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	<title>Schadenfriendly – Whatever you say, it's linguistic. &#187; Dialekt</title>
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	<description>Whatever you say, it's linguistic.</description>
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		<title>Gedanken zur Schaffhauser Mundart – Sprachwandel, Dialektverflachung, Variation</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
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		<category><![CDATA[schaffhausen]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Zeit beschäftige ich mich mit Schweizer Dialekten und im Zuge dessen am Rande auch mit meinem eigenen Dialekt. Ausgehend... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2012/01/12/gedanken-zur-schaffhauser-mundart-%e2%80%93%c2%a0sprachwandel-dialektverflachung-variation/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zeit beschäftige ich mich mit Schweizer Dialekten und im Zuge dessen am Rande auch mit meinem eigenen Dialekt. Ausgehend davon ein paar Beobachtungen.</p>
<p>Ich bin im Kanton Schaffhausen aufgewachsen und meine Eltern auch. Natürlich bin ich nicht das Mass der Dinge in Sachen Mundart von Schaffhausen, doch der Vergleich älterer Beschreibungen mit der Sprache, die ich spreche, bringt schon, ohne weit in die Tiefe zu gehen, einige Erkenntnisse. Der Kanton Schaffhausen ist ein Zipfel im Nordosten der Schweiz und grenzt an Deutschland. Das Schaffhauserdeutsch gehört zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hochalemannisch">Hochalemannischen</a>.</p>
<p>Heinrich Stickelberger hat 1881, also vor 130 Jahren, eine Diss zur Mundart der Stadt Schaffhausen veröffentlicht. Auf S. 3-4 listet er Merkmale der Stadtschaffhauser Mundart auf (erste 9 Punkte; letzte drei nicht auf der Liste):</p>
<ol>
<li><em>ên, ôn > ii, uu: nii, knuu, schtuu, guu, luu</em> &#8216;nehmen, genommen, stehen, gehen, lassen&#8217;
</li>
<li>mittelhochdeutsches (mhd.) <em>ei > aa</em>: <em>Flaasch und Baa und Faasses draa</em> &#8216;Fleisch und Bein und Feisses dran&#8217;
</li>
<li>Standarddeutsch <em>-ung</em> entspreche <em>-ing</em>
</li>
<li>[æ] gebe es nicht, dies sei zu [ɛ:] geworden
</li>
<li>-n sei geschwunden
</li>
<li>o sei offen vor Nasalen, meist auch vor r: <em>Bòmm, Chròòne, bòre, Tòòr</em> &#8216;Baum, Krone, bohren, Tor&#8217;
</li>
<li>Diminuitive auf -ìlì: <em>Fögili, Büsili</em> &#8216;Vöglein, Kätzchen&#8217;
</li>
<li>Dativ des Infinitiv erhalten: <em>z findid, z machid, z tüend, z sind</em> &#8216;zu finden, zu machen, zu tun, zu sein&#8217;
</li>
<li><em>nünt, numme, oo</em> &#8216;nichts, nicht mehr, auch&#8217;
</li>
<li>Ausserdem setzt er den gespannten Vokalen <em>i, u, ü</em> ungespannte Laute gegenüber. Er impliziert, dass dieser Unterschied phonemisch ist, sagt das aber nicht explizit. Er vermerkt dazu (Stickelberger 1881: 51), dass &#8220;die Wenigsten für den Unterschied von i, u, ü und [den abgetönten Varianten] ein Ohr haben&#8221; (was für mich etwas nach &#8220;ich höre es, weil ich erwarte, dass ich es höre&#8221; klingt).
</li>
<li>Die Aussprache von /r/ ist nach Stickelberger (1881: 15) normalerweise Zungenspitzen-r [r], &#8220;individuell&#8221; sei auch uvulares [ʁ] &#8220;häufig&#8221;, doch würden &#8220;ganze Gemeinden […] wegen des gutturalen r verspottet&#8221;.
</li>
<li>Stickelberger (1881: VI) zählt die Diphthonge /ou, øy, ei, o:u, ø:y/ auf (wobei er in Klammern geöffnete Varianten angibt), dazu die &#8220;unechten Diphthonge&#8221; /iə, uə, yə/.
</li>
</ol>
<p>Aus heutiger und persönlicher Sicht kann ich dazu sagen:</p>
<ol>
<li>Solche Formen kommen mir fremd vor. Das Schaffhauser Mundartwörterbuch (ShMwb) bezeichnet sie als &#8220;Relikte&#8221; (S. 24)
</li>
<li>Ich kenne wenige Leute, die /a:/ statt /ai/ sagen. Für mich hatte das immer etwas Archaisches. Es gibt diesen Spruch, <em>D Zaane d Laatere durabschlaapfe</em> &#8216;Die Zaine die Leiter hinuntertragen&#8217;, den ich als Kind eher als Spottvers auffasste. Wanner (1939: 41) verzeichnet in seinem Werk &#8220;Die Mundarten des Kantons Schaffhausen&#8221; schon ein starkes Vordringen des Diphthongs, der damals allerdings im grössten Teil des Kantons noch /ɛi/ lautete.
</li>
<li><em>Ziiting</em> und <em>Orning</em> sage ich nur zum Scherz. Aber Schulkollegen aus Dörfern fern der Stadt sagten solche Dinge. Noch einigermassen lebendig. Aber die meisten haben sich nach meiner Einschätzung auf allgemein Schweizerdeutsches <em>Ziitig</em> und <em>Ornig</em> verlegt.
</li>
<li>Das ist weiterhin so.
</li>
<li>Auch hier keine Veränderung.
</li>
<li>Ich sage <em>Baum, Chróóne, bòre, Tóór</em>, wobei ich mir <em>Tòòr</em> noch vorstellen kann zu sagen, <em>Bòmm</em> und <em>Chròòne</em> nicht. Die klingen in meinen Ohren betont konservativ.
</li>
<li>Die Diminuitive sind bei mir abgetönt, also <em>Büseli</em> und <em>Vögeli</em>. Das <em>-ili</em> ist mir noch in den Ohren, aber ich glaube nicht, dass es überlebt.
</li>
<li>Ich habe schon solche Formen gehört und mich mit Kollegen darüber lustig gemacht. Ausser im Scherz würde ich sie niemals aktiv brauchen. Das ShMwb stellt fest, der Dativ des Infinitivs sei &#8220;in der älteren Mundart lebendig&#8221; (S. 41).
</li>
<li>In meinem Idiolekt heisst das <em>nüüt, nümme, au</em>. <em>Oo</em> kommt mir sehr fremd vor, <em>numme</em> höre ich ab und zu und <em>nünt</em> sage ich vielleicht auch einmal, z.B. wenn ich sehr deutlich sprechen will.
</li>
<li>Dies hat mich überrascht, da ich hier keinen Unterschied empfinde. Auch das ShMwb (S. 32f.) meint, es gebe &#8220;kaum&#8221; einen Unterschied in der Vokalqualität (wie im Standarddeutschen). Wanner (1939: 8) bezeichnet den Unterschied nicht, weil er &#8220;gering und unbestimmt&#8221; sei.
</li>
<li>Ich kenne niemanden, der das /r/ vorne spricht. Ich dachte immer, das hintere, gegen Vokal tendierende /r/ [ʁ? ɣ?] (im Auslaut meines Erachtens [-ɔ]) sei typisch für Schaffhausen (und die Ostschweiz). In der Tat scheint schon ein bis zwei Generationen später das Zungenspitzen-r auf dem Rückzug zu sein: &#8220;[Zäpfchen-r] scheint umsich [sic] zu greifen. In Ra[msen] und Scha[ffhausen] herrscht es vor, in Schl[eitheim] auch.&#8221; (Wanner 1939: 10). Das ShMwb stellt lapidar fest: &#8220;In der Schaffhauser Mundart ist das Zäpfchen-r verbreiteter als das Zungen-r.&#8221; (S. 34).
</li>
<li>Die &#8220;unechten&#8221; Diphthonge (mit Schwa als zweitem Glied) sind auf jeden Fall erhalten. Dass diese nicht monophthongiert sind, ist meines Wissens eines der verbindenden Merkmale des Schweizerdeutschen gegenüber der hochdeutschen Standardsprache. In meinem Idiolekt hingegen ist /ou/ zu /au/ geworden, /ei/ wie /a:/ (siehe oben) zu /ai/, /øy/ zu /ɔi/ – dies alles scheint eine Anpassung ans Hochdeutsche zu sein. Die lange Diphthonge haben sich allerdings als /a:u, ɔ:i/ erhalten (/lau/ vs. /bla:u/). Auch /ai/ hat einen entsprechenden Langdiphthong /a:i/, wie in <em>ma:ijə</em> &#8216;mähen&#8217; den Stickelberger allerdings anders analysiert (mit &#8220;reduziertem i&#8221;) – bei Wanner (1939) entspricht er /ɛ:i/: <em>mɛ:ijə</em> (S. 35).
</li>
</ol>
<p>Fazit: 8½ (7 ganz, 3 teilweise) von 12 Merkmalen, die vor 130 Jahren typisch für den Dialekt der Stadt Schaffhausen waren, kommen mir fremd oder archaisch vor. Weiterhin &#8220;aktuell&#8221; (immer verglichen mit meinem Idiolekt) sind systematische Lautwandel und einzelne Formen. Davon ausgehend drei Gedankengänge.</p>
<p><strong>Verflachung des Dialekts</strong></p>
<p>Der Gedanke liegt beim Betrachten der obigen Liste nahe. Ecken und Kanten des Dialekts werden abgeschliffen, es findet eine Anpassung an die Umgebung statt, hervorstechende Merkmale werden zugunsten weiter verbreiteter Formen aufgegeben. Ich kann nur noch einmal feststellen, womit dies zu tun hat: Früher gab es viel weniger Einflüsse von aussen (Stichworte Migration und Massenmedien). Es sind die Lebensumstände, welche die Sprache formen. Sprachwandel halt.</p>
<p>Mir scheint, dass sich der Schaffhauser Dialekt neben der hochdeutschen Standardsprache vor allem den anderen Ostschweizer Dialekten orientiert hat. Dies mit dem Vorbehalt, dass dies meine persönliche Einschätzung ist, da ich nicht weiss, welche Merkmale seit jeher &#8220;ostschweizerisch&#8221; sind. Ich vermute, es gibt eine Verbandelung der Dialekte von Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen (was z.B. die Ostschweizerische Vokalspaltung nahelegt, die grob die Dialekte dieser Kantone gemeinsam haben). Das hiesse, man hat sich v.a. ähnlichen Dialekten angepasst, grenzt sich hingegen jedoch weiterhin bewusst von anderen ab (Zürichdeutsch, Schwäbisch).</p>
<p>Die Tendenz zur Verflachung ist, denke ich, nicht umstritten. Aber es wäre ein falsches Bild, würde man behaupten, dass die Schweizer Mundarten bald zu einem einzigen grossen Brei verschwimmen werden. Denn in Abgrenzung zu anderen beharren wir auf Unterschieden wie dem schaffhauserischen <em>nid</em> (&#8216;nicht&#8217;) oder auf unserm <em>a</em>, das nach der Überzeugung der SchaffhauserInnen nicht so hell ist wie das in St. Gallen und nicht so dunkel wie das in Zürich.</p>
<p>Das Schaffhauser Mundartwörterbuch stellt ebenfalls eine &#8220;Tendenz zur Uniformierung&#8221; fest und meint einen Absatz weiter unten: &#8220;Dialektgrenzen erhalten sich dennoch erstaunlich zäh, zwar sinkt die Kenntnis von Details, nicht aber das Bewusstsein für Mundartgrenzen. Die feinen Unterschiede zwischen den Dialekten erhalten sich selbst dann noch, wenn vermeintlich niemand mehr «richtigen» Dialekt spricht.&#8221; (S. 26)</p>
<p><strong>Geschwindigkeit des Sprachwandels</strong></p>
<p>Einhergehend mit der &#8220;Tendenz zur Uniformierung&#8221; wird eine &#8220;Beschleunigung des Sprachwandels&#8221; ab Mitte des 20. Jahrhunderts attestiert (ShMwb S. 26). Hier kann ich ebenfalls nicken und einhaken: Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Merkmale eines (nicht in der Ausrottung begriffenen) Dialektes sich in wenigen Generationen ändern – in diesem Falle: sich überregionaler Formen annähern oder angleichen.</p>
<p>Verwundert bin ich weiterhin über den Zusammenfall der offenen und geschlossenen <em>i, u, ü</em>. Wenn diese wirklich phonemisch gewesen sind, hat das Vokalsystem sich innerhalb von etwas mehr als einem halben Jahrhundert nicht unwesentlich vereinfacht, was ich durchaus bemerkenswert finde.</p>
<p><strong>Variation</strong></p>
<p>Wieder einmal mit der Nase gestossen wurde ich auf die Erkenntnis, dass Sprache nicht so fixiert ist, wie wir meinen – es gibt oftmals eine gewisse Variation, gerade im lexikalischen Bereich, aber auch bei der Formenbildung oder dem Lautsystem. Mehrere Wörter oder Formen konkurrieren sich, vielleicht setzt sich eines durch oder sie bestehen längere Zeit nebeneinander. In einem nicht durch Schriftkonventionen standardisierten Dialekt ist dies noch stärker der Fall als etwa im Standarddeutschen.</p>
<p>Dies stellt auch Wanner (1939) fest: &#8220;Die Einheit im Ganzen duldet Mannigfaltigkeit im Einzelnen.&#8221; (S. 2)</p>
<p>So gibt es <em>numme</em> und <em>nümm(e)</em>, <em>Bòmm</em> und <em>Baum</em>, <em>Ziitig</em> und <em>Ziiting</em>, <em>Laatere</em> und <em>Laitere</em> oder <em>Gaaferi, Gäiferi, Gäuferi</em> und <em>Gòòferi</em> (&#8216;Geiferer&#8217;, ShMwb S. 158). Konjunktiv-Formen sind besonders ergiebig; So heisst <em>ich niem, neem, nääm, näämti</em> (ShMwb S. 43) alles &#8216;ich nähme&#8217;. Auch sonst ist bei Verbformen eine flexible Handhabung festzustellen: <em>Ich will</em> kann wiedergegeben werden als <em>ich wett, ich wött, ich wott</em> und gerade noch zulässig ist standarddeutsches <em>ich will</em>. Wanner (1939) gibt gleich sechs (örtlich klar verteilte) Varianten für <em>Bremse</em> (die Insekte): <em>Bräme, Breeme, Breme, Brääme, Brööme, [brœ:mə]</em> (S. 4).</p>
<p>Diese Variation, der man schon im Kleinen Gebiet eines Kantons begegnet, ist im grossen Massstab das alltägliche Brot in der Schweiz: Eine sagt so, der andere so, und meistens versteht man sich.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Stickelberger, Heinrich: <em>Lautlehre der lebenden Mundart der Stadt Schaffhausen</em>. Aarau: Sauerländer 1881.
</li>
<li>Wanner, Georg: <em>Die Mundarten des Kantons Schaffhausen</em> Hg. von Hans Wanner. Schaffhausen: 1939-1941.
</li>
<li><em>Schaffhauser Mundartwörterbuch</em>. Begründet von Alfred Richli; erarbeitet von Heinz Gallmann [et al.]. Schaffhausen: Meier 2003.
</li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Annäherung ans schweizerdeutsche Konsonantensystem</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/09/annaherung-ans-schweizerdeutsche-konsonantensystem/</link>
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		<pubDate>Sun, 09 May 2010 12:46:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Häufung des &#8220;Ach-Lauts&#8221; ist für Auswärtige bezeichnend fürs Schweizerdeutsche. Historisch hängt dies mit dem Zweiten Germanischen Lautwandel zusammen, den... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/09/annaherung-ans-schweizerdeutsche-konsonantensystem/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Häufung des &#8220;Ach-Lauts&#8221; ist für Auswärtige bezeichnend fürs Schweizerdeutsche. Historisch hängt dies mit dem Zweiten Germanischen Lautwandel zusammen, den das Hochalemannische (das nicht ganz deckungsgleich mit dem geografischen Begriff &#8220;Schweizerdeutsch&#8221; ist) im Gegensatz zum restlichen Hochdeutschen &#8220;ganz fertig gemacht&#8221; hat.</p>
<p>Nach der Lektüre der folgenden, – bewusst, dass das noch nicht die ganze Wahrheit ist – als &#8221;Annäherung&#8221; betitelte Abhandlung über das Schweizerdeutsche Konsonantensystem sollte klar sein, weshalb das /x/ – so die phonetische Schreibweise des &#8220;Ach-Lauts&#8221; – im Schweizerdeutschen öfter vorkommt als im Hochdeutschen.</p>
<p>Ich werde an manchen Orten pauschalisieren, aber natürlich ohne <em>Seich</em> zu erzählen. Der Graubündner Dialekt, der Walliser Dialekt (bzw. Höchstalemannisch, das ja schon im Berner Oberland und in der Innerschweiz beginnt) und der Basler Dialekt sind ausdrücklich ausgenommen, da diese Dialekte weitere Eigenheiten haben, auf die einzugehen die Angelegenheit noch mehr verkomplizieren würde.</p>
<p>Die Annäherung geht (sozusagen kontrastiv) vom Hochdeutschen (=Hd., im Sinne von <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/22/deutsch-und-deutlich/">Standarddeutsch</a>) aus. Für eine allgemeine Annäherung ans Schweizerdeutsche verweise ich auf <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/04/07/dialekt-von-gr-διαλέγομαι-dialegomai-miteinander-reden/">den Artikel, den ich hier vor ca. einem Jahr dazu veröffentlicht habe</a>.</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-labial.gif" alt="labiale Reihe" border="1" width="497" height="198" /></p>
<p>Beginnen wir bei den labialen Konsonanten (Grafik: pink=Hochdeutsch, gelb=Schweizerdeutsch). <strong>Der Frikativ /f/ und die Affrikate /pf/ </strong>sind gleich verteilt, wie Wortpaare beweisen (Beispiele für Anlaut, Inlaut, Auslaut): <em>Faden</em> vs. <em>Fade</em>, <em>Tafel</em> vs. <em>Tafle</em>, <em>Hof</em> vs. <em>Hof</em>; <em>Pfanne</em> vs. <em>Pfanne</em>, <em>tropfen</em> vs. <em>tropfe</em>, <em>Knopf</em> vs. <em>Chnopf</em>.</p>
<p>Der hochdeutsche stimmlose bilabiale Plosiv /p/ (mit Allophon [pʰ]) hat zwei Entsprechungen in chd. <strong>/p/ und /pʰ/</strong>: <em>Pelz, Pass</em> oder <em>Puff</em> werden ohne Aspiration gesprochen, <em>Panter, Park</em> oder <em>Piercing</em> aspiriert. Bei älteren Wörtern scheint tendenziell die Aspiration zu fehlen. Spricht man <em>Pelz</em> mit Aspiration, bekommt es für meine Ohren einen &#8220;hochdeutschen Anstrich&#8221;.</p>
<p>Soweit könnte man sagen, dass /p/ und /pʰ/ nur Allophone seien, da es verständlich bleibt, wenn eine Aspiration fehlt oder dazukommt. Doch es gibt eine Reihe von Wörtern, bei denen die Aspiration meines Erachtens phonemische Qualität hat. Deren hochdeutsche Entsprechung ist <em>beh-</em>, das zu /pʰ/ zusammengezogen wurde: <em>bhalte</em> /&#8217;pʰaːltə/ (&#8220;behalten&#8221;), <em>Bhaltis</em> /&#8217;pʰaːltis/ (kleines Geschenk von einer Firma), <em>bhoupte</em> /&#8217;pʰoʊptə/ (&#8220;behaupten&#8221;, berndeutsch; in anderen Dialekten <em>behaupte</em>) etc.</p>
<p><em>E pallti Ladig</em>, ohne Aspiration, ist &#8220;eine geballte Ladung&#8221; – womit wir bei einer Gruppe wären, die immer unaspiriert ist: Partizipien, deren hochdeutsche Entsprechungen mit <em>geb-</em> beginnen: <em>plibe</em> (von <em>bliibe</em>, &#8220;bleiben), <em>paue</em> (von <em>baue</em>, &#8220;bauen&#8221;) oder <em>proocht</em> (von <em>bringe</em>, &#8220;bringen&#8221;). Ein Minimalpaar, das beweist, dass die Aspiration ein phonologischer Unterschied ist, wäre <em>e pallti Ladig</em> (&#8220;eine geballte Ladung&#8221;) mit /p/ vs. <em>Da bhalti!</em> (&#8220;Das behalte ich&#8221;!) mit /pʰ/.</p>
<p>Auch mit /p/ und nicht mit /b/ gesprochen werden <em>Puur</em> (&#8220;Bauer&#8221;) und <em>Pier</em> (&#8220;Bier&#8221;) oder <em>Plöffer</em> (&#8220;Bluffer&#8221;). Und ein /p/ entsteht auch, wenn ein wortinitiales /b/ mit vorhergehenden Plosiven &#8220;verschmolzen wird&#8221;, z.B. <em>d&#8217;Bank</em> /paŋk/ (&#8220;die Bank&#8221;) oder schnell ausgesprochenes <em>Handball</em> /&#8217;hampal/. Solche Sandhi-Phänomene sind typisch fürs Schweizerdeutsche – die Verkürzung von <em>behalten</em> zu <em>bhalte</em>, wo /b/ und /h/ zu /pʰ/ werden, ist ein ähnlicher Vorgang. <span class="kleiner">In den Grafiken sind nur die wortinternen Sandhi mit Verbindungsstrichen vermerkt, die wortübergreifenden wären noch ein viel grösseres Kapitel&#8230; So wird z.B. <em>d&#8217;Frau</em> bzw. <em>d Frau</em> (&#8220;die Frau&#8221;) mit /pf/ gesprochen, /pfrau/.</span></p>
<p>Dann bliebe noch <strong>/b/, der stimmhafte bilabiale Plosiv</strong> (im Hochdeutschen mit Allophon [p] am Wortende). Im Schweizerdeutschen wird /b/ nicht durch Stimmhaftigkeit, sondern durch Länge bzw. Gespanntheit (Lenis) von /p/ (Fortis) unterschieden. Unser /b/ ist also ein weniger intensives /p/. Phonetisch geschrieben wird es meist mit einem Kringel für Stimmlosigkeit, /b̥/.</p>
<p>Zur <strong>Verschriftlichung</strong> (unterste, schwach gelbe Reihe in der Grafik): /p/, /pf/ und /b/ sind kein Problem, etwas schwieriger verhält es sich mit der Verschriftlichung von /p/ und /pʰ/. Da es kein standardisiertes Schweizerdeutsch gibt und damit keine offizielle Schreibung, <strong>greifen wir meist auf das Hochdeutsche zurück</strong>: &lt;p&gt; steht für /p/ und /pʰ/, weil Wörter wie <em>Park</em> /pʰark/ und <em>Pass</em> /pas/ hochdeutsch beide mit &lt;p&gt; geschrieben werden. &lt;b&gt; kann in Wörtern wie <em>broocht</em> /prɔːxt/ statt &lt;p&gt; verwendet werden, weil es eine Form von <em>bringe</em> ist und etymologisches <em>gbroocht</em> blöd aussähe. Ein chd. /pʰ/, das hd. <em>beh-</em> entspricht, wird meist &lt;bh&gt; geschrieben.</p>
<p>Langsam schreibe ich mich in Stimmung&#8230; ;)</p>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-alveolar.gif" alt="alveolare Reihe" border="1" width="497" height="220" /></p>
<p>Weiter geht es mit der Reihe der an den Alveolen produzierten Konsonanten. Das Bild ist im Grossen und Ganzen dasselbe wie bei den Labialen: <strong>Frikativ /s/ und Affrikate /ts/</strong> sind deckungsgleich, das <strong>stimmhafte /d/</strong> ist im Schweizerdeutschen nicht stimmhaft, sondern eine Lenis /d̥/. Die <strong>Affrikate /ts/</strong> wird, analog dem Deutschen, als &lt;z&gt; (<em>Zange</em>), &lt;tz&gt; (<em>Latz</em>) oder &lt;ts&gt; (<em>stets</em>) verschriftlicht. Es lässt sich keinen Hang zu einer eigenständigen Schreibung erkennen, die näher am Gesprochenen ist. Für die bessere Lesbarkeit greifen wir, wenn wir Schweizerdeutsch schreiben, auf vertraute orthografische Konventionen des Hochdeutschen zurück. Nur als Sprachspiel liest oder schreibt man eventuell Dinge wie <em>Tsüri</em> (&#8220;Zürich&#8221;), das dann als augenzwinkernde Verfremdung erscheint.</p>
<p>Es gibt ein Paar Wörter, wo hochdeutsches /d/ schweizerdeutschem /t/ entspricht, z.B. <em>danke</em> /tanke/ und <em>dumm</em> /tumm/. Darum das &lt;d&gt; als Schreibung für /t/ auf der Ebene der Verschriftlichung.</p>
<p>Deutsches /t/ entspricht wiederum einer <strong>behauchten Variante /tʰ/ und einer nicht behauchten /t/</strong>. Hier scheint mir die Verteilung jedoch, anders als bei /p/ und /pʰ/, sehr ungleichmässig verteilt: /tʰ/ kommt nur in wenigen Wörtern &#8220;zwingend&#8221; vor wie <em>Team</em> oder <em>Tee</em>, sogar bei vielen Fremdwörtern ist nach meinem Gefühl beides möglich, z.B. bei <em>Terrarium</em> oder <em>Texas</em>, wobei /teksas/ einen &#8220;bünzlig-gemütlichen&#8221; Beigeschmack hat, /tʰeksas/ etwas Distanziertes&#8230; Aber ich lasse mich auf die Äste raus.</p>
<div class="kleiner">Auch hier gibt es Fälle von Zusammenzug: /d+h/ &gt; /tʰ/, z.B. <em>d&#8217;Hoor</em> /tʰɔːr/ (&#8220;die Haare&#8221;); /d+d/ &gt; /t/, z.B. <em>d Daniela</em> (&#8220;die Daniela&#8221;) /taniela/; /d+s/ &gt; /ts/, z.B. <em>d Sabi</em> (&#8220;Die Sabine&#8221;) /tsabi/ (vgl. <em>d Frau</em> /pfrau/). Doch dies sind alles Fälle von wortübergreifendem Sandhi, darum keine Verbindungslinien.</div>
<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/ch-vs-de-velar.gif" alt="velare Reihe" border="1" width="497" height="228" /></p>
<p>Und jetzt wird&#8217;s endlich richtig &#8220;schön&#8221; (im Sinne von &#8220;verworren&#8221;), denn bei der velaren Reihe kommt das &#8220;Schweizer K&#8221; zum Zuge (also /kx/). Dieses hat das Hochdeutsche gar nicht und deshalb sieht in dieser Reihe alles noch etwas anders aus, aber im Prinzip natürlich gleich&#8230; Konkret: Auch hier gibt es im Schweizerdeutschen fünf Varianten, im Hochdeutschen jedoch nur drei, so dass die Lautentsprechungen etwas anders sind als bei den vorhergehenden Artikulationsorten, was dann auch Auswirkungen auf die Verschriftlichung hat.</p>
<p>Von &#8220;Schweizer K&#8221; habe ich gesprochen, weil ein geschriebenes &lt;k&gt; schweizerdeutsch standardmässig als /kx/ ausgesprochen wird. Das scheint unser Prototyp eines <em>k</em> zu sein – was natürlich Probleme mit sich bringt: wie schreibt man dann, wenn man Mundart schreibt, ein /k/, wie ein /kʰ/? Und natürlich will das &#8220;postplosive Kratzen&#8221; den Kindern wegerzogen werden, wenn sie Hochdeutsch lesen. <span class="kleiner">PolitikerInnen, die ihre Verbundenheit mit der Schweiz in Abgrenzung zu Deutschland und der Welt allgemein ausdrücken wollen, unterstreichen das auf der phonetischen Ebene oft durch die konsequente – <em>kchonsequente</em> – Aussprache von /k/ als schweizerdeutsch angehauchtes /kx/, wenn sie Hochdeutsch sprechen.</span></p>
<p>Zuerst mal das, was mehr oder weniger gleich ist. Da wäre <strong>hd. /x/</strong> (mit Allophon [ç] vor vorderen Vokalen und den Allophonen /ʃ,k/ am Wortanfang, vgl. <em>China</em>), das immer chd. /x/ entspricht: <em>suchen</em> vs. <em>sueche</em>, <em>Bach</em> vs. <em>Bach</em>.</p>
<p>Den Wörtern, die im Hochdeutschen ein /k/ haben (Allophon /kʰ/ wortinitial), entspricht im Schweizerdeutschen – wie schon erwähnt – prototypisch die <strong>Affrikate /kx/</strong>, die es im Hochdeutschen nicht gibt: hd. <em>komisch</em> /k-/ vs. chd. <em>komisch</em> /kx-/, hd. <em>locker</em> /-k-/ vs. chd. <em>locker</em> /-kx-/, hd. <em>Sack</em> /-k/ vs. chd. <em>Sack</em> /-kx/.</p>
<p>Die <strong>Entsprechung zu hochdeutsch /k/ kann aber wortinitial auch /x/ sein</strong>: <em>klein</em> vs. <em>chlii</em>. Die Verteilung von wortinitialem /x/ vs. /kx/ scheint mir ausgewogen. Neuere Wörter haben eher /kx/, so <em>komisch</em> (im Deutschen ab dem 15. Jh. bezeugt), <em>krass</em> (18. Jh.) oder <em>Computer</em>. Wörter aus dem germanischen Urwortschatz dagegen haben /x/: <em>Chile</em> (Kirche), <em>Charte</em> (Karte) oder <em>Chnüü</em> (Knie).</p>
<p>An dieser Stelle ist ein kurzer Exkurs ins Diachrone (die historische Linguistik) angebracht. Die Zweite Germanische Lautverschiebung – DER Klassiker der germanischen Linguistik! –, die nur das Hochdeutsche im linguistischen Sinn (wozu ja auch die Schweizer Dialekte gehören) durchgemacht hat, hat die stimmlosen Plosive /p,t,k/ zu /(p)f,(t)s,(k)x/ verschoben – nur eben, dass ausser den hochalemannischen Dialekten (und und höchstalemannischen Dialekten wie Walliserdeutsch, die ich aussen vor gelassen habe) die Verschiebung von /k/ zu /(k)x/ nicht durchgeführt wurde. Das sieht man, wenn man Hochdeutsch, Schweizerdeutsch und Englisch vergleicht: bei den Labialen und Alveolaren geht Hochdeutsch mit dem Schweizerdeutschen, hd./chd. <em>Pfeffer</em> vs. engl. <em>pepper</em>, hd./chd. <em>Wasser</em> vs. engl. <em>water</em>, aber chd. <em>Chind</em> vs. hd. <em>Kind</em> und engl. <em>kid</em>.</p>
<p>Weiter zu <strong>schweizerdeutschem /k/</strong>. In einigen Fällen entspricht hochdeutsches /k/ schweizerdeutschem /k/: <em>Hoogge</em> vs. <em>Haken</em>, <em>Lagg</em> vs. <em>Lack</em>, <em>Lugge</em> vs. <em>Lücke</em>, <em>güggsle</em> vs. <em>kucken</em>, <em>Egge</em> vs. <em>Ecke</em>. Dies scheint nur im Inlaut und Auslaut möglich zu sein. Ein /k/ am Wortanfang entspricht der hochdeutschen Vorsilbe <em>ge-</em>, die vorwiegend für zur Partizipbildung zum Einsatz kommt (vgl. Elision des unbetonten &lt;e&gt; in der hochdeutschen Vorsilbe <em>be-</em> &gt; <em>bhalte</em>, oben): <em>gää</em> /kɛː/ (&#8220;gegeben&#8221;, zum Infinitiv <em>gää</em> /gɛː/), <em>gmacht</em> /kmaxt/ (&#8220;gemacht&#8221;, zum Infinitiv <em>mache</em> /maxə/) etc.</p>
<p>Das <strong>schweizerdeutsche /kʰ/</strong> ist keine Version des hochdeutschen /k/ (wie dies analog zu /tʰ/ und /pʰ/ denkbar wäre), da hd. /k/ seine Entsprechung ja in den chd. /x/-Lauten findet. Schweizerdeutsches /kʰ/ entspricht hochdeutschem <em>geh-</em>: <em>gha</em> /kʰa/ (&#8220;gehabt&#8221;), <em>Ghalt, ghallt</em> /kʰalt/ (&#8220;Gehalt&#8221;/&#8221;gehallt&#8221;, ausgesprochen wie hochdeutsch <em>kalt</em> /kʰalt/, das auf Schweizerdeutsch <em>chalt</em> heisst) etc. Dieses Sandhi ist analog zu <em>bhalte</em> (s.o.), doch anders als bei /pʰ/, das hochdeutsch <em>beh-</em> oder /p/ entspringen kann, entspricht /kʰ/ immer <em>geh-</em>, nie hochdeutschem /k/.</p>
<p>Das <strong>schweizerdeutsche /g̥/</strong> entspricht wieder bis auf die stimmlose Realisierung dem deutschen /g/.</p>
<p>Damit kämen wir noch zur <strong>Verschriftlichung</strong>. Grundsätzlich lesen wir SchweizerInnen ja &lt;k&gt; als /kx/, deshalb brauchen wir eine andere Verschriftlichung für /k/ (für /x/ haben wir die deutsche Schreibweise &lt;ch&gt; übernommen). Bei den Partizipien wird oft einfaches &lt;g&gt; verwendet: <em>gää</em> /kɛː/ (gleich geschrieben wie der Infinitiv /gɛː/! – weil <em>ggää</em> seltsam aussieht), <em>grennt</em> /krɛnt/ (&#8220;gerannt&#8221;) – dass bei Dialekten im Berner Raum die Realisierung &#8220;weicher&#8221; ist, d.h. eher gegen /g/ tendiert, also /grɛnt/, mag dies begünstigen. Man sieht aber auch die Schreibweise mit &lt;gg&gt; bei Partizipien <em>ggange</em>/<em>gange</em>, und bei nicht-Partizipien (die ja /k/ nur im Inlaut oder Auslaut haben) ist sie Pflicht: <em>Hoogge</em> /hɔ:kə/.</p>
<p>Eine Besondere Herausforderung sind schweizerdeutsche Partizipien, die hd. <em>gek-</em> entsprechen: <em>choche</em> (&#8220;kochen&#8221;) wird mit Partizip-Präfix zu /kxoxt/, aber schreibt man jetzt <em>kocht</em> (eigentlich logisch bei /kx/) oder <em>gchocht</em> (um ersichtlich zu machen, dass die Form zum Paradigma <em>choche</em> gehört)?</p>
<h3>Was heisst das jetzt?</h3>
<p>Ich fasse zusammen: Das Schweizerdeutsche hat an den drei Artikulationsorten von Konsonanten jeweils fünf Artikulationsvarianten, die allesamt <em>Phoneme</em> sind (keine Allophone), während das Deutsche nur jeweils drei oder vier Phoneme hat. Die Artikulationsarten sind jeweils: Frikativ, Affrikate, stimmloser Plosiv unaspiriert, stimmloser Plosiv aspiriert, stimmloser Plosiv Lenis (entspricht dem hd. stimmhaften Plosiv).</p>
<p>In dieser Systematik fehlen einige Konsonanten wie &lt;w&gt; /v/, &lt;sch&gt; /ʃ/, &lt;tsch&gt; /tʃ/ und die Nasale. Diese entsprechen weitgehend (von der Systematik her) den deutschen Konsonanten, soweit ich das beurteilen kann. Man müsste auch noch die Sandhi-Phänomene weiter aufdröseln, die beim Zusammentreffen von Konsonanten auftreten, und dann könnte man noch Lenis vs. Fortis weiter behandeln (/maxe/ vs. /maxːe/, /pfane/ vs. /pfanːe/)&#8230; Doch mir ging es vor allem darum, aufzuzeigen, dass die <strong>Systematik des schweizerdeutschen Konsonantensystems nicht deckungsgleich ist mit der des Hochdeutschen</strong>.</p>
<p>Wer diese Systematik und die hochdeutsch-schweizerdeutschen Entsprechungen verstanden hat, besitzt das Rüstzeug, um das Konsonantensystem des Schweizerdeutsch <em>systematisch</em> zu verstehen und Verschriftlichung oder abweichende Entsprechungen zum Hochdeutsch zu vergleichen. Letztere habe ich bisher verschwiegen; anscheinend sind wir uns in einigen Fällen nämlich selbst nicht einig, was in welche Kategorie gehört:</p>
<ul>
<li>&#8220;gehabt&#8221;: Varianten <em>gha</em> /kʰa/ und <em>ka</em> /kxa/, ebenso <em>gheie</em> /kʰajə/ oder <em>keie</em> /kxajə/
</li>
<li>&#8220;Rakete&#8221;: Varianten <em>Ragete</em> /-g̥-/ und <em>Rakete</em> /-kx-/
</li>
<li><em>Tom</em> würde ich /tʰom/ aussprechen, <em>Thomas</em> /tomas/
</li>
<li>bei /t/ vs. /tʰ/ gibt es Spielraum: <em>Thurgau</em> könnte man beispielsweise mit <em>oder</em> ohne Aspiration aussprechen
</li>
<li>in St. Gallen sagt man öfter /k/ statt /kx/: <em>Frangge</em> (&#8220;Franken&#8221;), <em>tangge</em> (&#8220;danke&#8221;)
</li>
<li>die Türkei bezeichnet man nicht nur in St. Gallen neben <em>Türkei</em> /-kx-/ auch als <em>Türggei</em> /-k-/
</li>
<li>&#8220;Kleider&#8221; sind <em>Chleider</em> /x-/ oder <em>Kleider</em> /kx-/, &#8220;eine Klage&#8221; <em>e Klag</em> /kx-/ oder <em>e Chlag</em> /x-/ – das <em>Kino</em> /kx-/ heisst in Bern <em>Chino</em> /x-/
</li>
</ul>
<p>Es gibt also ein System von verschiedenen Schubladen, doch die einzelnen Wörter reihen wir zum Teil verschieden ein. Im St. Galler Dialekt besteht eine Tendenz, Wörter eher in Kategorie des unaspirierten /p,t,k/ zu tun, in Bern eine Tendenz, die Sandhi-Konsonanten weicher auszusprechen .</p>
<h3>Wo begegnet mir das im Alltag?</h3>
<p>Das erste Beispiel sind natürlich dialektale Unterschiede, wie die gleich zuvor genannten.</p>
<p>Ein Fall, wo uns die Verschriftlichung von /k/ als &lt;gg&gt; in die Quere kommt, ist das Wort <em>blogge</em> (&#8220;bloggen&#8221;): Das &lt;gg&gt; verleitet (zumindest mich) dazu, es als /&#8217;blokə/ auszusprechen (wie <em>Bagger</em> /baker/), doch im Englischen und Deutschen dient das in der Orthografie geminierte &lt;gg&gt; nur dazu anzuzeigen, dass das /o/ kurz ist.</p>
<p>Schon kurz angetönt habe ich, warum ein /kx/ (ein &#8220;kratziges k&#8221;) als bewusste sprachliche Abgrenzung gegen Deutschland eingesetzt werden kann (wenn man Hochdeutsch spricht): es hat, soziolinguistisch gesehen, die Bedeutung &#8220;ich bin ein Schweizer&#8221;. Ähnlich könnte man auch eine absichtliche Nicht-Aspiration einsetzen. Ich habe mich allerdings noch nie darauf geachtet, ob das gemacht wird.</p>
<p>Klar sollte auch sein, warum wir /ɛks&#8217;kysi/ (&#8220;Entschuldigung&#8221;, von frz. <em>excusez</em>) nicht mit &lt;k&gt;, <em>äxküsi</em>, schreiben, obwohl wir ein /k/ sprechen (es würde /ɛks&#8217;kxysi/ ausgesprochen).</p>
<div class="kleiner">Ein schönes <a href="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/05/lautentsprechungen-kons-ch-vs-de.pdf" alt="PDF Lautentsprechungen">PDF mit allen Lautentsprechungen</a>  steht zum Download bereit (allerdings ohne Verschriftlichungs-Ebene, die hat nicht mehr draufgepasst).</div>
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		<title>Keinen Plan, aber erst mal schön standardisieren</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 19:59:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vorwörtchen: Dies ist keine &#8220;Dialekt vs. Hochsprache&#8221;-Debatte. Ich störe mich daran, wie Herr Rothenbühler Dialekte als niedere Sprachen darstellt. Wenn... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/04/19/keinen-plan-aber-erst-mal-schon-standardisieren/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Vorwörtchen: Dies ist keine &#8220;Dialekt vs. Hochsprache&#8221;-Debatte. Ich störe mich daran, wie Herr Rothenbühler Dialekte als niedere Sprachen darstellt. Wenn nichts besser als das andere ist, heisst das aber auch, dass Dialekte nicht besser als Standarddeutsch sind.</em></p>
<p>Peter Rothenbühler ist Kolumnist. Weil er in Biel zweisprachig aufgewachsen ist, fühlt er sich offensichtlich als Sprachexperte. In der NZZaS vom 18.4.10 diagnostiziert er den Deutschschweizern, sie würden &#8220;langsam zum Volk ohne Sprache&#8221;, da sie Dialekte sprächen, die &#8220;sprachlich verwildert sind&#8221;. Die Dialekte seien &#8220;ein fehlerhaftes Mischmasch&#8221; (interessant, dass sich trotzdem alle verstehen, obwohl sie &#8220;fehlerhaft&#8221; sprechen).</p>
<p>Das sagt schon mal einiges über die Wahrnehmung von Sprachen von Herrn Rothenbühler: Es gibt gute Sprachen und schlechte, richtige und falsche. So weit so falsch.</p>
<p>Als Beleg dafür werden Soziolekte angeführt wie &#8220;Zürialbanisch&#8221; (so seine Bezeichnung), das – oh nein, wie schlimm! – mit der Intonation spielt, oder die SMS-Sprache. Das ist wie wenn man in ein Londoner Pub gehen würde, wo garantiert nur Alteingesessene verkehren, und sich dann beklagt, dass man an diesem Ort Cockney und nicht Received Pronunciation spricht. Man kommuniziert nun mal je nach Situation verschieden, der Begriff dafür heisst &#8220;Varietäten&#8221;.</p>
<p>Dann der Vergleich mit Deutschland und Frankreich: dort würden Dialekte &#8220;als Privatsache betrachtet, als Intim- oder Babysprache für den familiären Bereich&#8221;. Es stimmt, dass Dialekte in verschiedenen Sprachräumen unterschiedlich viel Prestige gegenüber der Standardsprache geniessen, und es trifft auch zu, dass die französische und deutsche Standardsprache viel mehr Prestige als die französischen und deutschen Dialekte hat.</p>
<p>Doch natürlich will Herr Rothenbühler damit Wasser auf seine Mühlen lenken: Das Schweizer Fernsehen trage zum &#8220;sprachlichen Reduitdenken&#8221; bei, fährt er fort, indem es viele Sendungen, auch Informationssendungen, auf Schweizerdeutsch ausstrahle. Damit spricht er implizit an, worum es geht: um Identität. Aber statt zu erörtern, warum Mundart in der Deutschschweiz ein hohes Prestige geniesst, versucht Herr Rothenbühler, dem Dialekt seinen Status abzusprechen.</p>
<p>Aufgefüllt wird der Cocktail mit einem Schuss der ewigen Leier, dass niemand in der Schweiz richtiges Standarddeutsch könne, notabene folgend auf die Feststellung, dass das Hochdeutsch, welches in der Schule gelernt werde, nie mehr angewendet werde. Macht&#8217;s da nicht Klick? Viele brauchen in ihrem Leben einfach kein Hochdeutsch. So wie die Dänen in ihrem eigenen Land nicht englisch sprechen müssen. Nur eine Minderheit muss regelmässig international kommunizieren. Vielleicht sollte man das in die Beurteilung des Soll-Status vom Hochdeutschen mit einfliessen lassen. Dass Standarddeutsch die allgemeine Verständigung vereinfacht, ist jedoch nicht abzustreiten. Und hier breche ich ab, denn gleich wird&#8217;s komplex.</p>
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		<title>Glaubs</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/11/07/glaubs/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 11:46:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute möchte ich einem Wörtchen aus meinem Dialekt ein Kränzchen winden. Ich kann nicht einmal sagen, ob es in der... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/11/07/glaubs/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich einem Wörtchen aus meinem Dialekt ein Kränzchen winden. Ich kann nicht einmal sagen, ob es in der ganzen Schweiz verwendet wird. Jedenfalls ist es wahnsinnig praktisch.</p>
<p><em>Glaubs</em> (oder <em>glaub</em>) ist wohl ein zusammengezogenes <em>ich glaube es</em>, das jedoch syntaktisch flexibler ist als sein Vater. <em>…, glaube ich, …</em> kann man zwar auch &#8220;überall&#8221; einschieben, aber es ist bei weitem nicht so geschmeidig wie ein <em>glaubs</em>.</p>
<p>Nur eine Silbe ist es lang und doch trägt es sehr viel zum Satzgehalt bei, wie das Partikeln so an sich haben. Es bringt die eigene Bewertung des Wahrheitsgehaltes des Gesagten zum Ausdruck.</p>
<p>Beispiel: <em>Er hät hüt glaubs bis am füfi Schuel</em> – man ist sich also nicht ganz sicher, aber meint etwas zu wissen. Oft fungiert <em>glaubs</em> auch als Absicherung, wie in <em>Ich ha s Fenschter glaub scho zuegmacht.</em> – aber eben nicht sicher. Oder als &#8220;Höflichkeitspartikel&#8221;, um einen Einwand abzuschwächen, auch wenn man weiss, dass man recht hat: <em>&#8220;Tom Cruise ist doch mit Nicole Kidman verheiratet&#8221; – &#8220;Nein, die sind <strong>glaubs</strong> nicht mehr zusammen&#8221;</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Dialekt, von gr. διαλέγομαι, dialegomai &#8220;miteinander reden&#8221;</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/04/07/dialekt-von-gr-%ce%b4%ce%b9%ce%b1%ce%bb%ce%ad%ce%b3%ce%bf%ce%bc%ce%b1%ce%b9-dialegomai-miteinander-reden/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 22:14:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Endlich komme ich dem Aufruf der &#8220;alten Kiehvotz&#8221; nach, an ihrer (bzw. seiner) Blogparade teilzunehmen – mit Vergnügen! Zumal Dialekte ein... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/04/07/dialekt-von-gr-%ce%b4%ce%b9%ce%b1%ce%bb%ce%ad%ce%b3%ce%bf%ce%bc%ce%b1%ce%b9-dialegomai-miteinander-reden/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Endlich komme ich dem Aufruf der &#8220;alten Kiehvotz&#8221; nach, an ihrer (bzw. seiner) <a href="http://www.alte-kiehvotz.de/allgemein/blogparade-dialekte/">Blogparade</a> teilzunehmen – mit Vergnügen! Zumal Dialekte ein so dankbares Thema sind, ist es doch kaum je erschöpft. Lasst uns alle unsere Beobachtungen und Ansichten in den Topf werfen und dann wird kräftig umgerührt in der Hoffnung, dass sich Völkerverständigung und kein Öl-Essig-Verhältnis einstellt. So werde auch ich meinen Senf dazugeben, mit dem Versuch, linguistische Hintergründe einfliessen zu lassen&#8230;</em></p>
<p>Ich spreche Schweizerdeutsch. Die Schweiz, jaja. Sie wird zwar als eigen wahrgenommen, aber gerade sprachlich eher als ein Anhängsel von Deutschland. Herzig, diese Schweizer. Daher jedenfalls unser Minderwertigkeitskomplex. Ich bin mir nicht sicher, was man sich ausserhalb der Schweiz unter Schweizerdeutsch vorstellt. Darum ein <em>Probiererli</em> in meiner Mundart (für das exotische Erlebnis habe ich den Text eingesprochen):</p>
<p><a href="http://www.jimynu.ch/blog/audio/chde.mp3">Audio-Datei herunterladen (chde.mp3)</a></p>
<blockquote><p>I de Schwiiz redt me vor allem Schwiizertüütsch – e hochalemannischi Mundart, wo sogar <a href="http://als.wikipedia.org/wiki/Houptsyte">i de Wikipedia verträte isch</a>. Im Alltag ghört me sehr selte Hochtüütsch. Im Radio und Fernseh werded nu Noochrichtesändige uf Hochtüütsch usgschtrahlt. Bi Zuegreiste, wo nid guet Schwiizertüütsch verstönd, hend die meischte Schwiizer kei Problem zum uf Hochtüütsch umzschalte (bzw. uf <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/22/deutsch-und-deutlich/">Standardtüütsch</a>). Für da, wa mir als Hochtüütsch bezeichned, werded mir zwor immer wieder belächled, aber hey: so schlimm isch es den au wieder nid.<br/>Natürlich isch alles Gschribne i de Schweiiz uf Hochtüütsch &#8211; e standardisierti schwiizerüütschi Orthografie het sich nie duregsetzt, wohrschindli au wels kei Standard-Schwiizertüütsch git (meh dezue wiiter unne). Ganz informelli Sache wie SMS oder au E-Mails schriibed allerdings vor allem di Jüngere gärn uf Schwiizertüütsch, eifach grad so, wie mes seit, und as Hochtüütsch aaglehnt, wel da d Lesbarkeit erhöht.</p></blockquote>
<p>Herzig, oder? ;)</p>
<p>Ich stelle vor: &#8220;Schaffhauserdeutsch&#8221;, mein Dialekt, in dem die meisten Beispiele hier sind. In Anführungszeichen, weil es eine Unter-Unter-Unter-Unter-Unterkategorie der deutschen Sprache ist, die eher auf Gefühl denn Belegen basiert. Eine Stufe höher wäre dann das Ostschweizerische, das auch eher auf <em>Gspüri</em> (Wahrnehmung) und Geografie gestützt ist. Wie die meisten schweizerdeutschen Dialekte – Achtung: Wissenschaftssprech – gehört es zum <em>Hochalemannischen</em>.</p>
<p>Dann ist noch zu sagen, dass Dialekte oder Mundarten in der Schweiz einen anderen Stellenwert haben: Der Dialekt existiert als selbstverständlicher alltäglicher Begleiter neben der Schriftsprache und hat nicht den Beigeschmack &#8220;ungebildet&#8221;. </p>
<p>Aber was macht nun einen Dialekt aus? Sehr auffällig sind einerseits verschiedene Lautinventare, bzw. Lautentsprechungen, die aus unterschiedlich verlaufenen Lautverschiebungen resultieren. Am Beispiel des Schweizerdeutschen: <em>Chüssi</em> (<em>k</em> am Wortanfang entspricht meist <em>ch</em>), <em>luschtig, Chnoschpe</em> (<em>st</em> und <em>sp</em> werden immer <em>scht</em> und <em>schp</em> ausgesprochen), <em>Biig</em>, <em>Wii</em>, <em>miis</em> (wo im Deutschen ein <em>ei</em>, steht im Schweizerdeutschen oft langes <em>i</em>), <em>Huus</em> (Ein hochdeutsches <em>au</em> entspricht meist einem schweizerdeutschen <em>uu</em>. Hier hat das Schweizerdeutsche die ältere Form <em>hûs</em> (mit langem <em>u</em>) bewahrt, während im Standarddeutschen die Reise weiterging zu einem Diphthongen, vgl. <a href="http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&#038;mode=hierarchy&#038;textsize=600&#038;onlist=&#038;word=haus&#038;lemid=GH03949&#038;query_start=1&#038;totalhits=0&#038;textword=&#038;locpattern=&#038;textpattern=&#038;lemmapattern=&#038;verspattern=#GH03949L0">den Eintrag in Grimms Wörterbuch</a>)</p>
<p>Auch bezeichnend für einen Dialekt ist das Vokabular – beispielsweise <em>Bölle</em> (Zwiebel), <em>Bitzggi</em> (Kerngehäuse des Apfels), <em>Gschpäänli</em> (Spielkamerad), <em>Guezli</em> (Keks), <em>(t)schute</em> (Fussball spielen), <em>böögge</em> (popeln), <em>Gfätterlischuel</em> oder neutraler <em>Chindsggi</em> (Kindergarten), <em>Gopfertammi</em> (wütender Ausruf, von &#8220;Gott verdamme mich&#8221;), <em>Saugoof</em> (Balg), <em>Brösmeli</em> (Brosamen) oder, noch eher zu erschliessen: <em>Zmorge, Znüni, Zmittag, Zvieri und Znacht.</em></p>
<p>Vermeintlich schlüpfrige Wörter haben wir sicherlich viele zu bieten; mir fallen da gerade ein: <em>fötzle</em> (Fötzel, also verrissenes Papier, oder Ähnliches (meist Abfall) zusammenlesen), <em>Fotzelschitte</em> (altes Brot, in Milch eingelegt und mit Ei gebraten) <em>abgfigget</em> (ausgelaugt, verbraucht; ohne sexuelle Anspielung) und <em>huere</em>* (verstärkend: &#8220;sehr, extrem&#8221;; wohl von &#8220;Hure&#8221;, hat aber in diesem Zusammenhang die ursprüngliche Bedeutung eingebüsst).</p>
<p>Wörter sind bekanntlich oft regional verbreitet. Ins Schweizerdeutsche fanden zum Beispiel viel französisches Vocabulaire Eingang, wie <em>merci</em>, <em>exgüsi</em>, <em>Velo</em>, und das <em>Gelerettli</em> (Uhr, von &#8220;quelle heure est-il&#8221;), von dem ich freilich noch nie jemanden habe sprechen hören. Es kommt auch oft vor, dass eine semantisch verwandte Vokabel sich in einem Dialekt als normal durchsetzt, während sie in anderen nur eine Nebenform ist: <em>Ross</em> (Pferd), <em>Rüebli</em> (Karotte), <em>schaffe</em> (arbeiten), <em>luege</em> (schauen), <em>lose</em> (hören).</p>
<p>In Deutschland sind die Schweizer für ihre Diminutive bekannt. Allerdings hängen wir nur an gewisse Wörter <em>immer</em> ein <em>-li</em> an, bei anderen nur, wenn es sich um etwas Kleines handelt. So sagen wir immer <em>Päckli</em>, <em>Zeltli</em> (Bonbon), <em>Liibli</em> (T-Shirt), <em>Heftli</em> (Magazin) und so weiter. Nur bei kleinen Ausführungen kommen dagegen beispielsweise folgende Verkleinerungen zum Zuge: <em>Löffeli</em>, <em>Büechli</em>, <em>Schiibli</em>, <em>Velöli</em>, <em>Fenschterli</em> und und und (aber NIE: <strike><em>Fränkli</em></strike>). Damit lässt sich wunderbar zum nächsten Abschnitt überleiten: Selbst- und Fremdwahrnehmung und Abgrenzung. Auch bekannt unter dem Schlagwort &#8220;Identität&#8221;.</p>
<p>Während Deutschland die Schweiz als ein einziges grosses – oder vielleicht eher kleines – Dialekt-Naturschutzgebiet wahrnimmt, ist die Schweizer Wahrnehmung – wer hätte das gedacht – sehr viel differenzierter. Die Schaffhauserinnen grenzen sich von den St. Gallerinnen ab, die Berner von den Zürchern, die Baselstädterinnen von den Basellandschafterinnen&#8230; Aber wenn es darum geht, die Deutschschweiz nach aussen zu &#8220;verteidigen&#8221;,  ziehen wir die Trennlinie plötzlich zwischen Schweizerdeutsch und Französisch (der so genannte Röstigraben) oder zwischen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch (wobei wir uns, zumindest in diesem Moment, der vielen deutschen Dialekte natürlich auch nicht bewusst sind).</p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/05/sprechende-schweiz.png" alt="sprechende-schweiz.png" border="0" width="700" height="250" /></div>
<p>Die Realität ist also wie immer viel komplizierter als man sie gerne hätte. Wie soll man denn da einen Überblick erlangen? Also lassen wir das Abwägen für einmal beiseite und machen wir uns an greifbare Einteilungen.</p>
<p>Eine grobe Einteilung würde ich in Berner, Zürcher, Bündner, Basler, Walliser, Innerschweizer, Ostschweizer und Mittelland-Dialekte vornehmen. Die Schweizer verstehen sich untereinander ziemlich gut – etwas ein Sonderfall sind die Walliser*, deren Sprache so schrägen Lautwandeln unterworfen war, dass der Dialekt für die restlichen Deutschschweizer tendenziell unter &#8220;exotische Sprachen&#8221; eingeordnet wird. Das Wallis ist also salopp gesagt für die Schweiz, was diese wiederum für Deutschland ist**.</p>
<p>Wir erkennen am Dialekt schnell, woher jemand kommt. Allerdings nimmt mit der Entfernung die Unterscheidungskompetenz (logischerweise) ab – so meinen Berner, ich käme aus St. Gallen, obwohl für mich der Sanktgaller-Dialekt grundverschieden klingt von Schaffhauserdeutsch. Im Gegenzug kann ich Stadtberner nicht sofort von Berneroberländern unterscheiden (die sprächen langsamer und sowieso und überhaupt gaaaanz anders als die Städter, habe ich mir sagen lassen). Die Luzerner würden vermutlich protestieren, mit den &#8220;urchiger&#8221; klingenden Innerschweizern oder den &#8220;durchschnittlichen&#8221; Mittelländern in einen Topf geschmissen zu werden, St. Gallen Stadt ist nach der Wahrnehmung der Einwohner wahrscheinlich sprachlich meilenweit entfernt vom Toggenburg oder Rheintal, und den Appenzellern werde ich damit eh nicht gerecht. </p>
<p>Es ist also nicht ganz einfach zu sagen, &#8220;so heisst das auf <em>Schweizerdeutsch</em>&#8221; – denn die einen sagen <em>Grüezi</em> (&#8220;Ich grüsse Sie&#8221;), die anderen &#8220;Grüess-Äch&#8221; (&#8220;Ich grüsse Euch&#8221; – in der Region Bern fungiert die zweite Person Plural als Höflichkeitsform). Also kommt <em>der Deutsche</em> mit seinem <em>Grützi</em> (Exgüsi, Klischee) nicht besonders weit. In Schaffhausen sagt man <em>Butter</em> und <em>Zopf</em>, in Bern <em>Anke</em> und <em>Züpfe</em>.</p>
<p>Das bringt mich zur Feststellung, dass Schaffhauserdeutsch in mancher Hinsicht dem Schwäbischen ähnlicher ist als dem Berner Dialekt (Südschwäbisch wird ohnehin mit dem Schweizerdeutschen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Alemannic_language_location_map_in_1950-de.svg">zum Hochalemannischen gezählt</a>). Was ja auch einleuchtend ist, ohne sich eingehend mit Dialektgeografie zu beschäftigen: Im Dorf zwei Kilometer weiter ist der Dialekt ähnlicher als 200 km entfernt, egal, ob da eine Grenze ist und das eine Schweizerdeutsch und das andere Schwäbisch heisst (Schwäbisch hat z.B. auch die &#8220;Abart&#8221; (vom Hochdeutsch aus gesehen), <em>sp</em> und <em>st</em> immer mit <em>sch</em> zu sprechen, und die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwäbisch#Grammatikalische_Merkmale">Liste von grammatischen Merkmale das Schwäbischen in der Wikipedia</a> liest sich für mich fast wie ein Beschrieb des Schweizerdeutschen). Solch kühne Behauptung unterstütz auch die Wikipedia**.</p>
<p>Deshalb die Frage: Wie künstlich ist die Einteilung in Dialekte? Im deutschsprachigen Raum sind Dialektkontinua an der Tagesordnung und klare Grenzen so schnell verwischt wie geortet. Doch der Einfachheit halber darf man sich unbesorgt ans Modell der Dialektgebiete halten – solange man im Hinterkopf behält, dass sich Sprachen nicht an geografische Grenzen halten.</p>
<p>Ich fand es so schön, dass <em>gebracht</em> auf Walliserdeutsch <em>gibrunge</em> heisst, dass ein paar Dörfer weiter die Zahl <em>zwei</em> drei Genera hat (<em>zwee, zwaa, zwoo</em>), dass britische <em>u</em>s wie <em>ü</em>s klingen, wie Schotten die Vokale langziehen, eine Berlinerin die <em>g</em>s durch <em>Jot</em> ersetzt oder die Berner alle <em>l</em>s zu <em>u</em>s machen, dass ich Allgemeine Linguistik studiere. Nun ist Schönheit natürlich zutiefst unwissenschaftlich. Aber wir wissen es doch alle: Dialekte sind schön!</p>
<div class="kleiner">Weitere Links zum Thema Schweizer Dialekte: <a href="http://dialects.from.ch/">Chochichästli-Orakel</a> (Wo gehört mein Dialekt hin?); <a href="http://www.dialekt.ch/">www.dialekt.ch</a> (Website der Uni Basel mit Hörbeispielen); *<a href="http://www.youtube.com/watch?v=yQA3E4rMggc">Neuvertonung einer Yoghurtwerbung auf Walliserdeutsch</a>; **Wissenschaftliches bei der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerdeutsch#Gliederung_der_schweizerdeutschen_Dialekte">Wikipedia: Schweizerdeutsch</a></div>
<div class="kleiner">Die Illustration habe ich zusammengeschustert auf der Basis einer Schweizerkarte aus <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Switzerland_topographic_2.jpg">Wikimedia Commons</a> und eines <a href="http://www.flickr.com/photos/clairity/154640125">Bildes des Flickr-Users *clairity*</a> unter <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en">CC-Lizenz</a></div>
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		<title>Ein Telefonat mit der Grossmutter</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 00:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>ist in mancher Hinsicht nicht so verkehrt. Unter anderem lernte ich gestern einen Ausdruck der Überraschung, den ich gerne verbreitet sehen würde, also flugs gepostet:</p>
<p><strong>Bhüet Sie de Hüenervogel!</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Bairisch</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Dec 2008 20:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Englische Dialekte finde ich persönlich ja interessanter – höchst unwissenschaftliche Aussage, tststs&#8230; – aber wen&#8217;s interessiert: Die Bayerische Landesbibliothek hat... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/12/10/bairisch/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/09/14/englisch-aussprache/">Englische Dialekte</a> finde ich persönlich ja interessanter – höchst unwissenschaftliche Aussage, tststs&#8230; – aber wen&#8217;s interessiert: Die Bayerische Landesbibliothek hat etwas ganz Ähnliches mit abspielbaren Beispielen, sehr übersichtlich und gut vergleichbar, für Bayern: <a href="http://sprachatlas.bayerische-landesbibliothek-online.de/">Sprechender Sprachatlas von Bayern</a></p>
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		<title>Tausend Gründe, die Schweiz zu lieben (20)</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Sep 2008 21:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zeltli &#8211; Kein kleines Zelt, sondern ein Bonbon.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zeltli</em> &#8211; Kein kleines Zelt, sondern ein Bonbon.</p>
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		<title>Tausend Gründe, die Schweiz zu lieben (19)</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Sep 2008 15:42:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>zwääg</p>
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		<title>Les ch&#8217;tis</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Aug 2008 10:49:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern im Kino: Bienvenu chez les Ch&#8217;tis. Der Film, der in Frankreich alle Rekorde bricht, etwa ein Drittel Frankreichs hat ihn... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/08/12/les-chtis/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern im Kino: <a href="http://outnow.ch/Movies/2008/BienvenueChezLesChtis/" title="Beschreib und Kritik bei outnow.ch, der Seite mit den tollen Bildlegenden">Bienvenu chez les Ch&#8217;tis</a>. Der Film, der in Frankreich alle Rekorde bricht, etwa ein Drittel Frankreichs hat ihn schon gesehen. Es geht um die <em>Ch&#8217;tis</em>, die das seltsame <em>Ch&#8217;timi</em> oder mit offiziellem Namen <em>Picardische</em> sprechen, und auch sonst vermeintlich ganz seltsam sind, da oben am Nordpol von Frankreich. Mein Urteil: ironisch bis voraussehbarer Witz (aber nicht störend), wer Französisch sehr gut versteht findet&#8217;s sicher noch lustiger, liebenswürdige Charaktere, sehr gut zum Abschalten und trotzdem nicht platt. Sehenswert.</p>
<p>Und plötzlich war ganz Frankreich Fan dieser Region mit der seltsamen Aussprache, die eher nach gebrochenem Kiefer als nach Französisch klingt. <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Picard">Picard</a> scheint die linguistische Sammelbezeichnung für die Dialekte ganz im Norden zu sein (einige bezeichnen es sogar als Sprache), die in Nord-Pas-de-Calais – wie die BewohnerInnen – auch als <em>Ch&#8217;tis</em> oder <em>Ch&#8217;timi</em> bezeichnet werden, was wahrscheinlich von <em>Ch&#8217;est ti &#8211; ch&#8217;est mi</em> (C&#8217;est toi &#8211; c&#8217;est moi) kommt, wonach französische Soldaten im zweiten Weltkrieg die Picards als <em>Ch&#8217;ti(mi)s</em> bezeichneten.</p>
<p>Im Film wird einmal erklärt: Die Chtis sprechen /s/ als /ʃ/ (sch) und /ʃ/ als /k/. <em>Les chiens</em> sind also <em>die seinen</em>, nicht <em>die Hunde</em>&#8230; Eigentlich ist es ja nicht ganz richtig so rum, denn das Französische hat sich von der Vorgängersprache entfernt, nicht das Picard vom Französischen. die /k/s im Picard waren ursprünglich */k/s, die im Französischen palatalisiert, affrikatisiert und später frikativisiert wurden. Zur Verdeutlichung: lat. <em>canis</em> (Hund, ausgesprochen /kanis/) –&gt; altfrz. *<em>tchien</em> (?) –&gt; frz. <em>chien</em>, während im Picard das /k/ ein velarer Plosiv blieb: <em>kien</em>. Analog entspricht <em>gambe</em> frz. <em>jambe</em> (der Plosiv am Anfang ist &#8220;nach vorne gerutscht&#8221; und wurde zu einem Reibelaut, hier einfach stimmhaft). /ʃ/ ist ja nicht so weit weg von /s/ und noch nachvollziehbar. Im Walliserdialekt des Schweizerdeutschen wird /s/ vor /i/ und /e/ zum Beispiel auch als /ʃ/ ausgesprochen: /ʃi/ &#8220;sie&#8221;.</p>
<p>Soviel zur Phonologie (ohne auf die Vokale einzugehen, die sind immer <em>a pain in the ass</em> ;-)). Dann gibt es noch ein etwas anderes Lexikon, wie man das auch von seiner eigenen Mundart kennt, herauszuheben wären <em>mi/ti</em> statt <em>moi/toi</em> und weitere Vereinfachungen bei Personalpronomen und Basisverben wie <em>sein</em> und <em>haben</em>. Und das tolle <em>heeeeiiiin?</em>, gerne übertrieben betont und ans Satzende gestellt.</p>
<p><em>edit:</em> Nun ist der Film auch in Deutschland angekommen und wurde dafür synchronisiert – kein triviales Unterfangen, muss man doch die Sprachspielereien irgendwie wiedergeben, aber wie übersetzt man so etwas? Genau darum dreht sich ein <a href="http://www.welt.de/kultur/article2645685/So-erfindet-man-einen-neuen-deutschen-Dialekt.html">Interview mit der Synchronisations-Regisseurin Beate Klöckner</a> (via <a href="http://textundblog.de/?p=2728"><em>Text &#038; Blog</em></a>). In der Schweiz lief der Film ja mit Untertitel – wohl unser Zugeständnis an die drei, äh, viesprachige Schweiz. Und dabei, könnte ich noch hinzufügen, wurden vielmals schweizerdeutsche Wörter wie <em>Lumpen</em> für <em>Lappen</em> benutzt, um den verqueren Dialekt darzustellen. Fragt sich, wie sinnvoll das ist, denn warum sollten SchweizerInnen darüber lachen, wie komisch (das eine wie das andere <em>komisch</em>) ihre eigenen Wörter sind&#8230;</p>
<p>Mehr zu Sprache, Film und Region:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/932/168446/">Artikel in der SZ über <em>les Ch&#8217;tis</a></em></li>
<li><a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Picard">Picard</a> (französische Wikipedia)</li>
<li><a href="http://www.nordmag.fr/culture/patois/patois.htm">Le Patois du Nord-Pas de Calais</a></li>
</ul>
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