematik des schweizerdeutschen Konsonantensystems nicht deckungsgleich ist mit der des Hochdeutschen</strong>.</p>
<p>Wer diese Systematik und die hochdeutsch-schweizerdeutschen Entsprechungen verstanden hat, besitzt das Rüstzeug, um das Konsonantensystem des Schweizerdeutsch <em>systematisch</em> zu verstehen und Verschriftlichung oder abweichende Entsprechungen zum Hochdeutsch zu vergleichen. Letztere habe ich bisher verschwiegen; anscheinend sind wir uns in einigen Fällen nämlich selbst nicht einig, was in welche Kategorie gehört:</p>
<ul>
<li>&#8220;gehabt&#8221;: Varianten <em>gha</em> /kʰa/ und <em>ka</em> /kxa/, ebenso <em>gheie</em> /kʰajə/ oder <em>keie</em> /kxajə/
</li>
<li>&#8220;Rakete&#8221;: Varianten <em>Ragete</em> /-g̥-/ und <em>Rakete</em> /-kx-/
</li>
<li><em>Tom</em> würde ich /tʰom/ aussprechen, <em>Thomas</em> /tomas/
</li>
<li>bei /t/ vs. /tʰ/ gibt es Spielraum: <em>Thurgau</em> könnte man beispielsweise mit <em>oder</em> ohne Aspiration aussprechen
</li>
<li>in St. Gallen sagt man öfter /k/ statt /kx/: <em>Frangge</em> (&#8220;Franken&#8221;), <em>tangge</em> (&#8220;danke&#8221;)
</li>
<li>die Türkei bezeichnet man nicht nur in St. Gallen neben <em>Türkei</em> /-kx-/ auch als <em>Türggei</em> /-k-/
</li>
<li>&#8220;Kleider&#8221; sind <em>Chleider</em> /x-/ oder <em>Kleider</em> /kx-/, &#8220;eine Klage&#8221; <em>e Klag</em> /kx-/ oder <em>e Chlag</em> /x-/ – das <em>Kino</em> /kx-/ heisst in Bern <em>Chino</em> /x-/
</li>
</ul>
<p>Es gibt also ein System von verschiedenen Schubladen, doch die einzelnen Wörter reihen wir zum Teil verschieden ein. Im St. Galler Dialekt besteht eine Tendenz, Wörter eher in Kategorie des unaspirierten /p,t,k/ zu tun, in Bern eine Tendenz, die Sandhi-Konsonanten weicher auszusprechen .</p>
<h3>Wo begegnet mir das im Alltag?</h3>
<p>Das erste Beispiel sind natürlich dialektale Unterschiede, wie die gleich zuvor genannten.</p>
<p>Ein Fall, wo uns die Verschriftlichung von /k/ als &lt;gg&gt; in die Quere kommt, ist das Wort <em>blogge</em> (&#8220;bloggen&#8221;): Das &lt;gg&gt; verleitet (zumindest mich) dazu, es als /&#8217;blokə/ auszusprechen (wie <em>Bagger</em> /baker/), doch im Englischen und Deutschen dient das in der Orthografie geminierte &lt;gg&gt; nur dazu anzuzeigen, dass das /o/ kurz ist.</p>
<p>Schon kurz angetönt habe ich, warum ein /kx/ (ein &#8220;kratziges k&#8221;) als bewusste sprachliche Abgrenzung gegen Deutschland eingesetzt werden kann (wenn man Hochdeutsch spricht): es hat, soziolinguistisch gesehen, die Bedeutung &#8220;ich bin ein Schweizer&#8221;. Ähnlich könnte man auch eine absichtliche Nicht-Aspiration einsetzen. Ich habe mich allerdings noch nie darauf geachtet, ob das gemacht wird.</p>
<p>Klar sollte auch sein, warum wir /ɛks&#8217;kysi/ (&#8220;Entschuldigung&#8221;, von frz. <em>excusez</em>) nicht mit &lt;k&gt;, <em>äxküsi</em>, schreiben, obwohl wir ein /k/ sprechen (es würde /ɛks&#8217;kxysi/ ausgesprochen).</p>
<div class="kleiner">Ein schönes <a href="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/lautentsprechungen-kons-ch-vs-de.pdf" alt="PDF Lautentsprechungen">PDF mit allen Lautentsprechungen</a>  steht zum Download bereit (allerdings ohne Verschriftlichungs-Ebene, die hat nicht mehr draufgepasst).</div>
]]></content:encoded>
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		<title>Gleichet euch an, ihr Konsonanten!</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 09:50:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Assimilation]]></category>

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		<description><![CDATA[Assimilation scheint mir ein phonologisches Grundkonzept zu sein, das sowohl in der diachronen als auch in der synchronen Linguistik eine... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/02/22/gleichet-euch-an-ihr-konsonanten/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Assimilation scheint mir ein phonologisches Grundkonzept zu sein, das sowohl in der diachronen als auch in der synchronen Linguistik eine Rolle spielt. Und es ist ein anschauliches Beispiel um zu erklären, um was für eine Art von Prozessen es in der Sprachwissenschaft geht. Ich habe ein paar Beispiele aus dem Schweizerdeutschen gesammelt:</p>
<p><em>Senf</em> spreche ich nicht <em>/senf/</em> aus, sondern <em>/se<strong>m</strong>f/</em> – der Nasal /n/ hat sich an den Artikulationsort des /f/ angeglichen und wird als /m/ realisiert. Ebenso <em>Go<strong>m</strong>fi</em> für <em>Ko<strong>n</strong>fitüre</em> oder <em>Ha<strong>m</strong>f</em> statt <em>Ha<strong>n</strong>f</em>. Auch Präfixe können sich angleichen, so sage ich nicht <em>unpraktisch</em>, sondern <em>u<strong>m</strong>praktisch</em>.</p>
<p>Die Angleichung der Präfixe lässt sich auch schön im Französischen sehen, wo Präfixe in einigen Fällen systematisch angeglichen werden: <em>i<strong>m</strong>pressionnant</em>, nicht <em><strike>inpressionnant</strike></em>; <em>i<strong>m</strong>barbe</em> (&#8220;bartlos&#8221;), nicht <em><strike>inbarbe</strike></em>. Diese Angleichung geht vermutlich schon aufs Latein zurück (im Französischen wird der Nasal sowieso nicht realisiert bzw. nur als Nasalisierung des Vokals, wo man nicht merkt, ob es mal ein /n/ oder ein /m/ war).</p>
<p>Im Latein findet eine weitgehende Assimilation der Präfixe statt: <em>ad-ferre, ad-tuli, ad-latum</em> wird zu <strong>afferre, attuli, allatum</strong> (&#8220;herbeitragen&#8221;), <em>differe</em> (&#8220;auseinandertragen, sich unterscheiden&#8221;) kommt von <em>dis-ferre</em>, wie man noch an der Stammform <em>distuli</em> sieht.</p>
<p>Zurück zum Schweizerdeutschen. Vor allem in Zürich scheint man sogar das /m/ in <em>nimmt</em> an das /t/ zu assimilieren: <em>ninnt</em>. <em>Stinnt</em> (&#8220;stimmt&#8221;) habe ich allerdings noch niemand sagen hören. Eine vollständige Assimilation haben wir bei <em>mitbringe</em> (&#8220;mitbringen&#8221;), das oft als <em>/&#8217;mi<strong>p</strong>riŋə/</em> ausgesprochen wird.</p>
<p>Im ganzen deutschen Sprachraum (wie auch in anderen Sprachen) wurde die Aussprache von /n/ vor /k/ assimiliert: das /n/ in <em>Hand</em> und das in <em>Henker</em> ist ein anderes – das zweite wird wie das /k/ velar gesprochen, also weiter hinten. Dieselbe Assimilation lässt sich im Finnischen beobachten: <em>Helsinki</em> sprechen FinnInnen aus wie wir es sagen würden: mit velarem Nasal /ŋ/.</p>
<p>Das Gegenteil einer Assimilation ist eine <strong>Dissimilation</strong>. Ein Beispiel wäre <em>mitnää</em> (&#8220;mitnehmen&#8221;), ausgesprochen als <em>/&#8217;mi<strong>ʔ</strong>nɛ:/</em> (der Haken vor dem /n/ ist ein Glottisschlag). Der Ausspracheort von /t/ und /n/ ist jeweils alveolar, was hintereinander schwer auszusprechen ist. Das /t/ wird also als Glottisschlag realisiert. Allerdings passiert dasselbe mit dem /t/ in <em>mitmache</em> (&#8220;mitmachen&#8221;), ausgesprochen als <em>/&#8217;mi<strong>ʔ</strong>maχə</em>, obwohl /t/ und /m/ nicht an derselben Stelle ausgesprochen werden. Nur /t/s vor Nasalen scheinen durch Glottisschlag ersetzt werden dürfen.</p>
<p>Zum Schluss noch etwas Theorie, um das Phänomen der Assimilation einzukorken: Es gibt <strong>vollständige</strong> Assimilationen (<em>Hämmer alles?</em> für <em>&#8220;Händ mir alles?&#8221;</em>) und <strong>teilweise</strong> Assimilation (die meisten der oben stehenden, bei denen nur der Ort angeglichen wird, wo ein Laut ausgesprochen wird, aber der Laut nicht mit dem anderen &#8220;verschmilzt&#8221;).</p>
<p>Weiter unterscheidet man zwischen progressiver und regressiver Assimilation; <em>Hamf</em> und <em>Semf</em> sind Beispiele für eine <strong>regressive</strong> Assimilation (das Merkmal &#8220;labial&#8221; greift vom /f/ zurück aufs davor stehende /n/, das zu /m/ wird), eine <strong>progressive</strong> Assimilation wäre zum Beispiel das stimmhafte Plural-s nach stimmhaften Vokalen im Englischen wie in <em>dogs</em> /dᴧg<strong>z</strong>/. Und natürlich gibt es auch bei Vokalen Assimilationen; so ist der Plural <em>M<strong>ä</strong>gde</em> (mit Umlaut) das Resultat einer (Fern-)Assimilation, bei dem sich das /a/ ans /e/ angeglichen hat. Auch dem Umlaut, einem wichtigen Prozess in der diachronen germanischen Linguistik (wie auch bei anderen Sprachgruppen), liegt also eine Assimilation zu Grunde.</p>
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		<title>Geschlechter-, Übersetzungs- und Beziehungsfragen</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/12/06/geschlechter-ubersetzungs-und-beziehungsfragen/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 13:45:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
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		<category><![CDATA[deutsch]]></category>
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		<category><![CDATA[übersetzen]]></category>
		<category><![CDATA[übersetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Internet gibt es viele Dienste, bei denen man sich anmelden kann und ein Pseudonym wählt. Auf der Website wird... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/12/06/geschlechter-ubersetzungs-und-beziehungsfragen/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Internet gibt es viele <em>Dienste</em>, bei denen man sich anmelden kann und ein Pseudonym wählt. Auf der Website wird dieser Benutzername dann in Zusammenhängen wie &#8220;<em>Dingsbums</em> is now following your tweets&#8221; oder &#8220;See all videos by <em>Dingsbums</em>&#8221; erwähnt, wobei <em>Dingsbums</em> natürlich für den jeweiligen Nickname steht.</p>
<p>Wenn wir einem Gegenüber eine Information weitergeben, könnte das so klingen: &#8220;Kim hat heute wieder so einen Mist zusammengeschrieben auf seinem Blog – er bloggt ja jetzt, hat er dir das erzählt?&#8221; und eher nicht &#8220;Kim hat heute wieder so einen Mist zusammengeschrieben auf Kims Blog – Kim bloggt ja jetzt, hat Kim dir das erzählt?&#8221; Wir ersetzen also einmal genannte Personen durch Personalpronomen bzw. Possessivpronomen. Wenn wir das nicht tun, klingt es hölzern oder gar infantil (wir erinnern uns: Wiederholungen vermeiden im Aufsatz!).</p>
<p>Im Internet gilt das natürlich genauso (wie auch das meiste andere, sogar das Gesetz). Das Problem ist nur, dass die von <em><strong>social</strong> networks</em> angestrebte Persönlichkeit (es geht ja immer um Personen, die miteinander kommunizieren!) bei Meta-Informationen von einer Maschine hergestellt werden muss. Die ist nicht einmal so schlau, fälschlicherweise anzunehmen, dass <em>Kim</em> ein weiblicher Vorname sei. Stattdessen benutzt sie einen vorfabrizierten Text mit Platzhaltern:</p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/12/Bild-6.png" alt="Bild 6.png" border="1" width="532" height="196" /></div>
<div style="text-align:center;" class="kleiner">&#8220;Notification&#8221; von Twitter bei einem neuen Follower</div>
<p><br/></p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/12/facebook.png" alt="facebook.png" border="1" width="272" height="69" /></div>
<div style="text-align:center;" class="kleiner">Facebook/FishVille-Mitteilung bei neuem Nachbar</div>
<p><br/></p>
<p>Doch dieser Platzhalter ist keine Erfindung des Internets. In einem Liedtext von Jakob Dylan heisst es: <em>Everybody pays as <strong>they</strong> go</em> (im Song mit ebendiesem Titel). Und auch in anderen englischen Texten sind solche Ersetzungen üblich: im <a href="http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Microsoft&#038;oldid=329076165">englischen Wikipedia-Eintrag zu Microsoft</a> beispielsweise findet sich der Satz <em>Microsoft withdrew <strong>their</strong> offer.</em></p>
<p>Es drängt sich die Frage auf, wie man das auf Deutsch wiedergäbe – &#8221;Du kannst Dingsbums folgen, indem du in <strong>deren</strong> Profil …&#8221; – oder vielleicht eher &#8220;… indem du in <strong>ihrem/seinem</strong> Profil …&#8221;? Das Plural-<em>ihr</em> (&#8220;In <strong>ihrem</strong> Profil&#8221;) birgt im Deutschen zusätzlich das Problem der Zweideutigkeit: Ist eine Frau oder mehrere Menschen gemeint?</p>
<p>In keinem Fall jedoch vertritt das Plural-Pronomen <em>sie, ihr/deren</em> eine unbekannte Täterschaft, wie dies im Englischen der Fall sein kann. Auch das Indefinitpronomen <em>jeder, jede, jedes</em> ist bei uns klar mit dem Singular verknüpft: &#8220;<strong>jeder</strong> zahlt wenn <strong>sie</strong> gehen&#8221; funktioniert nicht.</p>
<p>Noch ein An-den-Kopf-Langer zum Schluss: In ähnlich uneleganter Manier wie meine vorhergehende Übersetzung daherkommt hat Apple im iTunes Store etwas hingewurstelt, das &#8220;this (album, movie, track, episode)&#8221; entsprechen soll:</p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/12/iTMS.png" alt="iTMS.png" border="1" width="614" height="40" /></div>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sie hat gepodcasted, er ist gepierced, es mounted</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/10/16/sie-hat-gepodcasted-er-ist-gepierced-es-mounted/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Oct 2009 07:55:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdwörter]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[anglizismus]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[englisch]]></category>
		<category><![CDATA[orthografie]]></category>
		<category><![CDATA[rechtschreibung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab und zu sieht man in deutschen Texten der englischen Sprache entstammende Verben, deren konjugierte Formen auf -d enden. Zum... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/10/16/sie-hat-gepodcasted-er-ist-gepierced-es-mounted/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ab und zu sieht man in deutschen Texten der englischen Sprache entstammende Verben, deren konjugierte Formen auf <em>-d</em> enden. Zum Beispiel <em>gepierced</em>. Es folgt ein Erklärungsversuch.</p>
<p>Die Verschriftlichung von <em>/gə&#8217;piɐst/</em> in der Form <em>gepierced</em> ist meiner Meinung nach nur möglich, weil sie genau gleich wie <em>gepierct</em> ausgesprochen wird.</p>
<p>Das, was wir im Kopf haben, wenn wir /gə&#8217;piɐst/ sagen, ist jedoch eine nach deutschem Schema gebildete Form (Analogie <em>lieben – geliebt</em>, <em>piercen – gepierct</em>), wie auch das Präfix <em>ge-</em> zeigt. Sie hat nichts mit der englischen Form zu tun, die per Zufall auf einen Laut endet, der gleich ausgesprochen wird. (Plosive sind im Deutschen am Wortende immer stimmlos. Dieser phonologische Mechanismus heisst Auslautverhärtung.)</p>
<p>Allgemein werden Fremdwörter sehr langsam an die hiesige Orthografie angepasst. Dies scheint sich nun so auszuwirken, dass wir in den Fällen, wo die Formen mehr oder weniger übereinstimmen, nicht nur die fremde Schreibung des lexikalischen, sondern auch des grammatischen Anteils als richtiger wahrnehmen (es gibt ja auch Leute, die meinen, man müsse auf Deutsch <em>Parties</em> schreiben und nicht <em>Partys</em>).</p>
<p>Noch abenteuerlicher ist die Form &#8220;die Festplatte <em>mounted</em> nicht&#8221;. Hier wurde wohl die Schreibweise des englischen Partizips auf eine Präsensform übertragen – die korrespondierende Form würde auf Englisch <em>it mounts</em> heissen.</p>
<p>Fremde Wörter können also schon einmal Auslöser sein, die <em>Orthografie</em> zu verfremden. Mit <em>Grammatik</em> hat das übrigens nichts zu tun, die bleibt davon unberührt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Dialekt vs. Sprache</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/09/29/dialekt-vs-sprache/</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 21:03:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Gelernt]]></category>

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		<description><![CDATA[
Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine
So lautet ein bekannter Ausspruch, der ein Student Max Weinreichs... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/09/29/dialekt-vs-sprache/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/09/sackmesser.jpg" alt="sackmesser.jpg" border="0" width="100%" /></p>
<blockquote><p>Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee und einer Marine</p></blockquote>
<p>So lautet ein bekannter Ausspruch, der ein Student <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Weinreich">Max Weinreich</a>s geäussert haben soll.</p>
<p>Zuerst zum Begriff <em>Dialekt</em>: Gerne pejorativ verstanden, ist ein Dialekt, linguistisch gesehen, einfach eine meist regionale Varietät einer Sprache, die nicht so <em>weitab steht</em>, dass sie eine andere Sprache wäre. Und damit sind wir schon mittendrin. Wie weit ist <em>weitab</em>?</p>
<p>Ein nachvollziehbares Kriterium könnte die <strong>Verständlichkeit</strong> sein: Wer sich weitgehend versteht, spricht dieselbe Sprache. Nach dieser <em>synchronen</em> (sich auf die Sprache der Gegenwart stützenden) Definition sprächen Norwegerinnen und Schweden dieselbe Sprache, vielleicht sogar Katalanen und Rätoromaninnnen. Ist das so?</p>
<p>Man könnte auch <em>diachron</em>, mit der Sprachgeschichte, argumentieren. Das Schweizerdeutsche zum Beispiel grenzt sich – grob gesagt – vom Standarddeutschen durch einige nicht durchgeführte (vlg. <em>Buur</em> – <em>Bauer</em>, <em>Wii</em> – <em>Wein</em>) und mindestens einen weiter gezogenen Lautwandel (vgl. <em>Chaschte</em> – <em>Kasten</em>) ab, wie ich schon in meinem <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/04/07/dialekt-von-gr-διαλέγομαι-dialegomai-miteinander-reden/">langen, langen Dialekt-Artikel</a> beschrieb. Aber macht das Schweizerdeutsch und Standarddeutsch zu zwei verschiedenen Sprachen? Wie man weiss: nein.</p>
<p>Dann will ich einmal die Katze (jööö, ein Kätzchen!) aus dem Sack lassen. Worauf ich hinaus möchte: Es geht um die <strong>Standardisierung</strong>. Im Sinne des Bonmots, mit dem diese Schulstunde begann: Eine <em>Sprache</em> haben diejenigen, die es sich leisten können, ihre Varietät zu standardisieren. Wie bei Norwegen und Schweden: beide <em>Sprachen</em> haben eine eigene Verschriftlichung inklusive eigener Orthografie und eine <strong>standardisierte</strong> Grammatik. Stichwort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt#Ausbausprache.2C_Abstandsprache">Ausbausprache</a>.</p>
<p>Die Schweiz hat keine Marine. Dafür weltbekannte Armeemesser.</p>
<div class="kleiner">Das <a href="http://www.flickr.com/photos/herzogbr/2274372747/">Sackmesserfoto</a> ist vom Flickr-User <a href="http://www.flickr.com/photos/herzogbr/">Herzogbr</a> und steht unter Creative-Commons-Lizenz.</div>
]]></content:encoded>
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		<title>Absurditäten im Genitiv</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/08/10/absurditaten-im-genitiv/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 18:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Die wertenden Kommentare von SeBastian Sick (&#8220;Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod&#8221;) zum Sprachwandel sind Linguisten ein Dorn im... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/08/10/absurditaten-im-genitiv/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die wertenden Kommentare von <strike>Se</strike>Bastian Sick (&#8220;Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod&#8221;) zum Sprachwandel sind Linguisten ein Dorn im Auge. Warum ist es ein Zeichen sprachlichen Zerfalls, wenn man eine Dativkonstruktion statt einer Genitivkonstruktion benutzt? Unsere Wahrnehmung &#8220;minderer&#8221; Sprache ist willkürlich.</p>
<p>Dafür kam mir gerade ein bestechendes Beispiel in den Sinn: Grammatisch analog zu <em>Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod</em> ist die Bildung <em>Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf</em>, welche die lateinische Konstruktion nachahmt und dabei ach so archaisch und intellektuell klingt &#8211; nur seltsam, dass dieselbe Konstruktion je nach Kontext entweder als modern, flapsig und <em>sprachfeindlich</em>, oder als alt, weise und <em>schön</em> wahrgenommen wird.</p>
<p>Klartext an die Kulturpessimisten: Der Zerfall einer Sprache lässt sich nicht am Kasus, mit dem Besitzverhältnisse ausgedrückt werden, festmachen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Deutsch und deutlich</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/22/deutsch-und-deutlich/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Dec 2008 14:22:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Thema hat Hochkonjunktur: Überrollt Hochdeutsch die Schweiz? Flacht die Sprache ab? Standardsprache schon im Kindergarten? Ist Schweizerdeutsch in einem... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/22/deutsch-und-deutlich/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Thema hat Hochkonjunktur: Überrollt Hochdeutsch die Schweiz? Flacht die Sprache ab? <em>Standardsprache</em> schon im Kindergarten? Ist Schweizerdeutsch in einem Jahrhundert Geschichte? – Es scheint, als stäche in ein Wespennest, wer über Deutsch, Hochdeutsch, Schweizerdeutsch und Standarddeutsch schreibe. Oft erhalten Artikel darüber etliche Zuschriften oder Kommentare.</p>
<p>Tradition gegen Kompetenz, Eigenheit gegen Anpassung, Borniertheit gegen Einbindung, Abschottung gegen Fortschritt – oder alles gleichzeitig. Die ach so vielsprachige Schweiz sucht ihren Weg, mit dem Hochdeutschen und der eigenen Sprachidentität umzugehen.</p>
<p><span id="more-140"></span></p>
<p>Zuerst einmal sollte man sich der Termini bewusst sein, mit denen alle um sich schmeissen:</p>
<ul>
<li><strong>Hochdeutsch</strong> als linguistisch-geografische Bezeichnung steht im Gegensatz zu <strong>Niederdeutsch</strong>. Hochdeutsch wird im grössten Teil Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz gesprochen, Niederdeutsch ist Plattdeutsch, gesprochen in Norddeutschland, das die 2. deutsche Lautverschiebung, auch &#8220;hochdeutsche Lautverschiebung&#8221; genannt, nicht mitgemacht hat. Hochdeutsch kann man in Ober- und Mitteldeutsch unterteilen. <em><strong>Hoch</strong>deutsch</em> bezeichnet in der Umgangssprache jedoch die Hochsprache, die mit <em>höherem</em> Prestige konnotiert ist.
</li>
<li>Der linguistische Terminus für die normierte deutsche Hochsprache ist <strong>Standarddeutsch</strong>, verkürzt <em>Standard</em>. Mehrere deutschsprachige Länder haben ihre eigenen Varianten des Standarddeutschen: <em>Bundesdeutsches Hochdeutsch</em>, <em>Österreichisches Deutsch</em> und <em>Schweizer Hochdeutsch</em>. Deutsch ist somit eine <strong>plurizentrische Sprache</strong>, was bedeutet, dass <em>mehrere Standardvarietäten</em> existieren. Das <strong>Schweizer Hochdeutsch</strong> ist nicht gleichzusetzen mit Schweizerdeutsch; es ist das Hochdeutsch, in dem Drucksachen (Zeitungen, Gesetze, etc.) in der Schweiz verfasst sind, und das in den Nachrichten gesprochen wird. Es hat gewisse lexikalisch Eigenheiten, <strong>Helvetismen</strong> genannt, die im Bundesdeutschen Hochdeutsch nicht oder anders verwendet werden, im Schweizer Hochdeutsch aber absolut korrekt sind (!), so zum Beispiel <em>parkieren</em> statt <em>parken</em> (mehr davon im TA-Artikel <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Deutsch-vs-Deutsch-Paprika-heisst-Peperoni/story/23015249">Deutsch vs. Deutsch: Paprika heisst Peperoni</a>). Aber auch in der Grammatik gibt es kleinere Abweichungen (<a href="http://www.nzz.ch/2007/01/16/se/articleesi0e_1.97312.html">Artikel dazu bei der NZZ</a>), ebenso in der Orthografie. Typisches Beispiel ist hier die Verwendung von <em>ss</em> statt <em>ß</em>. Von Deutschen und vermehrt auch von Schweizern werden solche Abweichungen insbesondere beim Lautstand (kein stimmhaftes s [z] in <em>Rose</em>) und beim Lexikon oft als &#8220;falsches Deutsch&#8221; wahrgenommen. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass auch ein Schwabe oder eine Sächsin, die oder der Bundesdeutsches Hochdeutsch spricht, gewisse dialektale Einschläge hat (ob das nun die Postulierung einer eigenen Varietät der Standardsprache rechtfertigt oder ob besser alle dieselbe Standardsprache lernen würden und eine solche Differenzierung nur ein irreführender &#8220;PR-Gag&#8221; ist, sei dahingestellt).
</li>
<li><strong>Schriftdeutsch</strong> ist eine schweizerische Bezeichnung für die [schweizerische] Standardsprache. Sie soll wie <em>Hochdeutsch</em> durch den Terminus <em>Standarddeutsch</em> ersetzt werden, da sie als wertend angeschaut wird (<em>Schriftdeutsch</em> impliziert, dass <em>Standarddeutsch</em> nur eine geschriebene Sprache ist).
</li>
</ul>
<p>Nach diesem Definitionsmarathon könnte man sich jetzt in eine Diskussion stürzen.</p>
<p>Ich will nur eine Feststellung loswerden, die aber mehrere andere tangiert. Well then.</p>
<p>Mich amüsiert die ganze Diskussion etwas. Denn wenn man das Ganze in einen grösseren Kontext stellt, fällt die Unverhältnismässigkeit ins Auge.</p>
<p>Sprachwandel findet statt. Ständig finden neue Lehnwörter Einzug in die Sprache. Zuerst geisselte man die Verwendung von Anglizismen im Hochdeutschen (also, ähm, Standarddeutschen), jetzt die Verwendung von deutschen Wörtern in der Mundart.</p>
<p>Gerade als Linguist, dem die Sprache die ganze Zeit davonrennt, kann ich das auch gut verstehen. Aber, wie gesagt: Sprache verändert sich fortlaufend. Schlussendlich ist es eine Frage der Menge, und die kritische Menge ist meiner Meinung nach noch lange nicht überschritten. Dann sagt Fritzli halt <em>Striichhölzli</em> statt <em>Zündhölzli</em>. Wir haben ja auch ein anderes Vokabular als unsere Grosseltern.</p>
<p>Wir Schweizer scheinen ein Problem mit dem Hochdeutschen zu haben – zwar brauchen wir es tagtäglich, schauen deutsches Fernsehen, lesen Bücher und Zeitung, hören Nachrichten – und doch: so ganz trauen wir der Sache nicht. Vielleicht planen die ja eine feindliche Übernahme. Die sind ja alle schon hier und rhetorisch viel gewandter. Panik. Populismus. Popliger Alpen-Nationalismus.</p>
<p>Auf pragmatischer Ebene muss festgestellt werden: Zweisprachigkeit ist für Kinder kein Problem, vorausgesetzt notabene eine angemessene Betreuung ist vorhanden. Optimalerweise werden &#8220;Standard&#8221; und Schweizerdeutsch nicht vermischt, wenn sie nebeneinander verwendet werden. Dies kann Beispielsweise durch Fenster, also Sequenzen in der jeweils anderen Sprache, oder, allgemeiner gesagt, durch Kopplung an Themen oder Personen geschehen.</p>
<p>Untergehende Sprachen haben andere Geschichten: sie werden verboten oder von prestigereicheren Sprachen überrollt. Ich sehe weit und breit keinen politischen Zwang oder wirtschaftlichen Druck, nicht mehr Schweizerdeutsch zu sprechen – Dem Schweizerdeutsch geht es blendend. SMS werden auf Schweizerdeutsch geschrieben, ebenso kommunizieren der hippe junge Schweizer und die coole junge Schweizerin auf Facebook und wie sie alle heissen auf Schweizerdeutsch. Schweizerdeutsch hat kein Imageproblem.</p>
<p>Darum frage ich mich, was diese heftigen Reaktionen ausgelöst hat. Ich kann mich weder für noch gegen Hochdeutsch im Kindergarten bedenkenlos aussprechen. Die Befürworter versprechen eine Generation von hyperkompetenten, vorbehaltlosen Standardsprechern, die auch im Schweizerdeutsch zu Hause sind. Alles wird besser. Die Gegner hängen ihre Besorgnis an einzelnen Wörtern auf und an genauso gefühlten Wahrheiten wie die Befürworter. Denn es ist wie so oft wissenschaftlich nicht klar, was passieren wird in dieser spezifischen Situation.</p>
<p>Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass wir eng mit Deutschland verbandelt sind. Wie viel Hochdeutsch im Kindergarten das rechtfertigt, weiss ich nicht. Aber ich habe das starke Gefühl, dass viel Aufheben um nichts gemacht wird. Es geht um einen Prozentanteil Hochdeutsch im Kindergarten (ausgenommen Basel, die eine &#8220;Extremvariante&#8221; mit 100% Hochdeutsch <em>erprobten</em>, was den Stein des Anstosses richtig ins Rollen gebracht hat) und alle beklagen den Verlust unserer Identität. In anderen Ländern gibt es viel stärkere Eingriffe: In Katalonien war Català 40 Jahre verboten und jetzt ist es wieder stark; Frankreich fasst seine Minderheitensprachen viel härter an; Afrika oder Papua-Neuguinea sind Schmelztiegel von Sprachen; Deutsch selbst ist das Produkt jahrhundertelangen Widerspiels germanischer Dialekte, später Latein oder Französisch und jetzt eben Englisch.</p>
<p>Und deshalb kommt mir die ganze Sache wie ein Sturm im Wasserglas vor.</p>
<div class="kleiner">Der Anlass für den Artikel ist ein längerer und lesenswerter Artikel über die &#8220;Fremdsprache Deutsch&#8221; in der NZZ am Sonntag vom 21.12.08. Bei DRS gab es einige Sendungen zum Thema, die unterdessen allerdings nicht mehr online sind.</div>
<div class="kleiner">Zum Weiterlesen:</p>
<ul>
<li>Hochdeutsch im Kindergarten: <a href="http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/zuerich/837462.html">Befragung unter Kindergärtnerinnen und Hintergründe</a> (TA 31.1.08), <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/umstrittenes_hochdeutsch_im_kindergarten_1.690543.html">NZZ 17.3.08 zum gleichen Thema</a>; <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/hochdeutsch_fuer_kleinkinder_1.711136.html">Hochdeutsch für Kleinkinder</a> (NZZ 16.4.08); <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/kindergaerten_basel__1.1403548.html">Hochdeutsch in Basler Kindergärten</a> (NZZ Online 11.12.08)
</li>
<li><a href="http://www.mundart-kindergarten.ch/">Initiative Ja zu Mundart im Kindergarten</a> (Zürich), <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/kanton/12000-sagen-Chindsgi-statt-Kindergarten/story/11546800">Artikel dazu, TA 25.11.08</a>
</li>
<li>Eine Andere Baustelle der Sprachenvielfalt (oder auch: auf Hochdeutsch sind wir allergisch, die Bündner Polyglossie finden wir toll): <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/die_buendner_leben_ihre_dreisprachigkeit_1.1292016.html">Die Bündner Leben ihre Dreisprachigkeit</a> (interessant dabei ist u.a. die positive Beurteilung im Artikel, die im Kommentar von einem Spezialisten relativiert wird)
</li>
<li>Deutsche lernen Schweizerdeutsch: NZZ <a href="http://www.nzz.ch/2007/03/24/zh/articlef0k3q_1.133079.html">24.3.08</a>, <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/schweizerdeutsch_fuer_tueuetschi_1.1412300.html">15.12.08</a>
</li>
<li>Die Sache mit den <em>ungeheuren Deutschen</em>: <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Deutsche-schnappen-uns-die-Frauen-weg/story/17401382">&#8220;Deutsche schnappen uns die Frauen weg&#8221;</a>, TA 26.11.08
</li>
</ul>
</div>
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		<title>Les ch&#8217;tis</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Aug 2008 10:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
		<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
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		<category><![CDATA[dialektologie]]></category>
		<category><![CDATA[patois]]></category>
		<category><![CDATA[picard]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern im Kino: Bienvenu chez les Ch&#8217;tis. Der Film, der in Frankreich alle Rekorde bricht, etwa ein Drittel Frankreichs hat ihn... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/08/12/les-chtis/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern im Kino: <a href="http://outnow.ch/Movies/2008/BienvenueChezLesChtis/" title="Beschreib und Kritik bei outnow.ch, der Seite mit den tollen Bildlegenden">Bienvenu chez les Ch&#8217;tis</a>. Der Film, der in Frankreich alle Rekorde bricht, etwa ein Drittel Frankreichs hat ihn schon gesehen. Es geht um die <em>Ch&#8217;tis</em>, die das seltsame <em>Ch&#8217;timi</em> oder mit offiziellem Namen <em>Picardische</em> sprechen, und auch sonst vermeintlich ganz seltsam sind, da oben am Nordpol von Frankreich. Mein Urteil: ironisch bis voraussehbarer Witz (aber nicht störend), wer Französisch sehr gut versteht findet&#8217;s sicher noch lustiger, liebenswürdige Charaktere, sehr gut zum Abschalten und trotzdem nicht platt. Sehenswert.</p>
<p>Und plötzlich war ganz Frankreich Fan dieser Region mit der seltsamen Aussprache, die eher nach gebrochenem Kiefer als nach Französisch klingt. <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Picard">Picard</a> scheint die linguistische Sammelbezeichnung für die Dialekte ganz im Norden zu sein (einige bezeichnen es sogar als Sprache), die in Nord-Pas-de-Calais – wie die BewohnerInnen – auch als <em>Ch&#8217;tis</em> oder <em>Ch&#8217;timi</em> bezeichnet werden, was wahrscheinlich von <em>Ch&#8217;est ti &#8211; ch&#8217;est mi</em> (C&#8217;est toi &#8211; c&#8217;est moi) kommt, wonach französische Soldaten im zweiten Weltkrieg die Picards als <em>Ch&#8217;ti(mi)s</em> bezeichneten.</p>
<p>Im Film wird einmal erklärt: Die Chtis sprechen /s/ als /ʃ/ (sch) und /ʃ/ als /k/. <em>Les chiens</em> sind also <em>die seinen</em>, nicht <em>die Hunde</em>&#8230; Eigentlich ist es ja nicht ganz richtig so rum, denn das Französische hat sich von der Vorgängersprache entfernt, nicht das Picard vom Französischen. die /k/s im Picard waren ursprünglich */k/s, die im Französischen palatalisiert, affrikatisiert und später frikativisiert wurden. Zur Verdeutlichung: lat. <em>canis</em> (Hund, ausgesprochen /kanis/) –&gt; altfrz. *<em>tchien</em> (?) –&gt; frz. <em>chien</em>, während im Picard das /k/ ein velarer Plosiv blieb: <em>kien</em>. Analog entspricht <em>gambe</em> frz. <em>jambe</em> (der Plosiv am Anfang ist &#8220;nach vorne gerutscht&#8221; und wurde zu einem Reibelaut, hier einfach stimmhaft). /ʃ/ ist ja nicht so weit weg von /s/ und noch nachvollziehbar. Im Walliserdialekt des Schweizerdeutschen wird /s/ vor /i/ und /e/ zum Beispiel auch als /ʃ/ ausgesprochen: /ʃi/ &#8220;sie&#8221;.</p>
<p>Soviel zur Phonologie (ohne auf die Vokale einzugehen, die sind immer <em>a pain in the ass</em> ;-)). Dann gibt es noch ein etwas anderes Lexikon, wie man das auch von seiner eigenen Mundart kennt, herauszuheben wären <em>mi/ti</em> statt <em>moi/toi</em> und weitere Vereinfachungen bei Personalpronomen und Basisverben wie <em>sein</em> und <em>haben</em>. Und das tolle <em>heeeeiiiin?</em>, gerne übertrieben betont und ans Satzende gestellt.</p>
<p><em>edit:</em> Nun ist der Film auch in Deutschland angekommen und wurde dafür synchronisiert – kein triviales Unterfangen, muss man doch die Sprachspielereien irgendwie wiedergeben, aber wie übersetzt man so etwas? Genau darum dreht sich ein <a href="http://www.welt.de/kultur/article2645685/So-erfindet-man-einen-neuen-deutschen-Dialekt.html">Interview mit der Synchronisations-Regisseurin Beate Klöckner</a> (via <a href="http://textundblog.de/?p=2728"><em>Text &#038; Blog</em></a>). In der Schweiz lief der Film ja mit Untertitel – wohl unser Zugeständnis an die drei, äh, viesprachige Schweiz. Und dabei, könnte ich noch hinzufügen, wurden vielmals schweizerdeutsche Wörter wie <em>Lumpen</em> für <em>Lappen</em> benutzt, um den verqueren Dialekt darzustellen. Fragt sich, wie sinnvoll das ist, denn warum sollten SchweizerInnen darüber lachen, wie komisch (das eine wie das andere <em>komisch</em>) ihre eigenen Wörter sind&#8230;</p>
<p>Mehr zu Sprache, Film und Region:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/932/168446/">Artikel in der SZ über <em>les Ch&#8217;tis</a></em></li>
<li><a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Picard">Picard</a> (französische Wikipedia)</li>
<li><a href="http://www.nordmag.fr/culture/patois/patois.htm">Le Patois du Nord-Pas de Calais</a></li>
</ul>
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		<title>Linguistik?</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2008/07/12/linguistik/</link>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2008 17:29:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[definition]]></category>
		<category><![CDATA[linguistik]]></category>
		<category><![CDATA[sprachwissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe mir gedacht, so ein &#8220;Grundsatzpost&#8221; zu Linguistik wäre mal nicht schlecht. Dann kann ich alle Verwandten hierhin verweisen.... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/07/12/linguistik/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mir gedacht, so ein &#8220;Grundsatzpost&#8221; zu Linguistik wäre mal nicht schlecht. Dann kann ich alle Verwandten hierhin verweisen. Um nicht all Häneschiss irgendjemand erklären zu müssen, was das jetzt ist, was man damit später mal macht und warum ich das so toll finde, diese <em>Linguistik</em> (naja, <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/04/26/nur-weil-man-etwas-nicht-vesteht-ist-es-noch-nicht-philosophisch/">phatische Kommunikation</a> hat ja auch ihre Berechtigung).<br />
<br/>Linguistik ist zu Deutsch <em>Sprachwissenschaft</em>, oft meint man damit die <em>allgemeine Sprachwissenschaft</em>. Der untersuchte Bereich beschränkt sich nicht auf eine Sprache, sondern es geht viel genereller um die Funktionsweise der Sprache, also aller Sprachen. Was sie verbindet und unterscheidet. Was sie schwierig und einfach macht. Warum wir einige Sprachen schöner finden als andere. Und warum das alles relativ ist.<br />
<br/>Die <em>allgemeine</em> Sprachwissenschaft untersucht zum Beispiel die Laute, die in Sprachen vorkommen (Phonetik und Phonologie), Wörter und Bedeutung (Lexikon und Semantik) oder den Sprachaufbau (Syntax), um damit die Sprache als Ganzes, als Kommunikationssystem zu beschreiben. Man könnte es als <em>Grammatik</em> im weitesten Sinne bezeichnen, aber eben nicht einer Sprache, sondern aller. Das <em>allgemein</em> betont den theoretischen, abstrakten Charakter der Disziplin.<br />
<br/>Anders die <em>historisch-vergleichende Linguistik</em> (auch ohne das eine oder andere Adjektiv zu finden oder spezifisch auf &#8220;unsere&#8221; Sprachfamilie bezogen als <em>Indogermanistik </em>(engl. <em>indo-european studies</em>) anzutreffen), die zwar ähnliche Gebiete wie die allgemeine Linguistik abdeckt, sich dabei aber für die Vergangenheit einer Sprache und deren &#8220;Verwandten&#8221; interessiert (Stichwort: Sprachstammbäume). Neuere, konkretere Studiengebiete innerhalb der Linguistik sind zum Beispiel Neurolinguistik oder Computerlinguistik, wo sich Erkenntnisse aus der Linguistik mit anderen Forschungsgebieten verbinden.<br />
<br/>Das nächste Mal bei &#8220;Die Erklärung&#8221;: Wer braucht schon Linguistik?</p>
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