<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Schadenfriendly – Whatever you say, it's linguistic. &#187; Beobachtungen</title>
	<atom:link href="http://www.jimynu.ch/blog/category/beobachtungen/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.jimynu.ch/blog</link>
	<description>Whatever you say, it's linguistic.</description>
	<lastBuildDate>Thu, 12 Jan 2012 22:28:56 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Gedanken zur Schaffhauser Mundart – Sprachwandel, Dialektverflachung, Variation</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2012/01/12/gedanken-zur-schaffhauser-mundart-%e2%80%93%c2%a0sprachwandel-dialektverflachung-variation/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2012/01/12/gedanken-zur-schaffhauser-mundart-%e2%80%93%c2%a0sprachwandel-dialektverflachung-variation/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 14:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachwandel]]></category>
		<category><![CDATA[alemannisch]]></category>
		<category><![CDATA[diachron]]></category>
		<category><![CDATA[mundart]]></category>
		<category><![CDATA[schaffhausen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=542</guid>
		<description><![CDATA[Zur Zeit beschäftige ich mich mit Schweizer Dialekten und im Zuge dessen am Rande auch mit meinem eigenen Dialekt. Ausgehend... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2012/01/12/gedanken-zur-schaffhauser-mundart-%e2%80%93%c2%a0sprachwandel-dialektverflachung-variation/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zeit beschäftige ich mich mit Schweizer Dialekten und im Zuge dessen am Rande auch mit meinem eigenen Dialekt. Ausgehend davon ein paar Beobachtungen.</p>
<p>Ich bin im Kanton Schaffhausen aufgewachsen und meine Eltern auch. Natürlich bin ich nicht das Mass der Dinge in Sachen Mundart von Schaffhausen, doch der Vergleich älterer Beschreibungen mit der Sprache, die ich spreche, bringt schon, ohne weit in die Tiefe zu gehen, einige Erkenntnisse. Der Kanton Schaffhausen ist ein Zipfel im Nordosten der Schweiz und grenzt an Deutschland. Das Schaffhauserdeutsch gehört zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hochalemannisch">Hochalemannischen</a>.</p>
<p>Heinrich Stickelberger hat 1881, also vor 130 Jahren, eine Diss zur Mundart der Stadt Schaffhausen veröffentlicht. Auf S. 3-4 listet er Merkmale der Stadtschaffhauser Mundart auf (erste 9 Punkte; letzte drei nicht auf der Liste):</p>
<ol>
<li><em>ên, ôn > ii, uu: nii, knuu, schtuu, guu, luu</em> &#8216;nehmen, genommen, stehen, gehen, lassen&#8217;
</li>
<li>mittelhochdeutsches (mhd.) <em>ei > aa</em>: <em>Flaasch und Baa und Faasses draa</em> &#8216;Fleisch und Bein und Feisses dran&#8217;
</li>
<li>Standarddeutsch <em>-ung</em> entspreche <em>-ing</em>
</li>
<li>[æ] gebe es nicht, dies sei zu [ɛ:] geworden
</li>
<li>-n sei geschwunden
</li>
<li>o sei offen vor Nasalen, meist auch vor r: <em>Bòmm, Chròòne, bòre, Tòòr</em> &#8216;Baum, Krone, bohren, Tor&#8217;
</li>
<li>Diminuitive auf -ìlì: <em>Fögili, Büsili</em> &#8216;Vöglein, Kätzchen&#8217;
</li>
<li>Dativ des Infinitiv erhalten: <em>z findid, z machid, z tüend, z sind</em> &#8216;zu finden, zu machen, zu tun, zu sein&#8217;
</li>
<li><em>nünt, numme, oo</em> &#8216;nichts, nicht mehr, auch&#8217;
</li>
<li>Ausserdem setzt er den gespannten Vokalen <em>i, u, ü</em> ungespannte Laute gegenüber. Er impliziert, dass dieser Unterschied phonemisch ist, sagt das aber nicht explizit. Er vermerkt dazu (Stickelberger 1881: 51), dass &#8220;die Wenigsten für den Unterschied von i, u, ü und [den abgetönten Varianten] ein Ohr haben&#8221; (was für mich etwas nach &#8220;ich höre es, weil ich erwarte, dass ich es höre&#8221; klingt).
</li>
<li>Die Aussprache von /r/ ist nach Stickelberger (1881: 15) normalerweise Zungenspitzen-r [r], &#8220;individuell&#8221; sei auch uvulares [ʁ] &#8220;häufig&#8221;, doch würden &#8220;ganze Gemeinden […] wegen des gutturalen r verspottet&#8221;.
</li>
<li>Stickelberger (1881: VI) zählt die Diphthonge /ou, øy, ei, o:u, ø:y/ auf (wobei er in Klammern geöffnete Varianten angibt), dazu die &#8220;unechten Diphthonge&#8221; /iə, uə, yə/.
</li>
</ol>
<p>Aus heutiger und persönlicher Sicht kann ich dazu sagen:</p>
<ol>
<li>Solche Formen kommen mir fremd vor. Das Schaffhauser Mundartwörterbuch (ShMwb) bezeichnet sie als &#8220;Relikte&#8221; (S. 24)
</li>
<li>Ich kenne wenige Leute, die /a:/ statt /ai/ sagen. Für mich hatte das immer etwas Archaisches. Es gibt diesen Spruch, <em>D Zaane d Laatere durabschlaapfe</em> &#8216;Die Zaine die Leiter hinuntertragen&#8217;, den ich als Kind eher als Spottvers auffasste. Wanner (1939: 41) verzeichnet in seinem Werk &#8220;Die Mundarten des Kantons Schaffhausen&#8221; schon ein starkes Vordringen des Diphthongs, der damals allerdings im grössten Teil des Kantons noch /ɛi/ lautete.
</li>
<li><em>Ziiting</em> und <em>Orning</em> sage ich nur zum Scherz. Aber Schulkollegen aus Dörfern fern der Stadt sagten solche Dinge. Noch einigermassen lebendig. Aber die meisten haben sich nach meiner Einschätzung auf allgemein Schweizerdeutsches <em>Ziitig</em> und <em>Ornig</em> verlegt.
</li>
<li>Das ist weiterhin so.
</li>
<li>Auch hier keine Veränderung.
</li>
<li>Ich sage <em>Baum, Chróóne, bòre, Tóór</em>, wobei ich mir <em>Tòòr</em> noch vorstellen kann zu sagen, <em>Bòmm</em> und <em>Chròòne</em> nicht. Die klingen in meinen Ohren betont konservativ.
</li>
<li>Die Diminuitive sind bei mir abgetönt, also <em>Büseli</em> und <em>Vögeli</em>. Das <em>-ili</em> ist mir noch in den Ohren, aber ich glaube nicht, dass es überlebt.
</li>
<li>Ich habe schon solche Formen gehört und mich mit Kollegen darüber lustig gemacht. Ausser im Scherz würde ich sie niemals aktiv brauchen. Das ShMwb stellt fest, der Dativ des Infinitivs sei &#8220;in der älteren Mundart lebendig&#8221; (S. 41).
</li>
<li>In meinem Idiolekt heisst das <em>nüüt, nümme, au</em>. <em>Oo</em> kommt mir sehr fremd vor, <em>numme</em> höre ich ab und zu und <em>nünt</em> sage ich vielleicht auch einmal, z.B. wenn ich sehr deutlich sprechen will.
</li>
<li>Dies hat mich überrascht, da ich hier keinen Unterschied empfinde. Auch das ShMwb (S. 32f.) meint, es gebe &#8220;kaum&#8221; einen Unterschied in der Vokalqualität (wie im Standarddeutschen). Wanner (1939: 8) bezeichnet den Unterschied nicht, weil er &#8220;gering und unbestimmt&#8221; sei.
</li>
<li>Ich kenne niemanden, der das /r/ vorne spricht. Ich dachte immer, das hintere, gegen Vokal tendierende /r/ [ʁ? ɣ?] (im Auslaut meines Erachtens [-ɔ]) sei typisch für Schaffhausen (und die Ostschweiz). In der Tat scheint schon ein bis zwei Generationen später das Zungenspitzen-r auf dem Rückzug zu sein: &#8220;[Zäpfchen-r] scheint umsich [sic] zu greifen. In Ra[msen] und Scha[ffhausen] herrscht es vor, in Schl[eitheim] auch.&#8221; (Wanner 1939: 10). Das ShMwb stellt lapidar fest: &#8220;In der Schaffhauser Mundart ist das Zäpfchen-r verbreiteter als das Zungen-r.&#8221; (S. 34).
</li>
<li>Die &#8220;unechten&#8221; Diphthonge (mit Schwa als zweitem Glied) sind auf jeden Fall erhalten. Dass diese nicht monophthongiert sind, ist meines Wissens eines der verbindenden Merkmale des Schweizerdeutschen gegenüber der hochdeutschen Standardsprache. In meinem Idiolekt hingegen ist /ou/ zu /au/ geworden, /ei/ wie /a:/ (siehe oben) zu /ai/, /øy/ zu /ɔi/ – dies alles scheint eine Anpassung ans Hochdeutsche zu sein. Die lange Diphthonge haben sich allerdings als /a:u, ɔ:i/ erhalten (/lau/ vs. /bla:u/). Auch /ai/ hat einen entsprechenden Langdiphthong /a:i/, wie in <em>ma:ijə</em> &#8216;mähen&#8217; den Stickelberger allerdings anders analysiert (mit &#8220;reduziertem i&#8221;) – bei Wanner (1939) entspricht er /ɛ:i/: <em>mɛ:ijə</em> (S. 35).
</li>
</ol>
<p>Fazit: 8½ (7 ganz, 3 teilweise) von 12 Merkmalen, die vor 130 Jahren typisch für den Dialekt der Stadt Schaffhausen waren, kommen mir fremd oder archaisch vor. Weiterhin &#8220;aktuell&#8221; (immer verglichen mit meinem Idiolekt) sind systematische Lautwandel und einzelne Formen. Davon ausgehend drei Gedankengänge.</p>
<p><strong>Verflachung des Dialekts</strong></p>
<p>Der Gedanke liegt beim Betrachten der obigen Liste nahe. Ecken und Kanten des Dialekts werden abgeschliffen, es findet eine Anpassung an die Umgebung statt, hervorstechende Merkmale werden zugunsten weiter verbreiteter Formen aufgegeben. Ich kann nur noch einmal feststellen, womit dies zu tun hat: Früher gab es viel weniger Einflüsse von aussen (Stichworte Migration und Massenmedien). Es sind die Lebensumstände, welche die Sprache formen. Sprachwandel halt.</p>
<p>Mir scheint, dass sich der Schaffhauser Dialekt neben der hochdeutschen Standardsprache vor allem den anderen Ostschweizer Dialekten orientiert hat. Dies mit dem Vorbehalt, dass dies meine persönliche Einschätzung ist, da ich nicht weiss, welche Merkmale seit jeher &#8220;ostschweizerisch&#8221; sind. Ich vermute, es gibt eine Verbandelung der Dialekte von Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen (was z.B. die Ostschweizerische Vokalspaltung nahelegt, die grob die Dialekte dieser Kantone gemeinsam haben). Das hiesse, man hat sich v.a. ähnlichen Dialekten angepasst, grenzt sich hingegen jedoch weiterhin bewusst von anderen ab (Zürichdeutsch, Schwäbisch).</p>
<p>Die Tendenz zur Verflachung ist, denke ich, nicht umstritten. Aber es wäre ein falsches Bild, würde man behaupten, dass die Schweizer Mundarten bald zu einem einzigen grossen Brei verschwimmen werden. Denn in Abgrenzung zu anderen beharren wir auf Unterschieden wie dem schaffhauserischen <em>nid</em> (&#8216;nicht&#8217;) oder auf unserm <em>a</em>, das nach der Überzeugung der SchaffhauserInnen nicht so hell ist wie das in St. Gallen und nicht so dunkel wie das in Zürich.</p>
<p>Das Schaffhauser Mundartwörterbuch stellt ebenfalls eine &#8220;Tendenz zur Uniformierung&#8221; fest und meint einen Absatz weiter unten: &#8220;Dialektgrenzen erhalten sich dennoch erstaunlich zäh, zwar sinkt die Kenntnis von Details, nicht aber das Bewusstsein für Mundartgrenzen. Die feinen Unterschiede zwischen den Dialekten erhalten sich selbst dann noch, wenn vermeintlich niemand mehr «richtigen» Dialekt spricht.&#8221; (S. 26)</p>
<p><strong>Geschwindigkeit des Sprachwandels</strong></p>
<p>Einhergehend mit der &#8220;Tendenz zur Uniformierung&#8221; wird eine &#8220;Beschleunigung des Sprachwandels&#8221; ab Mitte des 20. Jahrhunderts attestiert (ShMwb S. 26). Hier kann ich ebenfalls nicken und einhaken: Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Merkmale eines (nicht in der Ausrottung begriffenen) Dialektes sich in wenigen Generationen ändern – in diesem Falle: sich überregionaler Formen annähern oder angleichen.</p>
<p>Verwundert bin ich weiterhin über den Zusammenfall der offenen und geschlossenen <em>i, u, ü</em>. Wenn diese wirklich phonemisch gewesen sind, hat das Vokalsystem sich innerhalb von etwas mehr als einem halben Jahrhundert nicht unwesentlich vereinfacht, was ich durchaus bemerkenswert finde.</p>
<p><strong>Variation</strong></p>
<p>Wieder einmal mit der Nase gestossen wurde ich auf die Erkenntnis, dass Sprache nicht so fixiert ist, wie wir meinen – es gibt oftmals eine gewisse Variation, gerade im lexikalischen Bereich, aber auch bei der Formenbildung oder dem Lautsystem. Mehrere Wörter oder Formen konkurrieren sich, vielleicht setzt sich eines durch oder sie bestehen längere Zeit nebeneinander. In einem nicht durch Schriftkonventionen standardisierten Dialekt ist dies noch stärker der Fall als etwa im Standarddeutschen.</p>
<p>Dies stellt auch Wanner (1939) fest: &#8220;Die Einheit im Ganzen duldet Mannigfaltigkeit im Einzelnen.&#8221; (S. 2)</p>
<p>So gibt es <em>numme</em> und <em>nümm(e)</em>, <em>Bòmm</em> und <em>Baum</em>, <em>Ziitig</em> und <em>Ziiting</em>, <em>Laatere</em> und <em>Laitere</em> oder <em>Gaaferi, Gäiferi, Gäuferi</em> und <em>Gòòferi</em> (&#8216;Geiferer&#8217;, ShMwb S. 158). Konjunktiv-Formen sind besonders ergiebig; So heisst <em>ich niem, neem, nääm, näämti</em> (ShMwb S. 43) alles &#8216;ich nähme&#8217;. Auch sonst ist bei Verbformen eine flexible Handhabung festzustellen: <em>Ich will</em> kann wiedergegeben werden als <em>ich wett, ich wött, ich wott</em> und gerade noch zulässig ist standarddeutsches <em>ich will</em>. Wanner (1939) gibt gleich sechs (örtlich klar verteilte) Varianten für <em>Bremse</em> (die Insekte): <em>Bräme, Breeme, Breme, Brääme, Brööme, [brœ:mə]</em> (S. 4).</p>
<p>Diese Variation, der man schon im Kleinen Gebiet eines Kantons begegnet, ist im grossen Massstab das alltägliche Brot in der Schweiz: Eine sagt so, der andere so, und meistens versteht man sich.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Stickelberger, Heinrich: <em>Lautlehre der lebenden Mundart der Stadt Schaffhausen</em>. Aarau: Sauerländer 1881.
</li>
<li>Wanner, Georg: <em>Die Mundarten des Kantons Schaffhausen</em> Hg. von Hans Wanner. Schaffhausen: 1939-1941.
</li>
<li><em>Schaffhauser Mundartwörterbuch</em>. Begründet von Alfred Richli; erarbeitet von Heinz Gallmann [et al.]. Schaffhausen: Meier 2003.
</li>
</ul>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2012/01/12/gedanken-zur-schaffhauser-mundart-%e2%80%93%c2%a0sprachwandel-dialektverflachung-variation/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Unpersönlich in erster, zweiter, dritter und vierter Person</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2011/10/19/unpersonlich-in-erster-zweiter-dritter-und-vierter-person/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2011/10/19/unpersonlich-in-erster-zweiter-dritter-und-vierter-person/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 17:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gehört]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>
		<category><![CDATA[indefinit]]></category>
		<category><![CDATA[indefinitpronomen]]></category>
		<category><![CDATA[lyrisches ich]]></category>
		<category><![CDATA[passiv]]></category>
		<category><![CDATA[unbestimmt]]></category>
		<category><![CDATA[unpersönlich]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=534</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten, Situationen und Empfindungen zu beschreiben, die wir alle kennen. Das dreigliedrige Personalpronomensystem des Deutschen ist... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2011/10/19/unpersonlich-in-erster-zweiter-dritter-und-vierter-person/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ziemlich viele Möglichkeiten, Situationen und Empfindungen zu beschreiben, die wir alle kennen. Das dreigliedrige Personalpronomensystem des Deutschen ist wohl gar keine schlechte Basis, auch wenn es auf den ersten Blick sehr strikt erscheint: hier bei mir (ich; wir), mir gegenüber (du; ihr), sonst irgendwo (er/sie/es; sie). <span class="kleiner">Wie es ganz anders geht, zeigt zum Beispiel das Finnische, aber dazu erst am Schluss.</span></p>
<p>Da gibt es zum Beispiel noch die Indefinitpronomina. Heute las ich einen Artikel, in dem durchgehend <strong><em>man</em></strong> verwendet wird. Ein Auszug (zugegeben, das Thema ist eher banal, tut hier aber eh nichts zur Sache):</p>
<blockquote><p><strong>Man</strong> trinkt in Lützelflüh zwei Kaffee [….] – <strong>man</strong> hat eine volle Blase. Doch oh weh! Schon beim Einsteigen sieht <strong>man</strong> das Schild an der Tür: WC gesperrt. [….] Später stellt <strong>man</strong> der Medienstelle der SBB ein paar Fragen. [….] <strong>Man</strong> staunt [über die aufschlussreiche Antwort]. Als Nörgelkunde denkt <strong>man</strong> allerdings: […]<br />
<em>(Tages-Anzeiger 17.10.11)</em></p></blockquote>
<p>Die Verwendung des Pronomens <em>man</em> hat einen besonderen Effekt zur Folge. Die Leserin oder der Leser weiss, dass die Begebenheit dem Journalisten wiederfahren ist, auch wenn er nicht in der 1. Person, als <em>ich</em> berichtet. Warum also spricht er von sich in der 3. Person? <em>Man</em> ist ein <em>Indefinit</em>pronomen, bezeichnet also <em>unbestimmte</em> Personen. Dies legt nahe, dass das Geschilderte jeder und jedem zustossen könnte – es wird impliziert, dass es eine Erfahrung ist, die vielen BahnfahrerInnen bekannt ist.</p>
<p>Bemerkenswert ist, dass im Deutschen ähnliche Effekte mit den Pronomen der 1. und <strong>2. Person Singular</strong> erzielt werden können:</p>
<blockquote><p>Nimm die Finger von dem Mädchen, verlass endlich die Bar<br />
Draussen scheint die Sonne, die Nacht ist nicht mehr da<br />
<strong>Du</strong> hast zuviel geredet, fühlst dich etwas falsch<br />
Das einzige was bleibt läuft <strong>dir</strong> bitter durch den Hals<br />
Und dann schlägt <strong>dein</strong> Herz<br />
(Olli Schulz &#038; Der Hund Marie: Dann schlägt dein Herz)</p></blockquote>
<p>Olli Schulz besingt seine Gefühle in einer bestimmten Situation. Er richtet dies jedoch direkt an den Hörer bzw. die Hörerin, indem er die 2. Person benutzt. Er hätte auch singen können: <em>Ich habe zuviel geredet</em> und so weiter. Doch es scheint, als habe er die Universalität dieses Gefühls betonen wollen: <em>Das kennen wir doch alle, wenn es einem so geht, dass …</em> – Dafür würde sich natürlich auch das Indefitivpronomen eignen, <em>man fühlt sich etwas falsch</em>, doch die ist in manchen Fällen, namentlich wenn sie nicht als Subjekt fungiert, unelegant: <em>Und dann schlägt das Herz von einem</em> – und darüber hinaus kann man die 2. Person auch mit dem Imperativ adressieren und hat damit eine Variationsmöglichkeit: <em>Nimm die Finger von dem Mädchen!</em></p>
<p>Dass <em>du</em> in manchen Fällen <em>man</em> entspricht, dürfte Sprachinteressierten schon vorher bekannt gewesen sein. Noch einen Schritt weiter geht die Verwendung der <strong>1. Person</strong>, oft als &#8220;lyrisches Ich&#8221;, wofür ich auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lyrisches_Ich#Beispiel">das Beispiel in der Wikipedia</a> verweise, zu dem erläutert wird: &#8220;Das Lyrische Ich ist hier eine fiktive Figur […]&#8221; – Die 1. Person Singular steht also für eine nicht genau bestimmte Person, genau wie <em>man</em> oder <em>du</em> oben.</p>
<p>Auch <strong><em>wir</em></strong>, die 1. Person des Plurals, kann in solchem Sinne verwendet werden: Das lyrische Ich kann auch als wir auftreten, aber auch gewisse <em>man</em>-Sätze können durch <em>wir</em>-Sätze ersetzt werden: <em>Diesem Phänomen begegnen wir …</em> (vgl. nächsten Abschnitt), was eine den Leser oder die Hörerin miteinbeziehende Form für <em>Diesem Phänomen begegnet man …</em> ist.</p>
<p>Und dann wäre da natürlich noch das <strong>Passiv</strong>, neben <em>man</em> die erste Wahl bei Texten, die objektiv (also unpersönlich) sein müssen (oder erscheinen sollen): <em>Daraus wird ersichtlich, dass …</em></p>
<p>Ebenso stehen <strong>weitere Indefinitpronomen</strong> zu Verfügung: <em>jemand, eine, einer, alle, jeder, jede</em> etc.</p>
<p>Die &#8220;kreative&#8221; Verwendung unbestimmter Formen erlaubt Umschreibungen und Ersetzung, die Abwechslung in einen Text bringen, aber auch jeweils einen eigenen Beigeschmack haben: &#8220;aggressives&#8221; <em>du</em>, Objektivität implizierendes Passiv, pathetisches <em>wir</em>, egozentrisches/persönliches <em>ich</em> und so weiter. Einem elaborierteren Variieren der Personalformen begegnen wir bei Kettcar. Hier wird gemischt, was das Zeug hält (Ähnliches liesse sich sicherlich auch in Gedichten finden; ich hab&#8217;s mehr mit der Musik):</p>
<blockquote><p>Das was <strong>du</strong> aussuchst<br />
<strong>Wir</strong> tauschen Zeit für Geld und hoffen<br />
[…]<br />
<strong>Ich</strong> wüsste wie es wirklich war<br />
Egal ist gleich vorbei<br />
Welcher Teil jetzt wirklich stimmt<br />
<strong>Ich</strong> war ja auch dabei<br />
Lächeln und still<br />
Am Ende steht immer die Null<br />
und was <strong>wir</strong> dafür halten<br />
(Kettcar: Nullsummenspiel)</p></blockquote>
<p>Der Text legt sich nicht auf <em>eine</em> Bezeichnung der Person fest, welche die besungenen Situationen durchlebt: <em>Du</em> suchst dir etwas aus, <em>wir</em> tauschen, <em>ich</em> wüsste. Es könnte auch heissen: <em>Das was man aussucht / Man tauscht Zeit für Geld […]</em> oder <em>Du weisst wie es wirklich war […] Du warst ja auch dabei</em> – Der Inhalt würde sich nur geringfügig ändern (worüber man sich natürlich streiten kann). Meine Interpretation ist die folgende: Dass durch die bewusste Vermischung der Personalformen ebenjene unwichtig werden, deutet darauf, dass ein Anspruch besteht, Gefühle und Gedanken, die viele kennen, zu artikulieren – es geht nicht um jemand Bestimmtes, jedeR könnte so fühlen. Die Auflösung der eigentlichen Bedeutung der Pronomina unterstreicht das.</p>
<h1>Andere Sprachen</h1>
<p><strong>Im Englischen</strong> behilft man sich in Ermanglung eines <em>man</em> mit <em>you</em>: <em>You can&#8217;t do that!</em> oder mit <em>they</em>: <em>They say that …</em> (&#8216;Man sagt, dass …&#8217;).</p>
<p><strong>Im Französischen</strong> wird das Indefinitpronomen <em>on</em> (&#8216;man&#8217;) oft für die 1. Person Plural eingesetzt: <em><strong>On</strong> va au ciné?</em> (&#8216;Gehen <strong>wir</strong> ins Kino?&#8217;) – dies ist das umgekehrte Phänomen des <em>wir</em> bei Kettcar, das für irgendjemand stehet.</p>
<p><strong>Im Spanischen</strong> (und soweit ich weiss, auch im Italienischen) gibt es eine Reflexivkonstruktion, die etwa dem deutschen <em>man</em> oder Passiv entspricht: <em>No se puede vivir sin aire.</em> (&#8216;Man kann nicht leben ohne Luft.&#8217;, wörtlich &#8216;Es kann sich nicht leben ohne Luft.&#8217;), <em>se vende</em> (&#8216;zu verkaufen&#8217;), <em>Se dice que …</em> (&#8216;Es wird gesagt, dass …&#8217;).</p>
<p>Das <strong>finnische</strong> &#8220;Passiv&#8221; ist eine weitere Variante, Handlungen ohne bestimmtes Subjekt auszudrücken. Es wird auch &#8220;4. Person&#8221; genannt, da es eine Handlung beschreibt, die von einer nicht definierten Person durchgeführt wird (&#8220;irgendjemand macht etwas&#8221;): <em>Kirja luetaan.</em> (&#8216;Das Buch wird gelesen&#8217;)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2011/10/19/unpersonlich-in-erster-zweiter-dritter-und-vierter-person/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Was man mit Worten machen kann</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2011/07/07/was-man-mit-worten-machen-kann/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2011/07/07/was-man-mit-worten-machen-kann/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2011 12:55:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Trockenphilosophieren]]></category>
		<category><![CDATA[analysten]]></category>
		<category><![CDATA[bullshit]]></category>
		<category><![CDATA[experten]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>
		<category><![CDATA[rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[sprache als handwerk]]></category>
		<category><![CDATA[was]]></category>
		<category><![CDATA[wie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=508</guid>
		<description><![CDATA[Reden und schreiben und so halt, ne. Zielgerichtet und weniger zielgerichtet. Und extrem zielgerichtet.
Wir sind es uns gewoht; alle Bäcker... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2011/07/07/was-man-mit-worten-machen-kann/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Reden und schreiben und so halt, ne. Zielgerichtet und weniger zielgerichtet. Und extrem zielgerichtet.</p>
<p>Wir sind es uns gewoht; alle Bäcker haben <em>die besten Brote</em>, und natürlich zieht einem auch der Metzger den Speck durch den Mund bei der Anpreisung seiner Fleischwaren. Die Frage ist, ob wir es uns gewohnt sind und deshalb immer kritisch, oder ob wir uns so daran gewöhnt haben, dass wir nicht mehr kritisch sind und auf wohl gewählte Worte hereinfallen.</p>
<p>Noch ein Stückchen perfider ist das PR-Gesülze und Politgequassel. Die richtigen Worte zu verwenden ist Thema von Kursen, und sie zu finden ist eine Industrie. Nicht, dass wir das nicht wüssten. Aber sind wir uns wirklich immer bewusst, wie Worte eingesetzt werden, um uns zu beeinflussen?</p>
<p>Wir haben gar nicht die Zeit, immer alle Drucksachen und Gespräche eingehend darauf zu prüfen, was eigentlich gesagt wird und wie es gesagt wird. Und wir haben nicht bei allen Themen die Expertise. Doch oft stellt das &#8220;wie&#8221; das &#8220;was&#8221; in den Schatten. Dabei ist Rhetorik keine Schwarze Magie. Es braucht nur etwas Zeit und Sorgfalt, um dem Bullshit auf die Schliche zu kommen und ihn beim Namen zu nennen.</p>
<p><strong>Beispiel 1</strong>: <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/digital/internet/Fuer-einen-Abgesang-auf-Microsoft-ist-es-zu-frueh/story/23950715">Ein Interview über Microsoft mit einem &#8220;IT-Spezialisten&#8221; bei Newsnetz</a>. Die Frage ist: Wie wichtig ist Microsoft? Kann die Firma bei momentanen Entwicklungen mithalten? Da geht es z.B. um Tablets:</p>
<blockquote><p>TA: Das Tablet-Geschäft aber hat Microsoft verschlafen. Die iPad-Alternative von Microsoft kommt frühestens 2012.<br />
Zacher: Die Tablet-PC-Entwicklung macht in der Tat rasche Fortschritte. Heute sind einige interessante Produkte auf dem Markt. Der Faktor «Coolness» ist das eine. Für viele Nutzer zählen aber Funktionalität und Leistungsumfang. Ich bin nicht so pessimistisch wie Sie: Wenn Microsoft hier sorgfältig arbeitet, kann das Unternehmen auch auf diesem Feld erfolgreich sein.</p></blockquote>
<p>Das ist Bullshit. Der Tablet-Markt ist zur Zeit ein iPad-Markt. Das iPad hat zur Zeit einen Marktanteil von ca. 90%. Der &#8220;Experte&#8221; sagt eigentlich, das iPad sei zwar cool, aber sehr eingeschränkt. Er sagt das nicht explizit, seine Aussagen sind sehr unspezifisch. Eigentlich sagt er einfach irgendetwas. Für solche Allgemeinplätze brauche ich keine &#8220;Experten&#8221;.</p>
<p>Den meisten Leute reicht wohl solch schwachsinniges, überallgemein gehaltenes Stochern im Nichts, weil sie zu wenig Ahnung, Zeit oder Interesse haben. Und das wird dann in die nächste Diskussion getragen und ich sitze daneben und denke, <em>meeeine Güte!</em> – Das klingt jetzt, als ob ich der Übermensch wäre und alles durchschaue, aber natürlich bin ich mir auch nur bei einem kleinen Prozentsatz dessen, was ich lese, bewusst, was gerade abgeht.</p>
<p><strong>Beispiel 2</strong>: <a href="http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/echo-der-zeit/2646.bt10185082.html">&#8220;Der hartnäckige Kritiker der Atomaufsicht Ensi&#8221;</a>. Der Typ, der sich aus Interesse durch die schrecklich technischen Sicherheitsberichte der Atomaufsichtsbehörde Ensi durchgeackert hat, sagt, er merke bei bestimmten Passagen, wie sich ein Ingenieur ungefragt für etwas rechtfertige, &#8220;irgendeinen Sachverhalt versucht zu widerlegen, wonach niemand gefragt hat&#8221;.</p>
<p><strong>Beispiel 3</strong>: Politische Debatten. Oft kommt es vor, dass einE TeilnehmerIn nicht alle Fakten kennt, sich jedoch nicht scheut, irgendetwas zu behaupten. Das geht auf hundert verschiedene Arten, zum Beispiel: &#8220;Es ist doch klar, dass …&#8221;, &#8220;Wir wissen doch alle, …&#8221; oder auch über Vergleiche (&#8220;Dies ist doch wie … – und das wollen wir nicht!&#8221;), über Gefühle (Moderator: &#8220;Die Statistik sagt, dass …&#8221; – &#8220;Aber wenn ich auf der Strasse stehe, sehe ich …&#8221;) oder durch Ausweichen: Die Moderatorin fragt einen Politiker, wie er etwas denn konkret angehen wolle, er antwortet nicht darauf, sondern holt aus: Betroffen seien doch eigentlich diese und jene, man könne darüber reden, und es gehe doch eingentlich darum, dass … – Politische Debatten sind oftmals geradezu Inszenierungen von sprachlichem Hakenschlagen, eher Selbstdarstellung und Informationsweitergabe für das Publikum als Aussagen, die zur Erhellung der Lage beitragen.</p>
<p>Worte können Information übermitteln, aber auch die eigentliche Information verdecken und davon ablenken. Manchmal merken wir es, vielmals aber nicht. Das ist keine neue Erkenntnis, doch man sollte sie von Zeit zu Zeit ins Bewusstsein rufen. Sich fragen, <em>was</em> da eigentlich gesagt wird, und sich nicht vom <em>Wie</em> blenden lassen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2011/07/07/was-man-mit-worten-machen-kann/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Englische Morphologie</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/12/04/englische-morphologie/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/12/04/englische-morphologie/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Dec 2010 10:17:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[deklination]]></category>
		<category><![CDATA[englisch]]></category>
		<category><![CDATA[english]]></category>
		<category><![CDATA[flexion]]></category>
		<category><![CDATA[kongruenz]]></category>
		<category><![CDATA[konjugation]]></category>
		<category><![CDATA[morphologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=477</guid>
		<description><![CDATA[Die Komplexität der Morphologie des modernen Englischen ist auf ein Minimum heruntergefahren, verglichen mit Altenglisch oder mehr flektierenden Sprachen wie... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/12/04/englische-morphologie/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Komplexität der Morphologie des modernen Englischen ist auf ein Minimum heruntergefahren, verglichen mit Altenglisch oder mehr flektierenden Sprachen wie Deutsch.</p>
<p>So kommt es, dass ein <em>-s</em> über Singular oder Plural entscheidet. Ein <em>-s</em> am Verb markiert des Singular (3. Person), dasselbe Morphem <em>-s</em> am Substantiv den Plural:</p>
<p><em>the thing<strong>s</strong> that work<br />
the thing that work<strong>s</strong><br />
<strike>the thing that work</strike><br />
<strike>the things that works</strike></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2010/12/04/englische-morphologie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Namensgebung</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/30/namensgebung/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/30/namensgebung/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 11:16:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesammelt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=448</guid>
		<description><![CDATA[
Jemandem einen Namen zu verleihen, ist bekanntlich keine triviale Angelegenheit. Doch die wahren Abgründe tun sich bei der Namensgebung von... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/30/namensgebung/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2010/07/lindli.jpg" alt="Weidlinge am Lindli" style="border-style:solid;border-width:1px;" border="1" /></p>
<p>Jemandem einen Namen zu verleihen, ist <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/05/05/id-like-to-introduce-you-to-my-name/">bekanntlich</a> keine triviale Angelegenheit. Doch die wahren Abgründe tun sich bei der Namensgebung von Booten auf. Ich habe eine Liste mit Namen von Weidlingen (siehe Bild) zusammengetragen:</p>
<table border="0">
<tr>
<td>
<ul>
<li>Anigeo
</li>
<li>Anjali
</li>
<li>Chilawee
</li>
<li>Chretzer
</li>
<li>Chröttli
</li>
<li>Conepa
</li>
<li>Da da am draat
</li>
<li>Daschwewo
</li>
<li>Davidstadt-Chrützer
</li>
<li>Dolce Vita
</li>
<li>Dreamtime
</li>
<li>Emma
</li>
<li>Freya II
</li>
<li>Fröschli
</li>
<li>Hobbit
</li>
<li>Ichchawarte
</li>
<li>Indian Summer
</li>
<li>Joy
</li>
<li>Knilch 1
</li>
<li>Knilch II
</li>
<li>Kranich 10
</li>
<li>Lemsen</li>
</ul>
</td>
<td>
<ul>
<li>Lomiaumit 4
</li>
<li>Louis III
</li>
<li>Medusa
</li>
<li>Milan 4
</li>
<li>Reyrean
</li>
<li>Rhio
</li>
<li>Rhynixe
</li>
<li>Rhystaurante
</li>
<li>Rhytigerli
</li>
<li>Rhytüüfel
</li>
<li>Rónán
</li>
<li>Seewadel IV
</li>
<li>Siesta IV
</li>
<li>Silbermond
</li>
<li>Sueña
</li>
<li>Summer&#8217;s here
</li>
<li>Sunneströössli
</li>
<li>Süüfferli
</li>
<li>Triebholz
</li>
<li>Wifeschreck
</li>
<li>Wudle
</li>
<li>Zwirbel</li>
</ul>
</td>
</tr>
</table>
<p>Die Bandbreite reicht von unverständlich über kitschig bis peinlich, aber ein wirklich guter Name ist meines Erachtens nicht dabei. Was natürlich höchst subjektiv ist. Obwohl ich dazu tendiere, <em>Sunneströössli</em> als objektiv kitschig zu bezeichnen.</p>
<p>Da gibt es die verfehlten Witze: <em>Ichchawarte</em> (&#8220;Ich kann warten&#8221;) zum Beispiel. Oder <em>Lomiaumit 4</em> (&#8220;Lass mich auch mit&#8221;). Oder <em>Da da am draat</em> (&#8220;Das dort am Draht&#8221;). Oder <em>Daschwewo</em> (&#8220;Das ist wie damals, als&#8221;). Oder <em>Rhystaurante</em> (Aaah, bringt mich hier weg!).</p>
<p>Dann die Augenverdreher. Nicht ganz so schlimm, aber irgendwie nicht würdig: <em>Wifeschreck</em> (nebenbei, zwei <em>f</em> wären der Verständlichkeit zuträglich), <em>Silbermond</em> (hä?), <em>Dreamtime</em>, <em>Davidstadt-Chrützer</em> (whatever) und Konsorten.</p>
<p>Einige erschliessen sich mir nicht: <em>Wudle</em>, was soll das sein? Kann der <em>Zwirbel</em> tanzen? Ist <em>Anjali</em> ein Diminutiv von <em>Anja</em> oder muss man das spanisch aussprechen? <em>Reyrean</em>, <em>Chilaween</em>, <em>Lemsen</em>: Was soll das? Säuft das <em>Süüfferli</em> gern mal ab mitten auf dem Rhein? Ach wie schnüsig, wir gehen unter!</p>
<p>Insider zu verwenden, die niemand versteht, ist natürlich erlaubt. Und doch ist es etwas merkwürdig, ist der Name doch gerade auch da für den Rest der Welt. Deshalb meinen ja auch alle, so extrem kreativ sein zu müssen. Blöd nur, wenn man der Welt aus lauter Stolz die eigene Ader für Kitsch vorführt. <em>Fröschli</em>, <em>Chröttli</em>, <em>Rhytigerli</em> und <em>Rhytüüfel</em> lassen grüssen.</p>
<p>So verschieden die Ansätze, eine Gemeinsamkeit scheint zu sein, dass man mitteilen will, wie innig das Verhältnis zum Weidling ist: Hier verbringt man immer eine gute Zeit. Geradezu exemplarisch schreien dies Namen wie <em>Joy</em>, <em>Dolce Vita</em>, <em>Dreamtime</em>, <em>Summer&#8217;s here</em> und <em>Sunneströössli</em> heraus.</p>
<p>Hier will man sein, hier ist man zu Hause, und Tage am und auf dem Rhein mit dem Weidling sind eine Konstante – davon zeugen die <strong>Nummerierungen</strong>, die wohl beweisen sollen, seit wie vielen Jahrzehnten man selbst und die Vorfahren dem Rhein schon treu sind. Das Heimatgefühl wird durch <strong>Mundartausdrücke</strong> unterstrichen.</p>
<p>Eigentlich verständlich, dass sich die ganze Zuneigung zu Sommer, Sonne, Rhein und das Vergnügen von Baden und Bräteln mit Freunden im Namen des eigenen Weidlings niederschlagen soll. Eine Überlegung wert wäre es jedoch, dies nicht auf eine so plakative Art zu tun, nicht möglichst viel ohne Rücksicht auf (ästhetische) Verluste in den Namen hinein zu quetschen – <em>Lisa</em> oder <em>Johnny</em> würde es auch tun. Und wenn witzig, mein Geschmack wäre da eher so etwas wie <em>Potemkin</em>, <em>Plan B</em> oder <em>Hansruedi</em>.</p>
<p>Aber eben: Schlussendlich ist es eine Frage des Geschmacks. Nur seltsam, dass alle anderen so einen schlechten Geschmack haben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2010/07/30/namensgebung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schön und gut</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/30/schon-und-gut/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/30/schon-und-gut/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 12:39:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[begrüssung]]></category>
		<category><![CDATA[grüssen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=438</guid>
		<description><![CDATA[Grüssen ist einer der kreativsten Bereiche der Sprache. Lassen wir die regionale und zeitliche Variation beiseite, haben wir immer noch... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/30/schon-und-gut/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Grüssen ist einer der kreativsten Bereiche der Sprache. Lassen wir die regionale und zeitliche Variation beiseite, haben wir immer noch ein Arsenal an Möglichkeiten, unser Gegenüber zu begrüssen. Davon passt natürlich jeweils nur eine stark reglementierte Untermenge.</p>
<p>Die Auswahl reicht von <em>Grüezi</em>, <em>Guten Tag</em>, <em>Guten Abend</em> über  <em>Hallo</em>, <em>Tach!</em>, <em>Tach wohl!</em> bis zu <em>hey</em>, <em>ciao</em>, <em>ai!</em>, <em>hallihallo</em>, <em>ey Alter!</em> oder <em>was geht?</em>, und damit ist natürlich noch längst nicht alles aufgezählt. Gerade unter Freunden gibt es noch viel mehr, was man sagen kann, während man sich bei weniger vertrauten Personen eher an die konventionellen Begrüssungsformeln hält.</p>
<p>Doch auch die können variiert werden: Natürlich zuerst mal mit der Intonation – von einem überfreundliches <em>Grüessech</em> bis zu einem eintönig-unterkühlten <em>Hallo</em> ist vieles möglich. Oder man verschluckt die erste Silbe: <em>&#8216;n Obig</em> ist ziemlich geläufig, aber auch <em>Grüezi</em> und <em>Hallo</em> lassen sich zu <em>&#8216;zi</em> und <em>&#8216;lo</em> verkürzen.</p>
<p>Schön und gut, aber warum wünschen wir uns eigentlich zur Begrüssung einen <em>guten</em> Tag und nicht einen <em>schönen</em>? <em>Schönen Tag (noch)</em> sagt man zur Verabschiedung (oder auch nur <em>En schöne!</em>). Warum das so ist, weiss ich nicht – aber in mir bekannten anderen Sprachen wünscht sich zur Begrüssung auch niemand einen <em>schönen</em>, sondern immer einen <em>guten Tag</em>: <em>Bonjour</em>, <em>Buenos días</em>, <em>G&#8217;day</em> (Australisches Englisch), <em>Добрый день</em> (dobryj djen), <em>Goddag</em> (schwedisch), <em>Góðan Daginn</em> (isländisch), <em>hyvää päivää</em> (finnisch)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2010/06/30/schon-und-gut/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Fest der Partikeln</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/15/fest-der-partikeln/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/15/fest-der-partikeln/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 May 2010 09:53:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[abtönungspartikel]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[partikel]]></category>
		<category><![CDATA[partikeln]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=423</guid>
		<description><![CDATA[Sie haben weniger zu tun als auch schon.
Sie haben wohl weniger zu tun als auch schon mal.
Sie haben schon eher... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/15/fest-der-partikeln/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sie haben weniger zu tun als <strong>auch schon</strong>.<br />
Sie haben <strong>wohl</strong> weniger zu tun als <strong>auch schon mal</strong>.<br />
Sie haben <strong>schon eher </strong>weniger zu tun als früher <strong>mal</strong>.<br />
<strong>Eigentlich</strong> haben sie <strong>wohl</strong> weniger zu tun als früher.<br />
Sie haben <strong>wohl schon</strong> weniger zu tun als früher.<br />
Früher hatten sie <strong>sicher auch schon mal</strong> mehr zu tun.<br />
Sie haben <strong>doch wohl schon eher</strong> weniger zu tun als früher <strong>mal</strong>.<br />
<strong>Eigentlich</strong> haben sie <strong>doch <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/11/07/glaubs/">glaubs</a> irgendwie schon wohl eher</strong> weniger zu tun als früher.</em></p>
<p><a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/03/10/ein-schritt-nach-vorn-einer-zuruck/">Partikeln</a>, man muss sie einfach lieben. Sie ermöglichen es, Sätze mit beliebig vielen Abtönungen, Verstärkungen, Verrenkungen und Implikationen vollzupacken. Was unter anderem sehr interessant sein kann, wenn man nur 140 (Twitter) oder 160 (SMS) Zeichen zur Verfügung hat.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2010/05/15/fest-der-partikeln/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Guten Morgen</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/03/22/guten-morgen/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/03/22/guten-morgen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 14:37:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gelesen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=384</guid>
		<description><![CDATA[Gerade gelesen in Braunmüller 1993: &#8220;Kontrastive Pragmatik und interkulturelle Kommunikation&#8221;:
God morgen! kann man [auf Dänisch] im Gegensatz zum Deutschen oder... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/03/22/guten-morgen/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade gelesen in Braunmüller 1993: &#8220;Kontrastive Pragmatik und interkulturelle Kommunikation&#8221;:</p>
<blockquote><p><em>God morgen!</em> kann man [auf Dänisch] im Gegensatz zum Deutschen oder auch Schwedischen nicht bis gegen 12 Uhr sagen; später als 9, höchstens 10 Uhr geäussert, impliziert diese Begrüssung fast schon den Vorwurf, der/die Angeredete sei wohl eben jetzt erst aufgestanden.</p></blockquote>
<p>Ist das so? Ich weiss natürlich nicht, wie es in Deuschland ist, beziehungsweise wie in Nord- und wie in Süddeutschland; aber in der Schweiz ist es mit dem <em>Guete Morge</em> so: nach ca. halb elf geäussert, verleitet es den/die GesprächspartnerIn – nach meiner fundierten empirischen Beobachtung – meist zu einem Kommentar im Sinne von &#8220;wow, du bist schon wach?&#8221;</p>
<p>Ein solcher Kommentar kann natürlich als eine Variation von &#8220;bei dir vielleicht&#8221; gedeutet werden – also eine Art Spieglung des Vorwurfs, den man nicht auf sich bezogen wissen will. Es könnte auch mit hinein spielen, dass ich als (Klischee Start) <em>junger Langschläfer</em> und <em>fauler Student</em> (Klischee Ende) von der arbeitenden Bevölkerung als <em>(noch) nicht ganz angepasst</em> wahrgenommen werde und ein von mir kommendes <em>Guete Morge</em> deshalb weniger als Vorwurf, sondern Selbstironie gedeutet wird.</p>
<p>Ich zweifle jedenfalls daran, dass man im deutschen Sprachraum <strong>bis 12 Uhr</strong> ohne jegliche Implikation <em>Guten Morgen</em> sagen kann.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2010/03/22/guten-morgen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Meines Erachtens nach</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2010/01/01/meines-erachtens-nach/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2010/01/01/meines-erachtens-nach/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 21:42:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gehört]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=357</guid>
		<description><![CDATA[Ähnlich wie zumindestens hat meines Erachtens nach etwas unglücklich Redundantes.
Ich könnte mir vorstellen, dass es sich so zugetragen hat:
Es waren... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2010/01/01/meines-erachtens-nach/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ähnlich wie <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2008/04/28/doppelt-gemoppelt/">zumindestens</a> hat <em>meines Erachtens nach</em> etwas unglücklich Redundantes.</p>
<p>Ich könnte mir vorstellen, dass es sich so zugetragen hat:</p>
<p>Es waren einmal zwei Redewendungen, eine heiss <em>meines Erachtens</em>, die andere <em>meiner Meinung nach</em>. Ihre Bedeutung war nur unwesentlich anders; sie fungierten beide als Einschub, der auf Subjektivität hinwies. <em>Meines Erachtens</em> war stolz auf ihre adlige Herkunft: Sie stammte nämlich von einem Genitiv ab.</p>
<p><em>Meiner Meinung nach</em> konnte mit diesem Traditionalismus nichts anfangen. Er fühlte sich gut in seinem modernen Kleid aus Postposition und Dativ. Als er immer geläufiger wurde, sah er seine Stunde gekommen: Die Menschen würden – nicht erkennend, dass Genitiv und <em>nach</em> gar nicht zusammenpassen – die Postposition auf <em>meines Erachtens</em> übertragen und es zu <em>meines Erachtens nach</em> machen.</p>
<p>So geschah es, und während sich <em>meiner Meinung nach</em> ins Fäustchen lachte, wurde <em>meines Erachtens</em> zunehmend verhunzt – ihr Genitiv war schon so erstarrt, dass sie ihn trotz der Postposition <em>nach</em>, für deren Ergänzung sie eines Dativs bedurft hätte, nicht mehr abstreifen konnte.</p>
<p>Nicht genug originell, um als <a href="http://www.youtube.com/watch?v=JpMU3P4ZlBo">Jugendwort des Jahres</a> gefeiert zu werden, fristete sie ein Dasein voller Rachegelüste, was <em>meiner Meinung nach</em> gefiel. Und sind sie noch nicht gestorben, geht der Sprachwandel weiter.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2010/01/01/meines-erachtens-nach/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ich twitterte</title>
		<link>http://www.jimynu.ch/blog/2009/12/19/ich-twitterte/</link>
		<comments>http://www.jimynu.ch/blog/2009/12/19/ich-twitterte/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 19 Dec 2009 21:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Beobachtungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gelernt]]></category>
		<category><![CDATA[adjektive]]></category>
		<category><![CDATA[deklination]]></category>
		<category><![CDATA[deklinieren]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[flektieren]]></category>
		<category><![CDATA[flexion]]></category>
		<category><![CDATA[schwach]]></category>
		<category><![CDATA[schwer]]></category>
		<category><![CDATA[stark]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jimynu.ch/blog/?p=342</guid>
		<description><![CDATA[Nur peripher soll es in diesem Beitrag um Twitter gehen; aber wer kann schon eine Überschrift mit vier ts in... <a href="http://www.jimynu.ch/blog/2009/12/19/ich-twitterte/" style="white-space:nowrap;"><em>weiterlesen &#187;</em></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nur peripher soll es in diesem Beitrag um Twitter gehen; aber wer kann schon eine Überschrift mit vier <em>t</em>s in einem Wort verstossen?</p>
<p>Eigentlich geht es um schwache und starke Adjektivendungen – a.k.a. &#8220;warum man froh sein kann, deutsch als Muttersprache zu haben und nicht mühsamst lernen zu müssen&#8221;.</p>
<p>Ich <a href="http://twitter.com/jimynu/status/6543504531">twitterte</a> also:</p>
<blockquote><p>[Ich habe] Pläne. Keine spektakulären, aber gute.</p></blockquote>
<p>Dann begann es zu rattern. <em>Keine spektakulär<strong>en</strong>, aber gut<strong>e</strong></em>? Müsste es nicht heissen <em>Keine spektakulär<strong>e</strong>, aber gut<strong>e</strong></em>? Aber wenn ich <em>spektakulär</em> alleine nehme, heisst es doch schon <em>keine spektakulär<strong>en</strong></em>, oder?</p>
<p>Ich <a href="http://twitter.com/jimynu/status/6543570115">twitterte</a>:</p>
<blockquote><p>&#8230;heisst es &#8220;keine spektakuläre&#8221; oder &#8220;keine spektakulären&#8221;? Sprachgefühl reicht nicht, da muss eine Grammatik her.</p></blockquote>
<p>Unterdessen habe ich eine deutsche Grammatik zur Hand genommen und meinen Verdacht bestätigt gesehen: im Deutschen gibt es zwei Reihen von Adjektivendungen, schwache und starke. Nach einem &#8220;Begleiter mit Flexionsendungen&#8221; hat das Adjektiv die schwache Endung, sonst die starke (und dann gibt es natürlich noch <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Adjektiv/Deklinationstyp/Schwankend.html">Ausnahmen</a>). Darum der Unterschied <em>die schön<strong>en</strong> Sachen</em> (schwach) vs. <em>schön<strong>e</strong> Sachen</em> (stark) oder <em>übers (&#8220;über das&#8221;) gefroren<strong>e</strong> Wasser</em> vs. <em>über gefroren<strong>es</strong> Wasser</em></p>
<p>Die folgende Tabelle (<a href="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/12/adj-konj-gross.gif" target="_blank">gross</a>, <a href="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/12/adj-konj.pdf" target="_blank">PDF</a> zum übers Bett Hängen) gibt einen Überblick über die verschiedenen Flexionen:</p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://www.jimynu.ch/blog/wp-content/uploads/2009/12/adj-konj-klein.gif" alt="adj-konj-klein.gif" border="1" width="623" height="253" /></div>
<p></p>
<p>Die abweichenden Endungen im untersten Kästchen rechts erklären denn auch meine Verunsicherung; es ist in der Tat so, dass nach <em>keine</em> eine andere Form folgt als in &#8220;begleiterlosem Umfeld&#8221;. Das klingt dann irgendwie seltsam, weil man erwarten würde, dass parallele Bildungen die gleichen Endungen haben, aber ganz parallel ist das eben nicht.</p>
<p>Die schwachen und starken Endungen unterscheiden sich nicht in allen Fällen und sie sind auch nicht unbedingt kürzer, wie die Bezeichnung <em>schwach</em> nahelegen könnte. Als <em>schwach</em> betitelt werden sie wohl aufgrunddessen, dass sie weniger Veränderungen aufweisen als die starken Endungen, die mehr, also <em>stärker</em>, gebeugt werden.</p>
<p>Als Faustregel kann man sich merken: Einmal markieren reicht. Redundanz brauchen wir nicht, das ist was für Datenzentren. Natürlich ist es in Wahrheit <a href="http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Adjektiv/Deklinationstyp/index.html?MenuId=Word313">komplizierter</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.jimynu.ch/blog/2009/12/19/ich-twitterte/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

