Rhotazismus

Warum heisst es Juristin, aber Justiz, einmal mit s, einmal mit r?

Ein Fall für eine weitere linguistische Märchenstunde. Es trug sich folgendermassen zu: Am Anfang stand der lateinische Stamm ius- (‘Recht’), Nominativ ius, Genitiv iusis. Der Rhotazismus bewirkte, dass s zwischen Vokalen zu r wurde. Somit gab es nunmehr zwei Stämme: Den Nominativstamm ius und den Obliquusstamm iur-, z.B. Genitiv iuris.

Wie die Ableitung justus (“gerecht”) hat die Justiz ein s, der Jurist dagegen entstammt dem Obliquus-Stamm mit r. Aus demselben Grunde studiert man im Singular Jus (“Recht”) und im Plural Jura (“die Rechte”).

Rhotazismen sind übrigens ein häufiges Phänomen. Ein anderes Beispiel wären die Vergangenheitsformen von englisch be (“sein”), wo sich s und r abwechseln: I was, you were.

Der Beitrag "Rhotazismus" wurde am Donnerstag, den 19. August 2010 um 16:10 Uhr veröffentlicht und unter Etymologie und Sprachwandel abgelegt. Du kannst kommentieren oder ein Trackback erstellen.

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